Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 50 (10.12.1873)
- Date
- 1873-12-10
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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399 weder von Hirkan selbst oder von einem seiner aufmerksamen Zeitgenossen abgefaßt wurde. Das Griechenthum war es ja, welches das Nachdenken und das Philosophien unter die Juden brachte. Die Eitelkeit aller irdischen Macht und Größe, alles irdischen Glanzes und Prunkes, alles irdischen Wohllebens und Genusses hatte nachdrücklich und eindringlich mit beredter Zunge das Glück und Geschick Alexanders des Großen gepredigt. Dieser gefeierte Monarch, der mit Macht, Weisheit und Ansehen begann und von der ganzen Welt gefürchtet und verehrt wurde, hat mit Salomon, mit seinem Leben und Streben, mit seinem Glück und Geschick, viel Aehnlichkeit. Die Worte: „Mich ekelt alle Mühe, die ich hatte unter der Sonne, da ich sie hinterlassen muß einem Menschen, der mir Nachfolgen wird. Und wer weiß, ob er ein Weiser sein wird, oder ein Thor. Deßohngeachtet wird er schalten über alle meine Werke, die ich mühsam und künstlich erworben unter der Sonne, auch dieses ist eitel" (KoheletL, 18. 19) erinnern buchstäblich an Alexander. Als er seinen Tod nahen sah, fragte ihn Perdekas, einer seiner tapfersten Generale, wem er das Reich übergebe, Alexander antwortete, dem Tüchtigsten. Er sehe voraus, daß zu seiner Leichenfeier ein großer Wettkampf werde gehalten werden. Alexander wußte nicht, wer sein Nachfolger sein und ob dieser tüchtig genug sein werde, dessen mühsam und siegreich errichtetes Werk zu erhalten. Alexander war todt. Es lebte ein unechter Halbbruder Arrhi-! däus, ein unechter Sohn Herkules von ihm, und seine bactrische Gemahlin war schwanger. Es ist beinahe sonnenklar, daß nachstehender Passus sich darauf bezieht: „Da ist Einer, und zwar ohne einen Andern, auch ohne Kind und Bruder, und doch ist seiner Mühen kein Ende, und sein Auge unersättlich für Reichthum, aber für wen mühe ich mich ab." (D. 4, 8.) Gehen wir in der Geschichte weiter. Der blödsinnige Arrhidäus ward, unter dem Namen Philipp, von Meleager, dem Anführer der Phalanx, zum Könige ausgerufen, dabei aber bestimmt, daß, wenn Roxane einen Sohn gebäre, dieses zugleich König sein, und Perdikas die Regierungsgeschäfte verwalten sollte. Sollten nicht auf diese Theilung der Regierung zwischen Arrhidäus und Perdikas sich die Worte beziehen: „Besser zwei als Einer, denn sie haben bei ihren Mühen bessern Gewinn"? (D. 4, 9.) Betrachten wir die bald darauf folgenden Worte: „Um so weniger wird eine dreifache Schnur leicht zerreißen" (4, 12), so ist dieser Zusatz im Hinblicke auf den Fall, daß Roxane einen Sohn gebäre. Aber bald nach dem Tode Alexanders begann ein blutiges und langwieriges Trauerspiel. In Macedonien wogten in der königlichen Familie selbst die erschütterndsten Unruhen. Olimpias, Alexanders Mutter, Roxane, seine Gattin, und der von ihr geborene unmündige Alexander hatten sich nach Alexandrien geflüchtet, Polyfperchon rief sie zurück und die Armee erklärte sich für sie. Alexander ist der „arme aber weise Jüngling, der besser ist, als ein König, der alt, aber ein Thor, zu ungeschickt, um sich noch belehren zu lassen", nämlich Arrhidäus. Die Worte: „Aus dem Kerker kam er zum Thron, der selbst in seinem Reiche als Aermster geboren ward" passen ganz genau auf den nach dem Tode Alexanders von der Roxane geborenen Sohn Alexander. Doch das Schicksal wollte es anders. Der junge Alexander wurde, nebst seiner Mutter Roxane, gefangen gehalten, als Privatmann erzogen, und endlich von Kassander ermordet. Darauf wurde Friede geschlossen, der jedoch bald gebrochen ward, als nämlich Ptolmäus Lagi seine Seemacht verstärkte und Cypern eroberte. Dies berichten die Worte: „Ich sah alles Lebende, die unter der Sonne wandelten, mit dem anderen Jüngling, welcher an seine Stelle trat, unzählig war das Volk, wie irgend eines, welches vor ihnen gewesen, dennoch freuten sich die Spätern nicht über ihn" (4. 15, 16). Das Sammelbuch Kohelet enthält auch Hinweisungen und Beziehungen auf Atomente aus der späteren Geschichte der Juden unter den Hellenen Wie gesagt, nach HirkansTraum von einem David'schen Throne, worauf auch DaniA 11, 14: „Auch werden sich Gewaltthätige aus deinem Volke erheben, Um das Gesicht zu erfüllen, und werden fallen" bezieht, eröffnet das Buch, von ihm selbst, oder von einem Anderen, der mit oder nach ihm lebte, verfaßt. Ohne Zweifel hat Simon des Gerechten edler Eifer für die Lehre! und Ehre Israels, für Thora und Aboda, dazu beigetragen, daß Hirkan, der vom Princeps zum König sich emporschwingen wollte, beseitigt und enttäufcht wurde. Simon war auch ganz der Mann, der eines weltlichen Collegen entrathen, der die Pflichten, welche mit der dualistischen Stellung verbunden waren, allein erfüllen konnte. Solchergestalt wird in den Vätersprüchen er allein, und nicht sein Mitvorsteher, der eine so klägliche Rolle spielte, genannt. Gaya. Dr. M. Duschak. IrirlÄrung. Herr Dr. Eduard Kulke in Penzing bei Wien hat uns leider bis zur Stunde Fortsetzung und Schluß der Novelle „David Einhand", um welche wir wiederholt gebeten haben, nicht.zukommen lassen. Wir werden diese jedoch unter jeder Bedingung vor Ablauf des Jahres zu Ende bringen. Für den nächsten Jahrgang liegt uns bereits eine vorzügliche, in edlem Deutsch geschriebene Novelle vor, diesicher unsere geschätzten Leser interessiren und befriedigen wird. Sie entspricht, wie wir mit Gewißheit erwarten dürfen, den Anforderungen der gebildeten Leserkreise, für welche unsere Zeitschrift bestimmt ist und in welche sie Eingang gefunden hat. Ober-Ingelheim, den 4. December 1873. Die Redaction.