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Jüdische Volkszeitung · 1873-09-10 · 37 (10.9.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
37 (10.9.1873)
Date
1873-09-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volkszeitung. Wochenschrift Üxit? /jestekkuagen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17% Ngr. in ErmAirdr und Zrhuir. Kynnzogr und Krbmi. Herausgegeben von I. Höngsnslsm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserate sind an die Verlagshandlung von Job. Fricdr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der S gesp. Zeile 2 Ngr. N0. 37. Leipzig, den 10. September. 1873. I n fi a (t: Blutrache und Todesstrafe vom Standpunkte der Bibel. — Correspondenzen: Ludwigsburg. Aus der Provinz Hessen, Stadt-Lengsseid. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung). — Anzeigen.;Blutrache und Todesstrafe vom Standpunkte der Bibel. Das ״Ausland" Nr. 26 enthält einen Artikel über Blutrache, welcher mehrseitiger Berichtigung bedarf. Derselbe ist durch das den gleichen Gegenstand behandelnde Schulprogramm des Dr. Eichhoff in Duisburg veranlaßt, aus welchem das ״Ausland" einen Auszug liefert, den es mit eigenen Bemerkungen begleitet. Unsere Berichtigungen gelten demnach auch dem erwähnten Schulprogramme. Schon die anfängliche Bemerkung: ״alle alten Völker huldigten dem Princip der Rache, erst das Christenthum lehrt: keine Rache üben, nicht Böses mit Bösem vergelten, den Feind selbst nicht hassen, sondern lieben und ihm wohlthun", wiederholt die falsche Auffassung des Neuen Testaments, welche trotz der Bergpredigt, worin sie sich befindet, nicht von Jesus herrührt. Denn die Bergpredigt ist nicht von Jesus gesprochen, sondern im Gegensätze zur Sinai-Bergpredigt, der Gesetzes- Offenbarung, ihm in den Mund gelegt worden; sie entstammt, wie andere Fälschungen alttestamentlicher Texte und Anschauungen, den nach Jesus lebenden Verfassern des Neuen Testaments und späteren Lehrern des Christenthums. Man hat der neuen Lehre wirklich Neues vindiciren wollen und suchte sie deshalb auf Kosten der alten Lehre zu erheben, die man auf das Niveau des Heidenthums herabzudrücken bemüht war. Deshalb heißt es in der Bergpredigt: ״den Alten ist gesagt, worden u. s. w.; ich aber sage euch u. s. w." Und so beruht es denn auch auf Jrrthum, daß im Alten Testament Rache gelehrt oder gar Feindesliebe geboten sei. Mit den Lehren von den höchsten Geboten: Einheit Gottes und Nächstenliebe (Marc. 28, Matth. 22) steht Jesus ganz auf jüdischem Boden. Der jüdische Monotheismus hat seine Bedeutung darin, daß er die Annahme eines zweiten Gottes, des bösen Princips, leugnet. Gott ist nur der Gute, einen Anderen außer ihm gibt es nicht; er ist der Gott der Liebe, von dem Böses nie ausgeht. Das Böse geht vielmehr vom Menschen aus, wie der Sündenfall lehrt. Schon aus diesem Grunde kann der monotheistische Gott der Juden nicht der Gott der Rache sein, denn die Rache will das Böse mit Bösem vergelten. Sie entspringt der menschlichen Leidenschaft, von der ebenfalls der Gott der Juden, der rein geistig gefaßt wird, frei ist. Wo der Ausdruck ״Rache" im Alten Testament von Gott vorkommt, ist er anthropomorphistisch zu fassen, oder ein individueller Ausspruch, nirgends aber von allgemeiner und dogmatischer Bedeutung. Demnach ist es auch ein göttliches Gebot für den Menschen, dem aufgegeben ist, ״ihr sollt heilig sein, denn ich, euer Gott, bin heilig" (Levit. 19, 2), sich der Rache zu enthalten. Daselbst V. 17 und 18 heißt es: ״Du sollst deinen Bruder nicht im Herzen hassen, zur Rede stellen sollst du deinen Nebenmenschen, damit du nicht über ihn Sünde trägst; aber rächen sollst du dich nicht und den Kindern deines Volkes nichts nachtragen, denn lieben sollst du deinen Neben- Menschen (also hier selbst den Feind) wie dich selbst." Auch dem Fremden gegenüber, der nicht zu den Kindern des Volks gehört, also ganz allgemein ist die Nächstenliebe das. V. 34׳ in gleicher Weise geboten mit dem schönen Zusatze, denn Fremde wäret ihr ja auch im Egyptenlande und wisset also, wie dem Nebenmenschen bei Fremdenhaß, Ausschließung, Be-

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