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Jüdische Volkszeitung · 1873-08-27 · 35 (27.8.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
35 (27.8.1873)
Date
1873-08-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wochenschrift Indische Volkszeitiin inr tle Zestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 171(2 Ngr. ilt ^rmIw!tL und ßAnht I^nugogr und Ardrn. 3nserate find an die Berlagshaudlung von Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. MmgMsimn in Ingelheim, Preis der Sgesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". N0. 35. Leipzig, den 27. August. 1873. 3 n kl a k t: Wochenbericht. — Correspondenzen: Münster, Alzey, Przemysl. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung). — Zur gefälligen Beachtung. — Anzeigen. Wochenbericht. Ingelheim, den 18. August 1873. Man hat uns in jüngster Zeit in verschiedenen jüdischen Zeitschriften den Vorwurf gemacht, daß wir in der so überaus wichtigen Frage des Austritts aus der Synagogengemeinschaft dem Pessimismus der verschiedenen jüdischen Zeitschriften, den Männern ״im Amte und außer Amt" gegenüber eine mehr vertrauensvolle ruhige Haltung beobachteten. Unsere eigenen Freunde und Correspondenten sind uns in diesen Blättern selbst entgegengetreten, und wir bescheiden uns gerne, allzu optimistisch gewesen Zu sein. Denjenigen nur, welche, mehr nach Rechts gehend, unsere Anschauung verketzern wollen, müssen wir denn doch die Frage entgegenhalten, ob nicht unsere Anschauung auf tiefere und ernstere religiöse Motive zurückzuführen ist, als jene, welche durch Wegfall des gesetzlichen Gemeindezwangs das Judenthum aufs Tieffte und Ernsteste gefährdet und bedroht glauben? Wir haben uns wohl nicht gegen Jdeenassociation mit der auf Trennung speculirenden Hyperorthodoxie und gegen den Vorwurf zu verwahren, als würden wir von den selbstsüchtigen Motiven dieser geleitet, als wollten wir die Einheit der jüdischen Gemeinde untergraben und auflösen, während unser ganzes Leben und Streben dafür zeugt, daß wir stets nach Mittelpunkten suchten, die die innere Einheit des Judenthums auch äußerlich bethätigen sollten. Unsere früheren Aeußerungen beruhten auf dem gewiß nichts weniger als irreligiösen Grundgedanken von der Unverwüstlichkeit und Unauflöslichkeit des Judenthums; auf der Ueberzeugung von der Vergeblichkeit der Bestrebungen, das Judenthum dauernd zu schädigen; die Hoffnung auf den ״Hüter Israels, der nicht schläft und nicht schlummert", gibt das felsenfeste Vertrauen, daß eine, wenn auch an sich bedeutungsvolle Uebergangsperiode die Zukunft Israels nicht zu stören im Stande ist. So lange das Judenthum noch eine erhabene Mission zu erfüllen hat, — und das ist doch sicher in unserer Zeit noch und für lange unbestreitbar der Fall und eine heilige Ueberzeugung eines jeden denkenden Menschen —, wird die Vorsehung auch das Gefäß erhalten, das diesen Inhalt birgt! Wir glauben eben so sehr an die ungeschwächte innere Kraft des Judenthums wie an die Ohnmacht der Indifferenten und Orthodoxen, wenn es zum Aeußersten kommen sollte. Wir unterschätzen durchaus nicht ihr — der Indifferenten und Orthodoxen — Uebergewicht in diesen: Augenblicke; ihren hemmenden Einfluß, den lähmenden Druck, den sie auf die gesunde Entwickelung des Judenthums und auf alle jüdische Institutionen — auf Wissenschaft, Cultus, Unterricht und Bildung der Masse, selbst auf die Aufgabe wahrer Wohlthätigkeit — äußern. Aber gerade um deswillen glaubten wir, daß ein recht drastischer Beweis von dem Irrwege, auf dem sich das heutige Judenthum gleichsam im Cirkel dreht, heilsam für die Gesammtentwickelung sein könnte und zu frischer, reger, innerer, selbstständiger Thätigkeit den Sporn bieten würde. Sollten wir uns darm wirklich täuschen? Wir bemerken nur noch, daß die Fragen über den Austritt aus der jüdischen Gemeinde denn doch unter keiner Bedingung auch nach den neuen Gesetzen so einfach liegen, als es den Anschein haben könnte. Greifen wir ein Beispiel heraus. Durch das neue hessische Schulgesetz, das wohl bald in anderen Staaten Nachahmung finden dürfte, ist der Reli-

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