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Jüdische Volkszeitung · 1873-10-21 · 43 (21.10.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
43 (21.10.1873)
Date
1873-10-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volkszeituug. Wochenschrift liiß deS in ErmrinÄr und jldfpl^ H^nn^n^r und DrdM. Lestcknngcn nehmen alle Postanst lten und Buchhandlungen an. ck־y■־״ \ ♦ * c» tx * zu ]cuueu. Preis vierteljährlich 17^2 Ngr. Herausgegeben von I. MngSNStLM Ul ^ngelheun, Preis der 3geip. Zeile 2 Nzr bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Anscrat« find an die Verlagshandlung von Job. Friedr. Harttnoch in Leipzig zu senden. N0. 43. Leipzig, den 21. October. 1873. 3 n ft a f t : Erinnerungen und Mahnungen (Schluß). — Gebet für die Bedrängten. — Correspondenzen: Aus Baden, Aus Eisenach. — Rundschau. — Mein ״trauriger" Aufenthalt in W. — Feuilleton: Der Tempel der Zukunft. — Anzeigen. Erinnerungen und Mahnungen. (Schluß.) Ja, es war eine herrliche, regsame Zeit, vom Anfange dieses Jahrhunderts bis in die vierziger und fünfziger Jahre hin, bis zu den Rabbinerversammlungen und noch einige Jahre darüber hinaus. Männer, in den Jeschibos erzogen, voll reichen jüdischen Wissens, mit Geist und Herz dem Judenthum ergeben, fingen in einem Alter, wo man jetzt zu ״lernen" aufhört, wo man jetzt ״fertig" ist, und schon über jene Geisteshelden den Stab zu brechen sich berechtigt glaubt, mit einer Energie, die jetzt fast unglaublich erscheint, die ersten Elemente allgemeinen Wissens sich zu erobern an. Sie waren Autodidakten geworden durch die Macht der Verhältnisse, wie vor ihnen Mendelssohn u. a. Geistesheroen, aus die die Judenheit ewig mit Ehrfurcht und Stolz blickt, wenn auch ihr Wissen, wie das der meisten Autodidakten, bedeutende Lücken hatte. Wir kennen Männer aus jener Epoche, die noch in ihrem achtzehnten Jahre kaum die deutsche Schrift kannten, die sich die herbsten Verfolgungen zuzogen, wenn man erfuhr, daß sie im Geheimen ein deutsches Buch lasen, und die dann doch schon zwei Jahre später die Reife für die Universität sich errungen hatten. Wir verdanken Männern dieser Art und dieser Epoche die ersten Grundlagen jener jüdischen Wissenschaft, deren Höhepunkt noch heute nicht erreicht ist, die aber das Judenthum befähigten, seine Institutionen ins rechte Licht zu bringen, die Geschichte des Judenthums zu klären und sie anderen Wissensgebieten ebenbürtig zu machen. In Büchern und Zeitschriften in unserer Muttersprache wurde der Reichthum des jüdischen Schriftthums, die Energie seiner geistigen Entwickelung vom Anfang bis in die neueste Zeit klargelegt. Man erkannte den Werth und die Stellung dieses gesammten Schristthums,!jene Bedeutung für die Geistesbildung und die Geschichte j der religiösen Entwickelung. Ganze Zeitläufte aus der Geschichte des Judenthums, die den Früheren unbekannt geblieben waren, wurden aufgedeckt und in ihrer Stellung zum Ganzen gewürdigt. So mußten die Männer des Wissens zur Kritik kommen, die reichlich geübt wurde. So fanden und documentirten sie, daß das Judenthum in seiner Entwickelung nie stille gestanden, daß es sich stetig fortgebildet hat, stets fortgeschritten ist und sich und seine religiösen Lebensformen erneuerte nach dem Geiste und Bedürfnisse einer jeden Zeit. Und die Schriften, in denen die früheren Vorgänger wohl ״lernten", die sie aber nicht in ihrem Werthe erkannten, weil sie sie nicht prüften und von ihrer geschichtlichen Entstehung keinen Begriff hatten; der Talmud, die religions-philosophischen Schriften aus den spanischen, französischen und arabischen Schulen, die abschließenden Codices, — sie wurde von denjenigen, welche ihre ewige Unfehlbarkeit auf Grund reicher Forschungen beanstandeten und sie nur als Geisteserzeugnisse verschiedener Durchgangsperioden anerkannten, die in ihren Folgerungen für uns nicht mehr verpflichtend sein könnten, besser gewürdigt, als von denjenigen, so sich heute noch sclavisch an seinem Wortinhalte binden, die ein der Zeit und den Verhältnissen entsprungenes Schulchan-Aruch-Judenthum an Stelle der ewigen, sich auf dem Boden der Thora entwickelnden Religion Israels setzen wollen. Ja, wir können es nicht genug wiederholen: Jene heute

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