Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 39 (24.9.1873)
- Date
- 1873-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wochenschrift Jüdische Volksreit«» reut» de L«stekkun>r«n nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich l~!1k Ngr. tu srmrindr und Ikhulr, ZPMgogr und Krdru. sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. Mmgonstsm in Ingelheim, Preis der s'gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 39. Leipzig, den 24. September. 1873. A n ki a k t : Unsere Hoffnungen und Bestrebungen. — Aus dem Monatsbericht der Allianz. — Correspondenzen: Aus Oberheffen, Stadt-Lengsfetb, Worms. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung). — Anzeigen. Unsere Aofsnungen unä Bestrebungen. Zur Jahreswende. לשנת וירא אלד,ים את האור כי טוב לפק Geneigter Leser sei gegrüßt! Die Sonne des Lebens und des Friedens leuchte Dir im kommenden Synagogenjahre; und wenn das Neujahr der strahlenden Göttin des Tages, das wir mit der Gesammtheit unserer Mitbürger in winterlicher Zeit feiern, Deinen Blick nach Außen wendet, also daß Du zählest und rechnest, Deine ״Bücher" abschließest, Dein ״Inventar" machest und Deine ״Bilanz" ziehest, so möge die herbstliche Jahreswende — unser Roschhaschono —, das der freundliche Mond, das Licht der Nacht, nach dem die Synagoge ihre Zeiten zählt, bestimmt, Dir einen Tag des Nachdenkens und ״Erinnerns", einen Moment der Ruhe verschaffen, auf daß Du Deinen Blick nach Innen wendest, in Dein eigenes Leben, insbesondere aber auch in das der großen Gesammtheit, der Du durch Abstammung und Bekenntniß, durch Geburt und Ueberzeugung aKgehörest. Wie vielgefältig auch das Menschenleben ist, es gibt doch Hoffnungen, Wünsche und Bestrebungen, die uns einigen, verbinden, die ihren Werth eben nur dadurch haben, daß sie in großen Gesammtheiten leben, gepflegt werden, sich entwickeln und fortsetzen. Es gibt für den Menschen wohl einen Wunsch, in dem sich Alles zusammenfassen läßt, um was wir bitten, was wir verlangen: Leben! חיים Leben? Herrlicher Klang! Wir Alle wollen wandeln im ״Lichte des Lebens", im strahlenden Lichte der Sonne. Und wohl kein Gebet in diesen Tagen strömt andächtiger von unseren Lippen, als die Worte: זכרנו לחיים gedenke unser, o Herr, zum Leben! כתבנו בםפר החיים schreibe uns ein in das Buch des Lebens! Alle, Alle wollen leben! Der Jüngling und die Jungfrau, welche unter Leben oft nur eine Reihe heiterer Genüsse, süßer Freuden zu verstehen scheinen, denen noch goldene Hoffnungen hängen als lachende Früchte am Baume des Lebens; der Mann und das Weib, um für die Lieben zu sorgen, die ihnen Gott als höchstes Gut geschenkt hat; der Greis, um sich des Glückes zu freuen, das er in der kräftigen Jugend und im rüstigen Mannesalter gesäet; der Reiche, um seine Schätze zu genießen; der Arme, um aus der dunkeln Gegenwart sich in eine heitere, glänzende Zukunft hineinzuträumen; der Wohlthätige, um Gaben auszustreuen mit voller Hand; der Geizige und der Sünder, um Schätze und Unrecht aufzuhäufen- Fast Allen gilt das Leben als das höchste und nur Wenige gedenken der Wahrheit des Dichterwortes: ״Das Leben ist der Güter höchstes nicht", für die Meisten aber gilt das Wort des Predigers (Kohelet 11,7) ומתוק האור וטוב לעינים לראות את חשטש Ja, süß ist das Licht! und so angenehN für die Augen, zu grüßen die Sonne! — Auch unsere Hoffnungen, wie Bestrebungen für die Gesammtheit, der wir angehören, für Juden und Judenthum lassen sich zusammenfügen in den Worten: Leben, Licht, Sonne! Als unsere Väter durch tausendfache Leiden und Er-