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Jüdische Volkszeitung · 1873-08-20 · 34 (20.8.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
34 (20.8.1873)
Date
1873-08-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volkszeitnng. tii t~ t*cn tt tl c W nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich n1^ Ngr. ^rrrmnbr und Irhule^ I^nugogr und Hrdrn. zaf««». sind an die Verlagshandlung von ' Joh. Friede. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. Hlmflsnslrm in Ingelheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 34. Leipzig, den 20. August. 1873. Iakakt: Denkt Ihr an Mortara und seine bekannten und unbekannten Schicksalsgenossen? — Staat und Kirche. — Aus dem Monatsbericht der Allianz. — Correspondenzen: Ober-Ingelheim, Aus Westfalen. Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung). — Zur gefälligen Beachtung. — Briefkasten der Redaction. — Anzeigen. Denkt 3kr an Mortara unä seine bekannten unä unbekannten 8ckicksak8genossen? Ingelheim, 12. August 1873. Wenn es wahr ist, daß die neuen Kirchengesetze in manchen Beziehungen die jüdischen Religionsgemeinden schädigen, ja in einzelnen Fällen deren Bestand gefährden, so darf doch auch nicht verkannt werden, daß die damit vielfach zusammenhängenden neuen Schul- und Unterrichtsgesetze fördernd einwirken und in ihren Folgen von unberechenbarem wohlthätigen Einfluß auf die Gesammtentwickelung unseres (des deutschen) Volkes und voll Segert für die jüdische Gemeinde werden müssen. Das ist insbesondere mit dem von dergroßh. hessischen Staatsregierung vorgelegten Schulgesetze der Fall, das, wie wir schon mehrmals ausgesprochen haben, auf breitester liberaler Grundlage ruht und nunmehr durch unsere zweite Kammer . gegen zwei (ultramontane) Stimmen angenommen worden ist. Eine fast schmerzliche Veranlassung, eine niederschlagende Erfahrung nöthigt uns heute, auf diesen Gegenstand nochmals zurückzukommen. Es war wohl zu erwarten, daß das in unserem Lande früher große und mächtige, jetzt wegen seiner Ohnmächtigkeit erbitterte schwarze, ultramontane Lager kein Mittel unverschont lassen würde, gegen die Annahme dieses Gesetzes zu wirken. Die draußen stehen, können sich von diesen Agitationen, von dieser Erbitterung, kaum einen Begriff machen, denn dieses Gesetz geht den Finsterlingen tüchtiger zu Leibe, als alle Kirchengesetze. Das ist natürlich und, weil wir es voraus sehen kannten, nicht überraschend, ja sogar von dem Standpunkte dieser Männer in seiner Weise zu entschuldigen. Es handelt sich ja um die Macht der Kirche, resp. der Geistlichen über die Schule und den Lehrer; es handelt sich um die exclusive Stellung der katholischen Schule — jüdische Confessionsschulen gibt es in unserem Lande kaum ein Dutzend —, es handelt sich ganz insbesondere um — die geliebten Schulordensbrüder und Schulschwestern, englischen Fräulein u. dgl. — Ausgeburten der ultramontanen Verstnsterungsanstatt. Wir wiederholen: wir können uns über die Agitation im katholischen Lager nicht wundern, wir bedauern sie kaum, denn sie können höchstens nur für eine kurze Zeit das Gute Hinterhalten; für die Dauer hilft ihre Agitation nicht. — Was werden aber unsere jüdischen Leser dazu sagen, wenn wir ihnen heute mittheilen, was das osficielle Organ der Ultramontanen, des Bischofs Keitler von Mainz, was das Mainzer Journal uns mittheilt, was wir aber früher schon privatim in Erfahrung gebracht hatten: daß viele Jsraeliten aus Mainz die Petition der Ultramontanen gegen das Schulgesetz unterzeichnet haben? Israeliten? Ja, Jehudim pur 6xo6II6n66, Mitglieder der orthodoxen Religionsgesellschast von dort. Wir vermögen den Abscheu vor einer solchen verrätherischen Handlungsweise nicht zu unterdrücken. Nie ist etwas derart unter Juden geschehen. Wir stellen dieses Thun voll-

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