Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 11 (17.3.1874)
- Date
- 1874-03-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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“UJSWWCT I.tlfll Wochenschrift Jüdische Volkszeitung. tür fex* *x tlc de: ::»?ifcljjiPiii־ Bestellungen nehmen alle Postanst^en und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 11% Ngr. in Ermrindk und Zchulr, Zynngogr und Aelim. Herausgegeben von I. Mngruslsm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Anserate find an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3 gesp. Zeile 2 Ngr. No. 11. Leipzig, den 17. März. 1874. Intakt: Bildung und Vorurtheil (Schluß). — Achawa. — Correspondenzen: Ingelheim, Fürth, Nürnberg, Landau (Schluß). — Rundschau. — Literarisches. — Anzeigen. Bildung und Vorurteil! (Schluß.) Im alten Testament, noch heute der Quelle des Sittengesetzes für Judenthum und Juden, wird man vergeblich eine Spur von Uebermaß des Erwerbstriebes suchen. Selbst in die zehn Gebote ist ausgenommen: ״Du sollst nicht begehren das Haus deines Nächsten u. s. w. und Alles was deines Nächsten". Und wenn man diese Bestimmung streng zur An- Wendung bringen wollte, ein gut Theil unserer heutigen auf Spekulation zum Nachteil Anderer berechneten Geschäfte würde hinfällig. Die Vorlesung stellt eine Reihe von Sätzen des neuen Testaments zusammen, die beweisen sollen, wie selbstlos dessen Verfasser (?) gedacht, freilich ohne mit dem vorsichtigen Gebot: Gebet dem Kaiser u. s. w. recht fertig werden zu können. Diesen Anführungen lassen sich unzählige Stellen des alten Testaments ebenbürtig und schlagend anreihen. Ich wähle nicht, sondern ich führe an, was mir eben in den Sinn kommt. Kränke und beleidige den Fremdling nicht, denn Fremdlinge wäret ihr in Egypten. (2. B. M. 22, 20.) — Bedrückt die Wittwen und Waisen nicht. Wenn ihr sie bedrückt und sie zu mir schreien, so werde ich euch tödten, daß eure Weiber Wütwen werden und eure Kinder Waisen. (Eb. 21—23.) — Pfändest du das Kleid deines Nächsten, so gib es ihm bis Sonnenuntergang zurück. (Eb. 25.) — Beuge nicht das Recht des Dürftigen in Rechtssachen. (Eb. 23, 6.) — Begünstige den Armen nicht in seiner Rechtssache. (Eb. 3.) — So du siehst, wie der Esel deines Feindes unter seiner Last erliegt, müssige dich von deinem Geschäfte ab und stehe ihm bei. (Eb. 5.) Doch wozu ste aufführen alle die Stellen, die Jeder, der guten Willen hat, Nachlesen kann. Ich errinnere nur noch in Mosis Schwanensang: ״Merk auf rc." 5. B. M. 32, 15 an die Mahnung: ״Da ward Jakob feist und schlug aus", an Jes. 5, 8: ״Weh denen, die reihen Haus an Haus rc.", Jes. 32, 6: ״Der Geizige lebt in seinem Geize rc.", an Spr. Sal. 1, 19: ״So sind die Wege jedwedes, der nach Gewinn trachtet, seinem Besitzer nimmt er das Leben", das. 10, 2: ״Nichts helfen Frevelschätze, vom Tode rettet Gerechtigkeit", das. 28, 8: ״Wer seinen Reichthum mehrt durch Wucher und Uebermaß, sammelt für den, der Arme beschenkt." Ferner: ״Armuth und Reichthum gib mir nicht, laß mich verzehren mein bestimmtes Brod." (Spr. S. 30, 8.) Und das sind nicht blos Mahnrufe des alten Testaments, diese Lehren sind fort und fort in der jüdischen Literatur aufgestellt worden. Ein alter Talmudist beantwortet die Frage: wer ist reich? dahin: wer mit seinem Theil zufrieden ist. Ein mittelalterlicher jüdischer Bibelerklärer, bekannt unter dem Namen Raschi, charakterisirt die Brüder Jakob und Esau durch die zwei Wörtchen, mit denen sie sich ihre Vermögens- Verhältnisse darlegen. Esau sagt (1. B. M. 33, 9): ich habe viel (raw); Jakob (Eb. 11): ich habe Alles (chol). Daran knüpft der Ausleger die feine Bemerkung: wer viel zu haben behauptet, verlangt noch mehr; wer aber sagt, daß er Alles habe, nur der ist genügsam und zuftieden. Schmeckt dies nach ״Uebermaß des Erwerbstriebes?" Die volkswirthschaftlichen Einrichtungen Mosis, die Acker-