Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 44 (29.10.1873)
- Date
- 1873-10-29
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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351 Deß Scheiterhaufen allwärts brannten, Mordzündeten von Land zu Land, Daß Furcht und Schrecken die Gesandten Des ew'gen Vaters sich genannt; Die Menschheit ging in blut'ge Fetzen, O unheilvoller Bundesbruch! Aus Synagogen schrie Entsetzen, Aus Kirchen flammte Bann und Fluch — Hinweg, hinweg von diesem Bilde Des Jammers, der die Väter traf; Die Erde ein zerstört Gefilde, Und drüber schwarzer neunter As — Sagt an! — Dem Allmenschheitsgedanken, Wer brach ihm wieder neue Bahn Und riß zu Boden alle Schranken, Die aufgethürmt der Fluch, der Wahn; Goß sänft'gend Oel in die Gemüther; Ob Muselmann, ob Jud, ob Christ, Erkennt, umfasset Euch als Brüder, Da Einer Euer Vater ist- Wer that's? — Der Westen hat's geleistet! — Daß er dem Haß so lang gedient, Vergebet ihm! — Er hat durchgeistet Die Welt und seine Schuld gesühnt. Er hat die Sänger all und Denker Geschaart aus alt- und neuer Zeit; Die göttlich hohen Geisteslenker, Sie haben seinen Bund geweiht. Da wurden Herz und Blick erweitert, Dem Recht, der Freiheit zum Gewinn; Die Welt ward hell, das Sein erheitert, Das einst umdüstert finstrer Sinn. ״Für Alle Ein Gesetz!" ruft Moses — Nun nach Jahrtausenden die Zeit: ״Verschönerung des Erdenlooses Für Alle — Sieg der Menschlichkeit!" — Im Westen ging die Sonn trüb unter — Wie sie so schön vom Westen kommt! — D betet an das heil'ge Wunder, Dem unser reinster Glaube frommt! — V. Seht Ihr den Eisberg urgewaltig, Wie er zur Höh sich trotzig reckt Und seine Firnen vielgestaltig Stolz in den klaren Aether streckt? Im Winter starr und todt — Verneinung Jeglich belebend frischer Fluth — (Bild des Unglaubens — starre Meinung — Aufklärung ohne Wärm und Gluth) — Regt kaum sich neu die Frühlingssonne, Und wieder rührt sich's im Koloß — Ha, neues Wunder! — Wie mit Wonne Der Lebensstrahl dem Tod entfloß! — Und Quellen zahllos rauschen, rinnen Hernieder in's erquickte Thal, Und Blumen tausendfach gewinnen Licht und Gedeihn im warmen Strahl — — So einiget dem Licht die Gluthen Für Gott und Menschheit inniglich, Und aus den frischen Lebensfluthen Erneut die Welt zum Eden sich! — — * * * Wo ist die dunkle Trauermauer? — Die finstre Westwand ist nicht mehr! — Dem Gott verheißen ew'ge Dauer, Den Tempel schau ich hoch und hehr, Umflossen klar von Abendschimmer, Der schönen Morgen prophezeit — O Haus des Friedens, steh auf immer Und schaar' in Gott die Allmenschheit! — * * * ״In Gluth hat Gott sein Haus zerstöret, In Gluth er wieder neu es baut" — In Gluth, die leuchtet, nicht verzehret, Wie Moses einst den Herrn geschaut. — (Davos, in Graubündten, am Scaletta-Gletscher, 3. August 1873.) Berichtigung. In dein Artikel ״Aus Baden", Nr. 43, muß es in der 4. Zeile v. u. heißen: Das Vorurtheil und Rischus stellt sich nicht an die Stelle Abrahams u. s. u>.