Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 4 (27.1.1874)
- Date
- 1874-01-27
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Zahl der Andächtigen. Ein Deutscher hatte zwei aus England gekomme Sepharim in seinem Hause aufbewahrt; zur Bestreitung der Kosten trug jeder Theilnehmende drei Pfund Sterling bei und der Ueberschuß von über 80 Pfund wurde dem Capitän der ״Newa" eingehändigt, um in England Schmuckgegenstände für die Sepharim dafür anzukaufen. 16. Dem ״englisch-jüdischen Verein" bot ein Ungenannter 50,000 Fr. zur Verwendung für die Schulen im Orient an. literarisches. Harfe und Leier. Gedichte von Aron Dornzweig. Hermannstadt 1873. Das Heftchen enthält hebräische Gedichte. Das Erscheinen solcher Gedichte setzt voraus, daß die hebräische Sprache im Volke noch gepflegt wird. Wir loben dies sehr und bedauern, daß es bei uns in Deutschland nicht so ist. Mehr um der Sprache als des Inhalts willen sind uns deshalb auch diese Gedichte von Werth, obwohl einzelne, wie ״Die Erndte", ״Die Eisenbahn" rc., nicht ohne poetischen Anflug sind. Dr. R. Praktische Schulgrammatik der lateinischen Sprache von Dr. H. Moisgisstzig. Siebente Auflage. Berlin 1873. Rudolph Gärtner. — Wir bringen absichtlich diese Grammatik zur Anzeige, weil mancher israelitische Lehrer in den Fall kommt, auch lateinischen Privatunterricht ertheilen zu müssen. Die vorliegende reicht für alle Classen aus und ist billig (26 Sgr.). Die Brauchbarkeit bekundet sich schon durch die Zahl der Auflagen, aber bewährt sich auch durch den Inhalt. Formenlehre und Syntex, die Lehre vom römischen Kalender nebst einem Anhänge über Metrik, Alles ist geboten. Im Anfang finden wir auch die alten Zumpt'schen Reime wieder, die uns noch im Gedächtnisse sind, zum Beweise, wie gut diese Menemonik ist. Das Wichtigere findet sich hier vom Unwichtigeren durch die Typen gekennzeichnet; die Beispiele sind sämmtlich aus den Classikern gewählt, was wir als einen großen Vorzug bezeichnen. Dr. R. Verschiedenes. Das Grab von Josua. M. Guerin, welcher von der ftanzösischen Regierung zu wissenschaftlichen Nachforschungen in Palästina aufgestellt worden ist, hat neulich dem geographischen Congreß in Lyon die Meldung gebracht, daß er das Grab von Josua, Sohn Nuns, aufgefunden habe. — Er behauptet, das erwähnte Grab befinde sich in Tign6, welches er für das alte Timnath Cheres, das Erbe Josuas, halte. Im Hügel dieser Stadt sind mehrere Gräber vorhanden und das in Rede stehende hat einen Vorhof, von zwei Säulen getragen, durch welchen das Tageslicht in das Innere gelangt. Das Gebäude hat 300 Nischen, in welchen sich Lampen befinden, wovon der Boden ziemlich verunstaltet ist. Dieses beweist, daß periodische Feierlichkeiten hier abgehalten wurden. Von diesem Vorhof gelangt man in zwei andere Zimmer; das eine enthält 15 Winkel für Särge bestimmt; das andere nur einen. M. Guerin glaubt, daß die irdischen Ueberreste von Josua in letzterem ruhen und sieht den Beweis für seine Behauptung in dem Umstande, weil er hier scharfe Flintensteinmesser (Eharboth zurim Josua 5, 3. Anmerk. d. Uebers.), mit welchen Josua die Beschneidung der Israeliten in Gilgal vollzog, im Grabe vorgefunden habe. Als M. Guerin die Trümmer, womit der Grund des Grabes bedeckt war, bei Seite schaffte, fand er wieder eine große Zahl solcher Messer; auch an der Jordans-Fuhrt, in der genannten Stadt, wurden solche ans Tageslicht gefördert. Die Pfeiler im Vorhofe des Grabes sind mit Leisten umgeben, ganz dem Baustyl der egyptischen Grabmonumente gleich. Auch das zeugt auf die Periode, in welcher Josua lebte. M. Guerin glaubt auch die Gräber der Maccabäer in Medieh, gleichbedeutend mit Modin im Buche der Maccabäer, gefunden zu haben. Synagogenstühle in Amerika. In Amerika ist Alles großartig. Es ist noch nicht lange her, daß sich unsere amerikanischen Brüder des Umstandes rühmten, die größte Nationalschuld in der Welt zu haben und daß es ihnen in so kurzer Zeit leicht geworden wäre, das Geld dafür aufzubringen, wie kaum irgend einer anderen Großmacht. Diese Nationaleigenthümlichkeit ist in der That merkwürdig, denn als Beleg hierzu mag gelten, daß bei einer neulichen Auction von Synagogenplätzen in der Anshe Chesed Gemeinde in New-Aork zwei Sitze mit Doll. 4100 und Doll. 3450, während andere mit Doll.2250 ׳ und abwärts bezahlt wurden, obgleich nur die Hälfte der Synagogenplätze dem Verkauf ausgesetzt waren. Im Ganzen hatte man einen Erlös von Doll. 140,000 erzielt; für den Ueberrest glaubt man noch Doll. 75,000 zu vereinnahmen. Viele Stühle wurden an Personen verkauft, die nicht einmal Mitglieder der Gemeinde sind. Interessant ist es, zu vernehmen, daß während der Versteigerung die Synagogenplätze vermiethet waren.