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Jüdische Volkszeitung · 1873-12-17 · 51 (17.12.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
51 (17.12.1873)
Date
1873-12-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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t ♦ Wochenschrift für1 fcrrt it tlc Keftelkungen nehmen alle Postanst lten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich lPk Ngr. in ßrimmdr und Arhulr, ^uuzogr und Krlirn. . sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. Hlmgonslsm in Ingelheim, Preis der 3 gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des „Jsr. Lehrer" und des „Synodalblatt". No. öl. Leipzig, den 17. December. 1873. Intakt: Judenfeindliche Schriften. — Auszug aus dem November-Bericht der „Alliance". — Korrespondenzen: Berlin. — Rundschau. — Literarisches. — Feuilleton: Die Menorah zu L. — Verschiedenes. — Anzeigen. luilenfcinclftcfte Aeüristen. Ist das „Rischus" geschwunden allüberall in unserer lichtvollen Zeit? Hat es ganz aufgehört unter uns, in den hochgebildeten Ländern Mittel- und Westeuropas? Ist der Kampf zu Ende, den wir um unseres Bekenntnisses und unserer Stammesangehörigkeit willen fast zwei Jahrtausende zu bestehen hatten? Wohl, unsere Gleichberechtigung ist anerkannt durch das Gesetz. — Man foltert und tödtet die Bekenner der Lehre Mosts nur noch in sehr fernen, uncivilisirten Ländern, in anderen Erdtheilen, in Asien und Afrika. — Man versagt ihnen Bürger- und selbst Menschenrechte nur noch in einigen halbcivilisirten Ländern Osteuropas; unter Völkern, die den Keim der Zerrüttung und des Zerfalls in sich tragen. Man ertränkt sie wohl auch einmal in Galatz; aber selbst da versucht man nothgedrungen, der barbarischen That nachträglich den Schein des Rechts zu geben, mindestens um des Auslandes willen, wenn man sie auch im Vertrauen, so unter sich beschönigt und sich vielleicht derselben sogar rühmt. Aber — nirgends mehr geschieht es doch wie ehedem „zur größeren Ehre Gottes"; man kennt die gemeinen, materiellen Gründe allüberall. Wehe, daß man es je wagen konnte, im Namen der Religion, des Heiligsten im Menschen, und durch ihre Organe solche ruchlose Thaten geschehen zu lassen? Was können wir heute den Gegnern jeder Religion antworten, wenn sie mit so vielem Rechte sagen: Im Namen der Religion sind die größten Scheußlichkeiten geschehen, von welchen die Geschichte erzählt. Die Religion hat die verheerendsten Kriege entzündet, die schrecklichsten Verbrechen geschehen lassen, die Menschheit entzweit, die Cultur in ihrem Fortschreiten, in ihrer Entwickelung gestört, die Heuchelei unterstützt und gefördert, die Ketzer zu Tausenden verbrannt und ihr Eigenthum confiscirt! Und gibt es nicht heute noch Organe der Religion, die bereit wären, zur Erhaltung oder Wiedererlangung ihrer Herrschaft das Gleiche zu thun? — Saget uns ■—■ so lautet das Urtheil jener Feinde der Religion an » sich —, Ihr Bekenner des Allheiligen, zu welchem Verbrechen waren die, so Ihr „Geistliche, Lehrer der Religion" nennt, nicht fähig, wenn es zur Erhöhung ihrer Macht und ihres Einflusses auf die thörigte, irregeleitete Menge dienen konnte? Welches Verbrechen ist von ihnen nicht begangen oder gutgeheißen worden? Wir haben nur eine Antwort auf diese nicht ungerechten Vorwürfe: das Judenthum war stets nur der leidende Theil bei diesen schrecklichen Vorkommnissen. Es hat am meisten geduldet unter diesen Zuständen; und es besteht doch noch! Der philosophische Geschichtsschreiber mag jene Thaten deuten; entschuldigen wird sie wohl heute — selbst das Centrum der preußischen Kammer mindestens nicht öffentlich. Gibts aber heutzutage kein Rischus, keinen Judenhaß mehr unter uns? Ist er ganz und gar geschwunden? Haben wir keinerlei solidarische Interessen mehr gegen Judenfeinde? Haben wir nicht mehr zu kämpfen für Gewissensfreiheit gegen die Ausgeburten des Fanatismus, gegen religiöse, politische und sociale Vorurtheile und Zurücksetzungen? Wer der Tagesliteratur folgt, wer in die Tiefen zu steigen Lust hat, in welchen sich der Unrath der Presse sam-

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