Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 48 (26.11.1873)
- Date
- 1873-11-26
- Page
- Seite 383 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9588641-9578452-9578876--432-9578883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Żory 1× ep/1048188
OCR text
383 dienstes am Versöhnungstage unter Beibehaltung der vorzüglichsten Piutim auch für kleinere Gemeinden viel an Anwend- Barfeit gewinnt. Versckrieäenes. Hamagid theilt als Zeichen der Zeit aus dem vorigen Jahrhunderte einige charakteristische Entscheidungen Friedrichs II. von Preußen mit. 1) Ein Jude bat um die Erlaubniß zur Erwerbung eines Grundstücks. Der König antwortete: Geld trägt dem Juden 8 Procent, der Acker nur 4 Procent; der Jude versteht sein Geschäft nicht. Schuster bleib bei deinem Leisten, Jude bei deinem Handel. 2) Ein Schutzjude Magdeburgs verlangt in Betreff der Wohnungsveränderung und des Geschäftsbetriebs gleiche Rechte mit den Christen. Der König antwortete: Der Jude verlasse sofort die Stadt, und die Polizei hat Auftrag, ihn auszutreiben. 3) Zwei in Breslau privilegirte Juden verlangen für sich und ihre Glaubensgenossen gleiche Rechte mit den Christen. Der König antwortete: Ich bewillige dies den zwei, aber nicht anderen Juden; Breslau soll kein Jerusalem werden. 4) Der Bürgermeister von Sohrau hatte sich zum Judenthum bekehrt; der König sollte darüber entscheiden. Er antwartete: Der Bürgermeister soll dies mit Gott abmachen; dieser Jude soll keine Judensteuern zahlen. Das Volk nannte ihn den ״neuen Juden". Aehnlich waren in Spanien die getauften Juden ״neue Christen" genannt worden. Die Bekehrung der Juden war aber eine erzwungene, diejenige des Christen eine freiwillige gewesen. Feuilleton. Das todte Meer. (Schluß.) Und NUN wollen wir sehen, wie sich das Wort der Bibel zu den gefundenen wissenschaftlichen Ergebnissen in Einklang bringen läßt. Freilich, wenn es wahr wäre, daß die Bibel erzählt, was noch heutzutage Mancher als Biblische Erzählung annimmt, daß nämlich Sodom und Gomorrha nicht dagestanstanden, wo jetzt das todte Meer ist, und daß letzteres erst in Folge der Zerstörung dieser lasterhaften Städte entstanden sei, — dann würden wir uns allerdings mit der Bibel in Widerspruch gesetzt haben. Allein die Bibel berichtet mit keinem einzigen Worte, daß das todte Meer durch jenes Strafgericht entstanden sei, vielmehr giebt sie selbst indirekt den Beweis, daß das todte Meer schon vorhanden war, als jene Orte des Lasters noch in ihrer Ueppigkeit bestanden. Man wird sich erinnern, wie Abraham mit seinem Vetter Lot stch berieth, was zu thun sei, damit sie nicht ferner um ihrer großen Viehherden willen in Streitigkeiten kämen, da heißt es nun: ״Und Lot erhob seine Augen und sah die ganze Gegend am Jordan, welche ganz wasserreich war" u. s. w. Also der Jordan existirte zu jener Zeit und darum mußte auch das todte Meer existiren, denn wo sollte der Jordan geblieben sein? Früher mochte man wohl sagen können, er sei ins rothe Meer geflossen; allein wir wissen jetzt, daß er dann ganz bedeutend hätte bergauf fließen müssen, und das wird er wohl unterlassen haben. Eben so wenig konnte er aber auch im Jordanthale versiegen, denn eine solche Wassermasse verschwindet nicht so spurlos in einem Felsenthale. Aber wenn die Bibel nichts sagt, woraus man die Ansicht schöpfen könnte, daß das todte Meer die Stelle der zerstörten Städte einnehme, wie konnte denn diese Ansicht überhaupt entstehen? Der Anlaß dazu liegt in der einen Stelle Gen. 14,3, hier wird nämlich erzählt, daß die Könige der 5 lasterhaften Städte sich versammelten, in dem״Waldthale"(Kalkthale?) (hebr. Thal שדים), welches nun das Salzmeer ist. Allerdings ein eigentlicher Zusatz! Doch stellen wir zunächst fest, daß nur vom Thale שדים, nicht von den 5 Städten, gesagt wird, daß es nun Salzmeer sei; das fragliche Thal שדים aber lag höchstwahrscheinlich in der Mitte der 5 Städte. Fragen wir nun aber, was jener eigenthümliche Zusatz der Bibel zu bedeuten habe, so sind wir hier an einem Punkte angelangt, welcher so recht zeigt, wie die h. Sch. durch den echten Fortschritt der Wissenschaft nur gewinnen kann. Der biblische Beisatz — ״welches nun das Salzmeer ist" — ist früher falsch ausgelegt worden; die neueren Forschungen haben das Irrige jener Auslegung gezeigt, zugleich aber auch die richtige Erklärung ermöglicht und dadurch den: ׳ Berichte des ältesten Buches der Welt eine auffallende Bestütignng gegeben. Man erinnere sich daß das Becken des todten Meeres in zwei Theile geschieden ist, von denen der nördliche Theil sehr tief, der südliche aber nur ein durchgängig bloß 6 Fuß tiefer schlammiger Sumpf ist. Eben dieser seichte südliche Theil des todten 'Meeres ist das ehemalige Waldthal oder Thal שדים. Auf einem Berge an der Südwestseite des Sees, welcher ein großes Lager von Steinsalz enthält, befinden sich die Ueberreste einer größeren Stadt. Hier war wahrscheinlich Sodom gelegen; wenigstens nennen die umwohnenden Beduinen diese Trümmer ״Kherbet ITsdum", d. h. Ruinen von Sodom. Auch für die biblische Erzählung vom Schicksale der Frau Lots erhalten wir besonderes Verständniß. Die Araber nämlich zeigen jedem eine Salzsäule von 40 Fuß Höhe, die sie unter dem Namen, Lots Frau anbeten.