Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 46 (12.11.1873)
- Date
- 1873-11-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Indische Volk Lrrs >T Wochenschrift *tun rlc tlc@ *,,,״״״״ in Ermrindr und Zrhulr, Iynngvgr und Krbm. nehmen alle Postanst lten und .. H»ausgcg»°n von J. W»S«^n i» Zng-lh-im, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Anferal« sind an die Verlagshandlung von Ioh. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. Iso. 46. Leipzig, den 12. November. 1873. I n ft a f t : Jüdische Wohlthätigkeit. — Judenverfolgung in Jemen. — Correspondenzen: Dresden, Württemberg, Würzburg, Homburg v. d. H., Aus Baiern. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung). — Anzeigen. Iüüiseüe Mokktkätigkeit. Zedokoh! So sehr wir durch die Macht der Verhältnisse in 'unteren Denken und Empfinden auseinandergehen mögen, ein Wort, ein Gefühl einigt noch immer Alle, die der jüdischen Genoffenschaft angehören: Zedokoh! — Und wie sehr ist dieses Wort in seiner tieferen Bedeutung verschieden von dem blassen Begriff des ״Almosens", oder der ״werkthätigen Bruderliebe", womit wir im Allgemeinen wohl das Gleiche oder Aehnliche bezeichnen wollen. Es heißt: ״Gerechtigkeit", ״ausgleichende Gerechtigkeit", die Pflicht des Herzens wie des Geistes, was aus diesem Worte wie eine ewig sprudelnde lebendige Quelle das jüdische Leben erfrischt und verjüngt. Das jüdische Herz! Es ist gefeiert worden von unseren Dichtern; es ist anerkannt worden selbst von unseren Gegnern und Hassern; seine Tiefen und Höhen aber find unergründlich und unerforschlich. Das jüdische Herz ist unsterblich! Verzagen wir darum nicht! — Eine jüdische Zeitschrift schreibt aus Wien: ״Es sind in diesem Jahre an den hohen Festen in den Synagogen Wiens nicht so viel Hunderte gespendet worden, als sonst Tausende." Und ein Brief aus Frankfurt sagt uns, daß die Spenden für alle wohlthätigen Anstalten sich bedeutend durch den Börsenkrach verminderten. Doch — לא אלמן ישראל Israel fift nicht verwittwet, nicht verwaiset; und so gewiß es immer Arme und Dürftige geben wird, so gewiß wird auch die Quelle der Wohlthätigkeit nimmermehr zu fließen aufhören. Aber eine Aufgabe haben wir dennoch auch auf diesem Gebiete. Wir müssen allezeit der jüdischen Wohlthätigkeit die rechten Wege andeuten, sie in die richtigen Bahnen lenken. So fremd darf doch auch die jüdische Wohlthätigkeit nicht dem Leben gegenüberstehen, daß fie nicht lerne, wie sie ״volkswirthschaftlich" zu wirken berufen ist in unserer Zeit, wo Reichthum und Armuth eine so ungeheure Kluft trennt, wie nie in früheren Zeiten. Wie die Quelle, wenn sie über ein dürres, trockenes Feld (משקין בית השלחין) geleitet wird, die Pflanze kräftigen, aber auch die Wurzelfäulniß herbeiführen kann, so kann das Almofen, die Zedokoh, befruchtend wirken, aber auch ebensowohl — den Empfänger in seinem gesammten sittlichen Leben zu Grunde richten! Es ist die erhabene und schwierige Aufgabe des Gemeindebunds, die Lösung des Problems der ״volkswirthichaftlichen Verwendung der Almosen" zu versuchen und wir Zweifeln nicht, daß es demselben mit der Zeit gelingen wird. Es fehlt den Männern, welche an der Spitze stehen, weder an der nöthigen Energie, noch an der gesunden Einsicht. Jedem redlichen, einsichtsvollen, beharrlichen Streben winkt aber früher oder später der gebührende Lohn. Wir wollen jedoch heute einige andere Seiten der jüdischen Wohlthätigkeit betrachten. Nahe liegt es, hier die verderblichsten Auswüchse der jüdischen Wohlthätigkeit vorübergehend zu kennzeichnen, gegen die wir wiederholt uns ausgesprochen haben. Wir meinen die ״palästinensischen Sammlungen." Wohl werden die orthodoxen Heerführer schreien: ״Hier habt Ihr den Pferdefuß des Satanas! Oben spricht man von Zedokoh, die alle jüdischen Herzen einige, und hier kommt schon wieder der Haß gegen die ftommen und großen Lehrer, die auf heiligem Boden für ganz Israel beten und lernen. Das ist der Haß gegen die Thora,