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Jüdische Volkszeitung · 1874-03-10 · 10 (10.3.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
10 (10.3.1874)
Date
1874-03-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JiiSische Bvlksreitung Wochenschrift tlc in Ermrmdr und Schuir. Snnuuour und nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 12׳גד Ngr. Herausgegeben von I. Mirgeustrm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserate find an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Harttnoch in Leipzig zu senden. Preis der S gesp. Zeile 2 Ngr. No. 10. Leipzig, den 10. März. 1874. Inhalt: Bildung und Vorurtheil. — Correspondenzen: Aus Baden.— Rundschau. — Noch einmal ״Zu Chanuka" (Schluß). — Feuilleton: Baron Frank, der Kabbalist in Offenbach (Fortsetzung). — Anzeigen. Oikdnng und Vorurtkteik! Wie scharf diese beiden Gegensätze den Juden gegenüber in christlichen Kreisen selbst freiester Richtung hervortreten, davon habe ich kürzlich wieder einen recht unerfreulichen Beweis erhalten. In dem von der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung herausgegebenen ״Bildungsverein" Nr. 26 vom 19. November 1873 war eine ״Vorlesung" ״Das Christenthum und der Socialismus" abgedruckt, welche Verletzendes über das Judenthum enthielt und die ich — um dem Vorwurf des Herausreißens einzelner Stellen aus dem Zusammenhange zu entgehen — hier vollständig abzudrucken bitte: ״Es gibt wenig Dinge, über welche so große Unklarheit herrscht, wie über das Verhältniß, welches zwischen Christenthum und dem Socialismus besteht. Wir verstehen dabei unter Christenthum nicht irgend eine der jetzt bestehenden Kirchen, welche häufig nur durch sehr getrübte Strahlen des ursprünglichen christlichen Lichtes erleuchtet werden, sondern die Gesammtheit derjenigen Lehren, welche sich aus den Evangelien mit annähernder Sicherheit als Lehren Christi selbst erkennen lassen. Unter Socialismus verstehen wir diejenige Theorie, welche an einen Staat glaubt, der im Stande sei, durch seine wirthschaftliche und politische Organisation jedem einzelnen Staatsangehörigen nicht blos die Sorge um seine Existenz abzunehmen, sondern sogar einem Jeden eine materiell gleich angenehme Existenz zu verbürgen. Ein großer Theil der heutigen Socialisten in Deutschland, namentlich die internationale socialdemokratische Partei und der Allgemeine deutsche Arbeiterverein, weisen bald jeden Zusammenhang ihrer Grundsätze mit den Lehren des Christenthums zurück, bald behaupten sie wiederum, daß ihre Lehren eigentlich erst das wahre Christenthum enthalten. Andere socialistische Richtungen, welche sowohl von katholischen und evangelischen Theologen vertreten werden, behaupten im Gegentheil, daß die Ziele des Socialismus nur auf der Grundlage der christlichen Lehre erreicht werden könnten. Es gibt ferner eine große Menge von wohlmeinenden Leuten, zu denen besonders zahlreiche evangelische Geistliche gehören, welche der Meinung sind, daß sie dem Socialismus nicht mit den Waffen wissenschaftlicher Ueberzeugung, sondern mit denen der christlichen Lehre entgegentreten können. Es dürfte sich hiernach der Mühe verlohnen, einmal zu untersuchen, in welchem Verhältnisse das Christenthum zum Socialismus stehe. Es wird sich darnach von ffelbst ergeben, ob der Socialismus nothwendig eine feindliche Stellung zum Christenthum einnehmen müsse, ob vom christlichen Standpunkte aus die socialistische Theorie widerlegt oder ob sie durch das Christenthum gestützt werden könne. Das Christenthum tritt uns in den Evangelien als eine Lehre entgegen, welche es ausschließlich mit der Ordnung des Verhältnisses zwischen dem Menschen und Gott zu thun hat, während es sich gegen das Verhältniß des Menschen zu dem Staat und zu der Frage des leiblichen Daseins völlig gleichgültig verhält. Dies beweisen Stellen wie: Darum sage ich euch: sorget nicht für euer Leben, was ihr essen oder trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet.

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