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Jüdische Volkszeitung · 1873-08-13 · 33 (13.8.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
33 (13.8.1873)
Date
1873-08-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Woch enschrift Jüdische Bolkszcituug. tii t* reit«tlc Lesteünngen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17*/2 Ngr. irr ^mrwdr und Irhuks^ I^nugogr und Krbrn. Ankrat. sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartlnoch m Leipzig ^)erau!sgkflebcn Ül)N lll Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 33. Leipzig, den 13. August. 1873. 3 a kl ll k t: Der jüdische Opfercultus (Schluß). — Correspondenzen: Alzey, Mainz, St. Lengsfeld, Aus Mitteldeutschland. — Rundschau. — Literarisches. — Anzeigen. Der jüdifrfie Opfercuktu8. (Schluß.) Seine principiellen Ansichten über das Ideal der Gottes- Verehrung gibt Moses in Aegypten schon zu erkennen. Er will nicht äußerlichen Cultus, sondem innere Gottesverehrung. Das Haus soll der Tempel, dessen Bewohner die Priester, und ein frommes Gebet wie gerechtes und liebevolles Leben der Gottesdienst sein. Darum ordnete Moses an, mit dem Blute des ägyptischen Passa-Lammes die Schwelle des Wohnhauses zu besprengen, wie sonst das Opferblut an den Altar des Gotteshauses gesprengt wurde, und bestimmte die Erstgebornen des Hauses zu Priestern, indem er erklärte: בכל המקום (Exod. 20, 24) und ואתם תהיו לי ממלכת כהנים (ibid. 19, 6), ganz der rabbinischen Anschauung nach der Zerstörung des zweiten Tempels entsprechend: שלחן וה מובהי, mit welcher man wieder zu dem ursprünglichen mosaischen Ideal zurückkehrte. Erst nach dem Vorgänge mit dem goldenen Kalbe, womit der Rückfall in dm ägyptischen Götzendienst und die Versunkenheit in die heidnischen Anschauungen offenbar wurde, verstand sich Moses zur Errichtung eines öffentlichen Tempels mit Opfer und Priestercultus nnd zur einstweiligen Sistirung seiner Ideen vom demokratischen Priesterthum und häuslichen Gottesdienste. Die Levitm traten an die Stelle des Erstgeborenen, die bewährten Diener des wahren Gottes, deren Pflichten außerdem genau vorgezeichnet wurden, woraus das umständliche Opfer- und Priesterritual erklärlich wird, obwohl der Opfercultus nur eine temporäre Bedmtung haben sollte. Moses wollte damit den Cultus beherrschen, um vorläufig die heidnischen Elemente des Opfercultus fern zu halten und allmälig das Volk demselben zu entwöhnen. Moses' Opfercultus unterscheidet sich daher nicht blos formell, sondern auch wesentlich von dem Heidnischen Opfern. Während diese eine reale Bedeutung haben, wirkliche Gaben aus Menschenhand in die Hand der Götter sein sollten, haben die mosaischen Opfer nur eine symbolische Bedeutung und sind der ceremonielle Ausdruck, mit welchem sichtlich wahrnehmbar für das Auge der religiöse Gedanke in die Erscheinung treten sollte, wie er im Gebete durch das Wort vernehmbar für das Ohr gemacht wird. So wird z. B. das Blut des Opfers nicht hingegeben, um Gott als Speise zu dienen; auch als Schuldopser tritt nicht etwa das Thier stellvertretend zur Sühne für den Sünder ein, weil der Zorn des rachsüchtigen Gottes nur als beschwichtigt gedacht werden könnte, wenn er des Bluts ansichtig wird, ganz so wie bei dem rohen Gemüthe eines leidenschaftlich erregten Menschen: sondern das Blut ist nur ein symbolisches Zeichen für die Hingebung an Gott, symbolischer Ausdruck für den Gedanken, Gott mit Blut und Leben angehören zu müssen und zu wollen. Symbolisch ist auch im ganzen Judenthum, von Propheten und Rabbinen, der Opfercultus gedeutet worden. Der Ausdruck קרבן für Opfer bedeutet daher nicht eine ״Darbringung" für Gott, sondem an Gott, ist nicht Geschenk für diesen, sondern Annäherungsmittel an ihn, da die Sünde den Menschen von Gott trennt (Jes. 59, 2). Um so deutlicher tritt die Verkehrtheit in der realen Deutung der Akeda hervor, die zudem noch aufhören würde, ein Thieropfer zu sein, sondem ein gefordertes und beabsichtigtes Menschenopfer wäre. In Babel mit der Entbehrung des Tempels und der

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