Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1874
- Issue
- 2 (13.1.1874)
- Date
- 1874-01-13
- Page
- Seite 15 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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trieb dort mit Getauften und Ungetauften Sklavenhandel, waren die Beichtväter und Beamten fast aller katholischen Fürsten und ihrer Maitressen; die einflußreichsten Höflinge handelten in ihrem Interesse. Waren sie früher schon frech, so wurden sie nun an den Fürstenhöfen sogar gegen die Minister, die ihnen nicht zu willen waren, unverschämt. Das Bürgerthum war erstarkt, in dasselbe durch die englischen und französischen Freidenker ein unabhängiger Geist gedrungen. Auch viele Bischöfe und der Curatclerus waren ihnen abgeneigt. Da brach endlich der Sturm los. Den Reigen begann Portugal, dessen berühmter Minister Pymbal, ein Mann von dein Zeuge des Fürsten Bismarck, von ihnen tödtlich beleidigt, sie nach kurzem Kampfe aus dem Lande trieb. Das ermuthigte die Feinde des Ordens in Frankreich. Die beriichtigte Maitrcsse Ludwig XV., Pompadour, von den Jesuiten beleidigt, vereinigte sich mit jenen; ein unglücklicher Bankerott, den ihr Handel Marseiller Kaufleuten Zuzog und der einen Prozeß verursachte, vollendete mit anderen sehr weltlichen Ursachen ihren Sturz und ihre Vertreibung aus Frankreich; ihre Güter wurden Staatseigenthum. Aehnlich erging es ihnen in Spanien, wo ihre Vertreibung mit Grausamkeiten verbunden war, ebenso in Sicilien und Parma. Von aller Welt gedrängt, mußte endlich Clemens XIV, in die gänzliche Aufhebung des Ordens willigen. — Ueber das Nähere können wir nur auf das Buch selbst verweisen, das wir nochmals allen denen empfehlen, die sich für die feineren Fäden interessiren, mit denen die Geschicke der Menschheit regiert werden. — Real - Encyklopädie für Bibel und Talmud, von I)r. I. Hamburger. Strelitz. Im Selbstverläge des Verfassers. 1874. Abtheilung 11. Heft I. Wir haben hier den zweiten (talmudischen) Theil des schönen Werkes, dessen erstes Heft bis Essäer reicht. Bezeichnend für unsere Zeit ist, daß ein solches Werk im Selbst- Verlage erscheinen muß und somit kaum dem Verfasser auf seine Kosten, geschweige ihn: für seine Mühen Gewinn bringen wird. Bezeichnend ist dies aber nicht blos für die jüdische, sondern auch, und mehr noch für die christliche Gelehrtenwelt, die somit noch iinmer die jüdische Literatur zu ignoriren scheint, selbst auf einem Gebiete, wo sie stets fremd war und von Juden lernen mußte und wollte. Der Stellennachweis ist reichhaltig und die sachliche Entwickelung der Gegenstände ausreichend; auch ist die einschlägige Literatur bis zur Neuzeit verfolgt. Biographie und Geographie sind besonders ausführlich behandelt. ״Abhängigkeit" ist nur biblisch, nicht talmudisch behandelt. ״Achaja" ist wohl Aegäa. ״Agade" zeugt von selbstständiger Forschung, die nicht überall hervortritt. ״Akiba". Wir finden hier sein Verhältniß zu Bar. Kochba auch nicht einmal angedeutet und vermissen die Entwickelung seiner reformatorischen Thätigkeit, wie deren Nachweis durch Beispiele. ״Am Haarez". Hier wie bei anderen Artikeln weichen wir in der Auffassung des Verhältniffes von Saducäern und Pharisäern vom Verfasser ab; das Verhältniß von Chaber zu Am Haarez ist beim Verfasser auch weder geschichtlich noch sachlich ermittelt. ״Amora" und Meturgaman haben nur Aehnlichkeiten, aber sind sich nicht gleich. ״Apokryphen", j Man übertrügt bei der herkömmlichen Erklärung dieses Worts j und seiner Bedeutung wohl spätere, dazu noch christkatholische,! Begriffe und Zustände auf die frühere, jüdische Zeit. Man! kannte ehemals weder Censur, noch einen Index librorum | prohibitorum. Die kanonischen Bücher waren in der Restauj tationspcriode einfach aus der Zerstreuung gesammelt; die; apokryphischen waren bisher unbekannt geblieben und, als ge-! funden, als solche ״verborgen" gebliebene bezeichnet; die später j geschriebenen wurden ebenfalls unter diese Rubrik gebracht. ״Auslösung der Gefangenen"; bei diesem Gesetze fehlt die Angabe geschichtlicher Veranlassung. Bei ״Banaim" denken wir an ״Freimaurer", die mit Namen und Begriff Aehnlichkeit haben. ״Bathkol" ist Ausdruck für spätere göttliche Offenbarung, die sich ja auch im Anfang nur hörbar, nicht sichtbar kund gab. Weil diese spätere Offenbarung nicht eine! direkte war, wie die frühere, wird sie nicht als Kol, sondern j Bathkol bezeichnet. Ueber ״Bibel" werden über Canon neue j Auffassungen mitgetheilt; zu dem Chaberbunde aber gehörten j keine saducäischen Priester. Das ״Christenthum" wurde nicht; von Anfang an als jenseitiges Himmelreich ausgegeben; es stand zu sehr auf jüdischem Boden, um nicht mit der jüdischen Auffassung von Himmelreich übereinzustimmen. Erst als seine Wirksamkeit auf Erden mißglückte, wurde dieselbe auf das Jenseis übertragen. Diäthetik ist falsch statt Diätetik geschrieben. Der Artikel ״Essäer" ist noch nicht vollendet; wir kommen aus denselben zurück und bemerken hier nur, daß auch die Pharisäer Gegner des priesterlichen Tempel- oder Opferdienstes waren. Die Essäer waren wohl nur potenzirte Pharisäer, welche sich um die Lehrstreitigkeiten nicht kümmerten, sondern den praktischen Liebesdienst betonten und von עשה den Namen tragen, wie wir ja auch heute noch das Judenthum hauptsächlich als eine Religion der ״That" bezeichnen. Von ihrem Liebesdienst bei Krankeil haben sie bei den griechisch-jüdischen Gemeinden Egyptens den Namen Therexeuten (Heilkundige). Auch die christlichen barmherzigen Brüder und Schwestern unserer Tage gewinnen durch solchen Liebesdienst vielfach Kenntniß in der Heilkunde. Die Heilkunde war aber nicht ausschließlicher Beruf der Essäer, um die Etymologie von אפא zu rechtfertigen. Dr. R. Briefkasten -er Re-action. Herr M. in F. Die Fortsetzung Ihrer Correspondenzen wird uns zu Dank verpflichten. Wir bitten darum. Alter Freund B. in N. Eine Biographie L.'s, aus dem Englischen übersetzt, eignet sich nicht wohl für ein deutsches Blatt. St. in R. Ich werde zuvor noch eine Aufforderung ergehen lassen. _