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Jüdische Volkszeitung · 1873-12-10 · 50 (10.12.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
50 (10.12.1873)
Date
1873-12-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Vollszeitimg. Wochenschrift tür t*ctt ntlc Leftellungea nehmen alle Postanst lten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich l^k Ngr. m Ermrmde und Z^Mgogr und HrIrM> ZnUtail _ find an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. Mugenstsm in Ingelheim, Preis der 2 sßflr. bisher Herausgeber des „Jsr. Lehrer" und des „Synodalblatt". No. 50. Leipzig, den 10. December. 1873. I K kt a k t: Mittheilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde (Fortsetzung). — Zu Chanuka. — Correspondenzen: Ingelheim, Coblenz. — Rundschau. — Hirkan und Kohelet. — Erklärung. — Anzeigen. Mittlmfungen vom d)entf<ft~3Wacfitifeitcn! Gemeinäebunäe. (Fortsetzung.) Unter 5 berichten die Mittheilungen über Verhandlungen bezüglich „Anbahnung eines einheitlichen oder doch gleichmäßigen Systems der Pensionirung von Gemeindebeamten und der Fürsorge für deren Hinterbliebenen". (§ 1, Punkt 4 der Statuten.) Der Vorsitzende berichtet, daß ihm für eine zu gründende Gemeindebund- Pensionseasse*) bereits die namhaften Summen von 1000 Thlr. und 500 Thlr. zugesagt, und einige Legate (im Betrage von 20—25000 Thlr.) in Aussicht gestellt seien — welche Mittheilung in der Versammlung freudige Bewegung hervorrief. Es machen sich in dieser Beziehung verschiedene Anschauungen geltend, die wir eingehend berücksichtigen, weil wir uns — leider! — mit den Ansichten der Versammlung überhaupt nicht einverstanden erklären können. Ein Redner erklärt sich als principieller Gegner des als veraltet anzusehenden Pensionswesens. Er verlangt, daß die Gemeindebeamten selbst für ihre Zukunft sorgen, beziehungsweise ihre Angehörigen in Assecuranzen einkaufen. Den Gemeinden könne nur und müsse empfohlen werden: 1) Den Beamten, unter Wegfall der unsicheren, deren Würde schädigenden Emolumente höhere, den veränderten Zeitverhältnissen entsprechende Gehälter zu zahlen; 2) die Beamten nach Verlauf einer bestimmten Probezeit fest anzustellen. Das wäre schön und gut und wir würden mit Freude Ja und Amen sagen, wenns recht bald zu erwarten stünde! Aber wer weiß denn nicht, wie lange wir in dieser Beziehung bereits vergeblich kämpfen und wie soll es mit denjenigen gehalten werden, die bereits ein höheres Lebensalter erreicht haben und schon lange mit Schmerzen auf den „auskömmlichen Gehalt" und die „feste Anstellung" warten und die noch nicht die Mittel haben erschwingen können, sich in Affeeuranzen einzukaufen? Zu den Gemeindebeamten gehören doch wohl auch die Lehrer? Nun denn, der Durchschnittsgehalt eines jüdischen Lehrers übersteigt in Deutschland nirgends 350 Thlr.! Ja, weitaus der größte Theil der Lehrer in den kleineren Gemeinden hat ein weit geringeres Einkommen und die größten Gehalte — in einigen größeren Städten Westfalens — belaufen sich auf höchstens 700—800 Thaler. Ja, die würdigen und anständigen Lehrer haben seit lange die entwürdigenden Emolumente zurückgewiesen; die „entsprechenden Gehälter" aber, die lassen allüberall auf sich warten. Kann ein Beamter — und die Rabbiner sind durchschnittlich, außer in den ganz großen Gemeinden, wo sich dem entsprechend auch die Ausgaben steigern, nicht besser gestellt, als die Lehrer; — kann ein Beamter, sagen wir, von einem solchen Gehalte so viel entbehren, daß er aus den Erträgnissen seines Amtes sich eine auch nur den bescheidensten Anforderungen entsprechende Asseeuranz verschaffen könnte? O, wenn die Herren nur halbwegs von den traurigen Erfahrungen Kenntniß hätten, die wir haben auf diesem Gebiete! Wenn sie sich ein Bild machen könnten von dem Elende, das in der Familie so 0 Soll wohl heißen: Gemeindebeamten-Pensionscasse?

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