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Jüdische Volkszeitung · 1873-09-10 · 37 (10.9.1873) · p. Seite 295

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
37 (10.9.1873)
Date
1873-09-10
Page
Seite 295 (sequence 7)
Language
German
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295 Feuikketon. David Einhand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Drittes Eapitek. Marjem trug ihre Neigung still im Herzen, sie sprach kein Wort, sie ließ das Trauerjahr vorübergehen. Nachdem aber dieses vorübergegangen war, entdeckte sie sich ihrer Mutter offen and aufrichtig. Die Mutter war bei dem offenen Geständniffe der Tochter wenig überrascht. Ihr Mutterauge hatte längst erkannt, was dem schüchternen Menschen da drüben nicht einmal im Traume eingefallen wäre, deshalb sagte die fromme Jittel zu ihrer Tochter: ״Mein Kind-Leben, es ist recht von Dir, daß Du mir Dein Herz thust ausgießen, und machst keine Geheimnisse hinter meinem Rücken. Ich Hab gegen David Finkels nichts einzuwenden; er ist ein ehrlicher Jung, ein feiner Jung und ein schöner Jung und mit Gottes seiner Hilf, der ״Sechus" (Verdienst) von seiner Mutter, der Friede soll mit ihr sein, steht ihm bei und er thut sich rechtschaffen und redlich emähren. Also hör mich an, was ich Dir sagen werd. Ich werd hinüber gehn zu Reb Joine Glück und werd mit ihm von der Sach reden, und wenn es Gottes Wille und Gottes Bestimmung ist, so werdet ihr zwei, Du und David zu Gesund! miteinander unter die ״Chuppeh" (Trauhimmel) gehn. Ist es aber Gottes Bestimmung nicht, dann mein Kind-Leben mußt Du Dich fassen, und mußt nicht verzweifeln, und mußt wissen, daß es Gott nicht will, und daß es so gewiß besser ist für Dich und besser für ihn, und daß es außer David in der Gaff noch andere Jungen gibt. Das mußt Du mir versprechen, und wenn Du mir das versprechen thust, mach ich mich, wie ich da geh und steh, gleich auf und geh hinüber zu Reb Joine Glück." Die Tochter versprach es und die Mutter ging. ״Des Gotts Willkomm!" begrüßte Reb Joine Glück die fromme Jittel, als sie bei ihm in die -Stube eintrat, ״was bringt Ihr mir?" ״Für die weil", antwortete sie, ״bring ich noch gar nichts; für die weil komm ich zu Euch blos um einen guten Rath." ״In welcher Sach soll ich Euch rathen?" ftagte Reb Joine. ״Was sagt Ihr zu mein Marjemel?" fragte dagegen die fromme Jittel. ״Was heißt, was ich zu Euer Marjemel sag", antwortete Reb Joine, ״kann denn da Einer etwas Anderes ׳sagen, als wie der Andere? Wenn Ihr mich fragt: Was sagt Ihr zu Pessele Bele's oder zu Channele Zipperls? werd ich sagen, ich mein das und das, und ein Anderer wieder wird sagen: das unv jenes! Ich werd sagen: grün! — Jener wird sagen: blau! Aber bei Euer Marjemel, da kann Keiner etwas Anderes meinen und sagen, da muß Jeder dasselbe sagen, und wer nicht dasselbe sagt, ist nicht werth, sie in Maul zu nehmen." ״Hört mir zu, Reb Joine, ich kenn mein Tochter und weiß, sie hat, Gott sei Dank, einen guten Ruf in der Gaff; aber verzeiht mir, ich Hab es aus Eurem Mund hören gewollt und darum Hab ich Euch gefragt. Ich bin einmal Mutter, und wie es dem Gemüth einer Mutter wohl thut, das Lob des Kindes von einem Menschen zu hören, wie Ihr seid, das kann wieder nur eine Mutter verstehn." ״Nun, wenn Ihr auf mein Wort etwas geben thut" — ״Was heißt, ob ich darauf etwas geben thu!" ״So muß ich Euch sagen", setzte Reb Joine fort, ״eine zweite Marjem ist nicht zu finden, nicht nur in unserer Gaff, nein, in ganz ״Marreland" (Mähren). Ihr wißt, ich bin mein Lebtag in der Welt herumgekommen, und Hab Menschen vor mir gesehen, und viel kennen gelernt. Ihr wißt auch, daß ich mein Lob über Eine sonst nicht grad zu der Thür hinausschmeißen thu-" ״Nun, das mein ich ja", siel ihm Jittel wieder in die Rede. ״Aber", fuhr Reb Joine fort, ״eine Marjem Jittels gibt es gar nicht weiter. Gott wollt, ich hält einen erwachsenen Sohn, der werth wäre, sie zum Weib zu bekommen. Was wollt Ihr mehr hören?" ,.Reb Joine", sagte die fromme Jittel und ergriff lebhaft seine Hand, ״seht Ihr, das Wort, was Ihr da gesprochen habt, das hat Euch Gott eingegeben; und wenn es Gottes Wille ist können wir ftüher, als ich wieder zu dieser Thür hinausgeh, fix und fertig sein; denn Euch folg: er, und was Ihr ihm sagt, das thut er!" ״Meint Ihr vielleicht David?" ftagte Reb Joine iiberrascht. ״Wen soll ich sonst meinen?" gab sie als Antwort zurück. ״Ist er denn nicht Euer Sohn? Habt Ihr Euch denn um ihn nicht verdient gemacht, wie ein Vater um sein Kind? Man weiß es ja, was Ihr Alles für ihn gethan habt." ״Jittel!" rief Reb Joine fteudig aus und ergriff die Hand wieder, die sie aus der seinigen bereits zurückgezogen hatte, ״und Ihr wollt ihm Euer Marjem zum Weib geben?" ״Mit großer Freude!" sagte die Frau. ״Seht Ihr", setzte Reb Joine fort, ״das ist ein Gedanke von Gott, der kommt von ihm; der kommt vom Himmel herunter!" ״Wird er sie nur nehmen wollen?" ftagte Jittel. (Fortsetzung folgt.)

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