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Jüdische Volkszeitung · 1874-02-10 · 6 (10.2.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
6 (10.2.1874)
Date
1874-02-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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f t r Wochenschrift flir* rcuu rl c Lestelkungen m nehmen alle Postanst lten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 172/ג Ngr. TrnMnÄr mtit SdMbt Innnnonr ttttit AÄrn. 3nr«ate “ find an die Verlagshandlung von -- Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. ttt Angecheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 6. Leipzig, den 10. Februar. 1874. 3 n h a f t: Der zweite Feiertag. — Correspondenzen: Berlin. Ober-Ingelheim. Landau. Aus Süddeutschland. Meiningen. Krakau. — Rundschau. — Feuilleton: Baron Frank, der Kabbalist inOffenbach (Fortsetzung). — Manteuffels Vorgänger in Frankfurt a. M. — Anzeigen. Der zweite Feiertag. ״Alles kann der Mensch ertragen. Nur keine Reihe von festlichen Tagen?" Der Vorstand der Türmer israelitischen Gemeinde hat, wie bekannt, über das fernere Beibehalten des zweiten rabbinischen Feiertags die Gemeindemitglieder abstimmen lassen, und das Schicksal desselben von diesem Votum abhängig gemacht. Der ״Corriere Jsr." will von einer Entrüstung wissen, die über diese ״Frechheit" in Italien herrschen soll. Wir haben keinen Grund die Glaubwürdigkeit desselben anzuzweifeln, ebensowenig wie dessen orthodoxen Standpunkt, den dieses Epitheton ornans nur zu deutlich verräth. Wir unsererseits begrüßen aufrichtig dieses entschiedene Vorgehen des Turiner Vorstandes, indem wir der Ueberzeugung leben, daß dem Verlangen unserer Zeit nach Befreiung aller mittelalterlichen, das materielle Wohl des Einzelnen schädigenden Einrichtungen und Verbarrikadirungen, nur auf solche Weise befriedigt und dem wahren Interesse der Religion gedient werden kann. Das Volk selbst muß seine religiösen Angelegenheiten in die eigene, reine Hand nehmen; Männer von Geist, Herz und einigermaßen theologischer Bildung, die in der Geltendmachung ihrer Ueberzeugung, der wissenschaftlichen Wahrheit vor Niemandem zurückschrecken; Männer, die das beliebte ״Hüpfen" auf den beiden Schwellen alter und moderner Geistesrichtung als Ausdruck innerer Hohlheit und Charakterlosigkeit verachten und der Religion und Wahrheit nur als einer Herzenssache dienen — diese allein sind berufen, die religiösen Angelegenheiten der Gegenwart in ihre Hand zu nehmen, wenn der ״Baum" der Religion von dem ihn umwuchernden Gestrüpp befreit und wiederum edle Früchte tragen soll. Gar mancher, besonders norddeutschen Stadt wäre ein solch energischer Vorstand zu wünschen. Wenn da oft das religiöse und synagogale Leben gleich 0 ist; wenn der Prediger einem Salomo gleicht, indem er es versteht, ein מדבר אל העצים והאבנים (zu Holz und Stein sprechen) zu sein; wenn trotz der Bemühung des Einzelnen der Weihnachtsbaum blüht und fernerhin seine Strahlen in die jugendlichen Herzen senken wird — woran liegt es, als eben an der Energielosigkeit, dem Jndifferentismus der Leiter der Gemeinde? Schlägt da nicht oft, gerade durch dessen Energie und Consequenz, die erhebenden Ausflüsse innerer Harmonie, ein einziger orthodoxer Wille einen ganzen Gemeinderath in die Flucht? Wo soll denn sonst die, das Bedürfniß nach Reform und Neugestaltung fühlende Gemeinde, sich anders Hülfe suchen? Etwa bei Synoden? Diese können, das hat die Augsburger Synode evident gezeigt, so lange das sogenannte Laienelement von den Rabbinen präponderirt, ihre Aufgabe im Sinne der Wahrheit, der Wissenschaft und Versöhnung der offen daliegenden Gegensätze, die die moderne Welt- und Religionsanschauung von der alten trennen, nicht lösen. Das Verdienst solcher Synoden ist und bleibt ein nur negatives: sie löten dem Volke die Schuppen von den Augen, erwecken die Kritik des Volksgeistes, während sie Titelfragen, die in das Leben und Wohl des Volkes gravitiren, wie gerade die Frage des zweiten Feiertages, mit beredtem Stillschweigen übergehen. *) *) Aber warum die Last der Leipziger und Augsburger Synode Allen aufladen- Redaction.

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