Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 8 (24.2.1874)
- Date
- 1874-02-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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v Jüdische VoMzcituW. Wochenschrift fuß is^cundc dcS jjestelkuagea Nehmen alle Postanst Iten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!!1k Ngr. in Eenwndr und Srhukr^ I^nngogs und Hrdrn. Herausgegeben von I. Mngsnstsm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״JSr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserate sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Harttnoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. No. 8. Leipzig, den 24. Februar. 1874. inlatt: Die jüdischen Rabbiner-Bildungsanstalten (Fortsetzung). — Correspondenzen: Dresden, Landau (Fortsetzung), Aus Westfalen. — Jugendschristen. — Feuilleton: Baron Frank, der Kabbalist in Ofsenbach (Fortsetzung). — Briefkasten der Redaction. — Druckfehler-Berichtigung. — Anzeigen. Die jüäiscden Kabbinerbikäung8anstakten. ,4 (Fortsetzung.) Nun wäre alles dies an und für sich gleichgültig, wenn diese seligen Geschöpfe wenigstens ihren Fanatismus, ihre Unwissenheit eingestehen und gleich den obgenannten Orthodoxen ehrlich bekennen würden: ״Wir sind des Widerspruches zwischen Altgläubigkeit und Wissenschaft uns wohl bewußt, und aus diesem Grunde abgesagte Feinde der Wissenschaft gleich jenen, nur mit dem Unterschiede, daß jene wenigstens auf dem talmudischen Gebiete Großes leisten, was bei uns leider nicht der Fall ist." Aber hio haeret aqua. Dazu gehört eine größere Dosis von Ehrlichkeit, als sie bei Leuten dieses Calibers anzutreffen ist; zumal dies der Punkt ist, wo ״die Heiligen sind wie andere Menschenkinder". Denn die Altorthodoxen haben gut reden, die dürfen.unbeschadet ihrer Ehre offen das Bekenntniß ihrer Unwissenheit in den profanen Wissenschaften ablegen, da sie wenigstens im talmudischen Fache sattelfest sind; aber was bliebe diesen, wenn sie ebenso ehrlich zu Werke gingen? Sie machen es daher viel lieber wie jener Bachur es that, der, gefragt, warum er keinen v Talmud gelernt, naiv antwortete: ״er habe dazu keine Zeit, weil er Deutsch lernen müsse"; und, als es sich jedoch herausstellte, daß er auch davon keine Idee habe, noch naiver antwortete: ״das Talmudstudium occupire ihn zu sehr, als daß er auch noch zu Profanem Zeit gewänne"; das ist ungefähr ein ganz der Natur entsprechendes, nicht zu schwarz aufgetragenes Bild von der geistigen Richtung dieser Clique. Nun wird jeder Vernünftige fragen, was will diese Partei, was drängt die sich überall vor, warum streckt sie bei jeder Gelegenheit ihre Fühlhörner heraus? Die Antwort wird naheliegen, eben weil sie nichts ist, weil sie weiß, daß sie nichts ist, will sie um so mehr scheinen, der Wahrheit Stempel sich aufdrücken, so daß es dem minder Eingeweihten oft schwer wird, sich ein wahres Urtheil zu bilden, so daß der Muthigste den Muth zu zweifeln verliert. Um so mehr ist es die Pflicht jedes Freundes der Wahrheit, rückhaltslos den Schleier wegzuziehen und den leeren Schein auf das zurückzuführen, was es ist, und gerade in unserer Zeit, wo der Jesuitengrundsatz: ״Mundus vult decipi ergo decipiatur“ auch die Parole der jüdischen Jesuiten geworden ist, die Maske den Heuchlern vom lammfrommen gleißnerischen Gesichte herunterzureißen, ist die Pflicht jedes ehrlichen Juden. Ja, ״setz dir nur Perrücken auf von Millionen Locken, setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken, du bleibst doch immer was du bist", der Schein wird nie Wirklichkeit erreichen. Wir haben schon auseinandergesetzt, daß also die Neuorthodoxie weder im Talmudischen, noch in der Wissenschaft etwas geleistet hat und ebensowenig jetzt leistet. Der Grund hiervon ist gar nicht fernliegend, da dieser Richtung, mit Ausnahme vielleicht der einiger Heuchler, die aus gemeinen utilistischen Rücksichten und Motiven zu ihr halten, meist beschränkte Menschen angehören, und selbst diejenigen, die wenigstens Anläge hätten, sich aus diesem verengten und verrotteten Gesichtskreis herauszuarbeiten, eben durch ihr beharrliches, zähes Festhalten an diesem Ballast sich nie zu einem höheren Standpunkt erheben, sich nie ererbter Vorurtheile entschlagen können, was ׳