Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 41 (7.10.1873)
- Date
- 1873-10-07
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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327 FeuiEketon. David Ein Hand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Drittes Tapitek. ״Und Hab ich denn schon gesagt, daß Reb Perez einwilligen wird? Ich Hab ja vorderhand nichts anderes gesagt, als daß ich davon reden will!" ״Reb Perez!" rief David überrascht und erschrocken, ״Reb Perez Fleischmann? Und von diesem meint Ihr, er möcht mir sein Tochter geben? Da irrt Ihr Euch grob!" ״Hör zu, David!" sagte der Schadchen, ״ich bin älter als wie Du, und Hab in solchen Sachen mehr Exfahrung als wie Du. Du wirst doch mich nicht darüber belehren wollen, was auf dieser Welt Alles möglich ist. Es hat schon solche Fälle gegeben, wo man anfänglich gemeint hat, es kann gar nicht geschehn, und es könnt änder der Himmel auf die Erd heruntersallen, und es ist am End doch geschehn. Für was ist man denn ein Schadchen? ״Vergeßt nicht", erinnerte David, ״daß Reb Perez Fleischmann es gewesen ist, der mich hat gewollt zum Militär bringen!" ״Das kommt zur Sache nicht", entgegnete der Schadchen, ״Reb Perez ist ein Mann, den muß man kennen: er ist ein Staatsmann! er ist einmal Gemeinderath. Als Gemeinderath-Beisitzer handelt er im Interesse der Gemeinde und kennt keine Rücksichten und thut seine Pflicht! Von deswegen ist er Dir persönlich kein Feind, im Gegentheil, ich bin überzeugt, er hält viel von Dir! ich möcht wetten darauf." ״Ihr müßt weiter nicht vergessen", wendete David ein, ״daß Reb Perez Fleischmann all sein Lebetag ist ein sehr stolzer Mensch gewesen! Wie kann Euch einfallen, daß er sich David Finkels, den Sohn einer armen Oebstlerin, als Eidam einsetzen wird?" ״Das ist Alles schon da gewesen, mein lieber David", sagte der Schadchen, ״solche Fälle sind schon hundertmal vorgekommen. Du bist heutzutag nicht mehr der Sohn einer armen Oebstlerin —״ ״Das werd ich immer bleiben!" rief David. ״Schon gut", sagte der Schadchen, ״aber man weiß in der Gafs, wer Du heutzutag bist, Du bist heut ein Geschäftsmann, der es mit jedem andern Jungen aufnehmen kann." ״So weit bin ich noch nicht", sagte David. ״Mach Dich nur nicht kleiner, als Du bist", sagte der Schadchen, ״übrigens hör zu, David, gezwungene Lieb ist Gott Leid! Zwingen will ich Dich nicht zu Deinem Glück! Ich mein es gut mit Dir! Was ich mit Dir geredt Hab, das ist zu Deinem Besten geschehen! Ich Hab mir vorgestellt, wenn ich Dir von der Sach reden werd, wirst Du in die Höh springen vor Freud! Unterdessen stehst Du da, wie wenn Dich die ganze Sach gar nichts angehn möcht, oder wie wenn ein solches Glück, wie es sich Dir da bietet, aäe Tag auf der Gass zu finden wär! Wenn Du nicht willst, lassen wir es gut sein, dann haben wir, verstehst Du — über den Gegenstand miteinander gar nichts geredt." ״Und Ihr meint es im Ernst, daß Reb Perez Fleischmann mir seine Tochter geben möcht?" ״Du Narr, was Du bist", sagte der Schadchen mit scheinbarer Gereiztheit, ״geschrieben und gesiegelt auf einem Stempelbogen kann ich es Dir nicht geben; aber wenn ich weiß, daß Du darauf eingehst, und daß ich auf der einen Seite meiner Sache gewiß bin, will ich auf der andern Seite anfangen zu reden, und will alles Mögliche thun, was in meiner Macht liegt." David schwieg. ״Nun? Was schweigst Du?" ftagte der Schadchen nach einer Pause, ״warum redtst Du kein Wort? Ist Dir die Partie vielleicht gar nicht anständig? Hör an, lang besinnen darfst Du Dich nicht! Reb Perez wird seiner Tochter wenigstens tausend Gulden Münz als Mitgift nachgeben, und die werden ausgezahlt am Hochzeitstag auf einen Kreuzer. Das ist Eines! Dann ist Reb Perez, wie Du weißt, bei der Gemeinde ein Mann, der etwas gilt, er ist ein Mann, der bei der Schüssel sitzt, und wer sein Eidam ist, wird dabei nicht zu kurz kommen. Es gibt gar manche Fälle in der Gemeinde, wo Einem so etwas von Nutzen sein kann! Und drittens : darfst Du im Ernst nicht vergessen, von wem Du herstammen thust und in was für eine noble Familie Du da hinein heiraten kannst! Ja, es ist wahr, Du hast heut ein paar Gul- : den, Du mußt aber doch wissen, wer Du bist und wer sie i ist. Wenn Dir an dem Allen nichts gelegen ist, lassen wir es gut sein. Ich mein aber, Du stehst Dir nur selber im Licht, wenn Du nicht willst!" ״Hab ich denn gesagt, daß ich nicht will?" fragte David schüchtern. ״Nun also, wenn Du einverstanden bist, was sagst Du es nicht gleich? Was laßt Du mich da in Dich Hineinreden, wie in die Mauer. Mach das Maul auf, daß man weiß, woran man ist und woran man sich zu halten hat. Also für den Fall, daß ich auf der anderen Seit etwas ausrichten thu-r“ ״Dann könnt Ihr zu Reb Joine Glück gehn", fiel ihm David in die Rede, ״und könnt mit ihm von der Sach reden! Wenn es ihm recht ist, wird es mir auch recht sein!" (Fortsetzung folgt.)