Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 4 (27.1.1874)
- Date
- 1874-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wochenschrift Jüdische Volkszeitnng. f ז t ii t* t‘ c u tt tl c־ Keftelluagea in nehmen alle Postanst lten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich n1!? Ngr. Irmrmdr mb Irhuk^ I^nnzogr und Arbrn. find an die Verlagshandlung von Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. HiwtzLttsIMtt in Ingelheim, Preis der sgesp.^Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 4. Leipzig, den 27. Januar. 1874. Intakt: Am 4. Januar. — Correspondenzen: Leipzig, Fürth, Landau i. d. Pfalz (Schluß). Aus Süddeutschland, Von der Saar. — Rundschau. — Literarisches. — Verschiedenes. — Anzeigen. Am 4. Januar. Der Jahrestag Mendelssohn's! Wer ein Herz hat für die Entwickelung des Judenthums . imd wem die Begeisterung für das Gute und Große sich erhalten hat, inmitten all der Stürme der Gegenwart, dem wird am Todestag des Mannes,, der der Begründer der neuen Zeit im Judenthume war, ein stilles Gedenken erhebend; und weihevoll die Seele durchziehen. Ja, er war der Reformator des Judenthums, wie streng auch in seinem Hause die alten jüdischen Formen beachtet '5“־" werden mochten. Wie sehr wir auch in unserem Thun von ihm geschieden sind — unser Denken hat doch seinen Anfang genommen durch den Uebersetzer und Erklärer der Thora! Was in den nahezu neunzig Jahren, seitdem Erde sein Grab deckt, innerhalb des Judenthums geschehen, es hat seinen natürlichen Anknüpfungspunkt in Mendelssohn, seinem Leben und Wirken, seinem Sein und Streben. Das eben abgeschiedene bürgerliche Jahr — es hat von seinen besten, treuesten und strebsamsten Nachfolgern wieder mehrere vom irdischen Schauplatze abgerufen; Männer, zu welchen die denkenden Zeitgenossen mit Liebe emporblickten, ^die der Stolz und der Ruhm des Judenthums waren und den mächtigsten Einfluß übten auf die geistige Bewegung in weiten Kreisen; Männer, die würdige Träger waren ihrer . Zeit und ihres Berufes und auf ihren starken Schultern trugen die Sorgen und Lasten des großen Kampfes des ״Alten mit dem Neuen". Wir erinnern von den im Jahre 1873 Heimgegangenen, an Dr. Julius Fürst, dem ersten jüdischen Professor Deutschlands, dem Schöpfer der Concordanz, der eben erst abgeschlossenen Jllustrirten Prachtbibel und so vieler anderen unvergleichlichen Werke auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschast. Wir erinnern an Dr. I. v. Mayer, dem jüdischen Kirchenrath Württembergs, den sein König adelte und der hierdurch das Judenthum emporhob in den Augen der Bürger seines Heimathlandes und es als gleichberechtigte und gleichgeachtete Religionsgesellschaft hinstellte. Und nun: ״Der Letzte und doch nicht der Letzte": Dr. Loewi, der Rabbiner der edlen jüdischen Gemeinde Fürth; der Mann, der lange Zeit der Mittelpunkt jenes mächtigen Vorwärtsstrebens war, das so viele Rabbinen und Lehrer Baierns auszeichnete; jenes bairische Judenthum, in welchem die Gedanken des Lichtes genährt wurden, das lange Zeit der Schauplatz des angestrengtesten Kampfes für die Reform war, von wo Männer ausgingen wie Stein, Einhorn, Wechsler, Aub u. A. m. und Lehrer ohne Zahl, die die Saat des Lichtes verbreiteten, kämpften, strebten, litten für das Heiligthum ihrer Ueber- Zeugung! Und jetzt — Bamberger und Eonsorten! Jene sind dahin! Wo sind ihre Ersatzmänner? Können wir ohne Schmerz dieser Verluste in unseren Reihen, die sich lichten mehr und mehr, gedenken? Wenn wir unseren Kindern auch nur ein Bild geben könnten vom Leben und Streben dieser Männer; von den himmelhohen Hindernissen, die sie zu bekämpfen hatten. — Was ist all unser Thun gegenüber den Leistungen derer, die