Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 42 (14.10.1873)
- Date
- 1873-10-14
- Page
- Seite 335 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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335 f FeuiEketon. David Einhand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Drittes Eapitek. ״Was ist das wieder für ein neuer Wahnsinn? Was heißt, ich soll zu Reb Joine Glück gehn? Bist Du denn nicht Dein eigener Herr? Kannst Du denn nicht machen, was Du willst? Brauchst Du denn erst seine Bewilligung? Ist er denn Dein Oberherr?" ״Das Alles nicht", antwortete David, ״aber ich Hab mir vorgenommen, ich thu nichts, ohne ihn zu fragen." ״Dann wird aus der Sach nichts werden! Das seh ich schon", sagte der Schadchen. ״Wie es Gottes Wille sein wird!" antwortete David. ״Ueberleg Dir's gut", sagte der Schadchen, ״Du findest nicht alle Tag eine solche Partie und Reb Joine Glück ist kein ganz aufrichtiger Mensch. Wer weiß, was er bei der Sach für ein Jnteresfe haben kann! Wetten möcht ich darauf, er wird Dir, wenn Du ihm davon sagst, eine andere Partie antragen, eine Partie, die meinetwegen gar nicht zusammengehn kann, blos nur um Dich von dieser da abzulenken!" ״Wie ich Euch gesagt Hab", antwortete David, ״wie es 1 Gottes Wille ist. Ist es eine Bestimmung Gottes, dann wird Reb Joine sicher auch nichts dagegen haben und es wird geschehn!" ״Das heißt ein Narr, was Du bist", lachte der Schadchen, ״bildest Du Dir denn ein, daß sich unser Herr Gott mit Reb Joine Glück ״ausschmusen" (ausreden) thut? Von wannen soll es Reb Joine wissen, ob es eine Besümmung Gottes ist?" ״Das mein ich ja nicht", sagte David. ״Ihr habt mich falsch verstanden. Ich mein, wenn es Gottes Wille ist, daß die Sach geschehen soll, wird Gott es auch machen, daß Reb Joine mir dazu rathen wird! So mein ich es! Versteht Ihr mich jetzt?" Der Schadchen war Menschenkenner genug, um einzusehen, daß David von diesem Punkte nicht abzubringen sei. Er machte daher keine weiteren Anstrengungen und schied von David mit weniger Siegesbewußtsein, als er in das Dorf mit hinausgebracht hatte. Indessen gab er darum noch nicht alle Hoffnung auf; das thut überhaupt ein Schadchen so leicht nicht, sondern dachte während der Heimkehr auf einen neuen Plan, nachdem der erste zu dem erwünschten Resultate nicht geführt hatte. Am Freitag kam auch David aus dem Dorfe heim, und sein erster Weg war zu Reb Joine Glück. An der Art und Weise, wie Reb Joine Glück ihm bei dem üblichen Gruße ״Friede mit Euch" die Hand drückte, hätte David merken können, daß sein Gönner sich in einer freudigen Aufregung befinde, wenn er selbst sich nicht eben in einem Grade hoher Erregtheit befunden hätte. ״Hört zu, Reb Joine", sagte David, ״es geht etwas vor in der Gass, etwas Wichtiges! Man tragt mir eine Partie an!" ״Und das willst Du mir sagen?" lachte Reb Joine. ״Warum? Ihr wißt es schon?" fragte David. ״Ich Hab es früher gewußt, als wie Du, kannst Du sicher sein." ״Nun, laßt mich hören, Reb Joine, was sagt Ihr dazu?" ״Was heißt, was ich dazu sag! Es ist mir lieber, als wenn ich hundert Gulden gewonnen hätt! Was sag ich hundert Gulden? Es ist mir lieber, als wie ich weiß gar nicht was! Wenn Dein Mutter, in ״Ganeden" soll sie ruhen, das erlebt hätt, die hätt vor Freude gar nicht gewußt, was sie anfangen soll! Warum? So ein Madel findet man nicht mehr, wenn man ausreisen thut ganz ״Marreland" (Mähren). ״Ganz Marreland? Ich weiß hier in der Gass eine Schönere und Bessere." ״Was? fragte Reb Joine, ״sie gefallt Dir vielleicht gar nicht?" ״Merkwürdig", sagte David den Kopf schüttelnd. ״Merkwürdig?" fragte Reb Joine, ״was ist da dran -merkwürdig? Ueber was wunderst Du Dich? Merkwürdig ist bei der Sach nur, daß sie Dich nimmt, und merkwürdig ist höchstens noch dabei, daß Du so ruhig dastehst und nicht in die Höh springst vor Freude." ״Nein!" sagte David, ״merkwürdig ist, daß Ihr so reden thut. Und wundern muß ich mich darüber, daß Euch die Partie so gut gefallen thut; denn ich muß Euch sagen, ich Hab mir vorgestellt, Ihr werdet dagegen sein und werdet mir davon abrathen!" ״Abrathen? ich Dir?" fragte Reb Joine, ״soll ich leben und gesund sein, das ist noch schöner wie schön! Bin ich denn wahnsinnig oder verrückt? Wie schickt sich, ich werd Dir abrathen?" ״Von wegen der Feindschaft" sagte David trocken. ״Was für eine Feindschaft?" ftagte Reb Joine. ״Nun", sagte David, ״muß ich Euch daran erinnern, das Ihr mit ihm auf keinem guten Fuß steht und daß Ihr seit der letzten Rekrutirung, wo er gegen Euch so hart ausgetreten ist, mit ihm noch kein Wort geredt habt?" ״Von wem redtst Du da? Was willst Du haben von Reb Perez? ״Wer redt denn von ihm?"' ״Ihr sagt doch, Ihr wißt schon —" (Fortsetzung folgt.)