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Jüdische Volkszeitung · 1874-01-20 · 3 (20.1.1874) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1874
Issue
3 (20.1.1874)
Date
1874-01-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische V-lkszeitllng. Wochenschrift tii r *tieÄ Lestekkungea nehmen alle Postanst lten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!,!1k Ngr. in Ermmndr und Irhuls^ I^nngogr und Hrbrn. Herausgegeben von I. MngMStsm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserate sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der S gesp. Zeile 2 Ngr. No. 3. Leipzig, beit 20. Januar. 1874. Sniialt: Die Zukunft der Religion oder die Religion der Zukunft (Schluß). — Der December-Bericht der ״Allianz". — Correspondenzen: Landau i. d. Pfalz. Pilsen. — Rundschau. — Anzeigen. Die Suluinft der UeÜigion oder die Keligion der Ankunft (Schluß.) Nachdem der Autor noch folgerecht zugegeben, daß der Mensch bei dieser Theorie rein ״irdisch gesinnt" werde, jedoch, wie er hinzufugt, ״nicht in dem alten schlechten Sinne, wo es nur sinnliche Gesinnung bezeichnen soll, sondern er findet auch das höchste Geistesleben eben auf der Erde bei den Menschen; hier liegt nun sein Glauben, Lieben und Hoffen"... wirft er sich selber ein ״Aber was wird aus der Sittlichkeit? ftagen Viele ängstlich. Wenn nicht ein auf überirdisches, auf himmlisches, auf göttliches Ansehen gegründetes Gesetz die Sittlichkeit der Menschen stützt, so muß sie zusammenbrechen, sagen sie, indem sie dabei etwa noch auf die himmlischen Belohnungen und die höllischen Strafen verweisen." Er antwortet darauf: ״O, wie sucht man doch immer nach dem zerbrochenen Rohrstab, statt nach dem Wesen der Sache zu greifen! Eine Sittlichkeit, die nicht auf dem Wesen des Menschen steht, ruht auf Sand, wenn sie auch denselben für einen Felsen achtet. Das Wesen des Menschen als eines Einzelnen für sich und als eines Gliedes der Gesammtheit, je näher, desto inniger, das ist die allein feste Grundlage aller echten menschlichen Sittlichkeit. Das ist sie auch immer gewesen, denn aus jenem Wesen haben alle edlen Gesetzgeber ihre Gebote geholt, nirgends hatte sie Einer vom Himmel herab gehört oder auf vom Finger Gottes auf einem Sinai geschriebenen Tafeln empfangen. Und wenn man denselben dennoch eine solche Herkunft zuschrieb, so geschah׳ es nur für die rohe Menge, oder es lag im eigenen Gefühle der Erhabenheit dieser Gebote in der Brust des Propheten oder Gesetzgebers oder Lehrers, daß er sie, als ewig wahr und mächtig, über seinen persönlichen Geist zu setzen sich gedrungen fand. Die Quelle war aber überall das Wesen des Menschen und der Menschengeist, dem dasselbe offenbar ward. — Darüber kommt er jetzt zu vollem Bewußtsein, und auch die Menge wird reif, es zu begreifen; und die menschliche Sittlichkeit gewinnt einen festeren Grund, als sie zuvor hatte. *) An dem Früheren konnte man zweifeln und zweifelten Viele, ja unbewußt fast Alle(?); an dem Grunde in der Menfchennatur kann kein Wahrheitsfähiger und Wahrheitswollender irre werden, — er liegt überall zu Tage. **) — Gar Manche fürchten sich aber gewaltig vor der Internationale und der Socialdemokratie und meinen, man arbeite diesen mit Verneinung des Kirchenthums nur in die Hände. Haben diese denn die Wiedertäufer von Münster vergessen, welche ihr communistisches Reich auf neutestamentlichem Boden errichteten, und hat nicht auch nur erst in diesen Tagen ein solcher Arbeiterkreis sich auf Christus und seine Lehre berufen und ihn den seinigen genannt? Für diese Bestrebungen liegt sehr reichliche Anknüpfung im neuen Testamente, mehr als gegen sie; es kommt nur darauf an, welche man ergreift. Auch in diesen Dingen wird nur die Vernunft *) Böte die Wirklichkeit hiervon nicht täglich hundertfältigen Gegenbeweis? **) Hat aber ohne den tief religiösen, in dem festen Glauben an einen allheiligen Gott begründeten und zu Ihm emporstrebenden Unterbau keinen Halt und Boden.

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