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Jüdische Volkszeitung · 1873-08-06 · 32 (6.8.1873) · p. Seite 254

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
32 (6.8.1873)
Date
1873-08-06
Page
Seite 254 (sequence 6)
Language
German
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254? ז halte zulassen wollte, lediglich weil er Jude gewesen, erklärte die damalige französische Regierung, daß kein Angehöriger Basel-Lands nach Frankreich dürfe, und die Vexation hatte mit einem Male ein Ende. Wir wollen nun sehen, was die deutsche Regierung thun wird, da wir im Voraus wissen, was z. B. die englische Regierung gethan haben würde, eingedenk des Ausspruches, den einst Palmerston bei ähnlichem Anlasse gethan und den stolzen Ausspruch von dem civis romanus des Alterthums auf die Neuzeit übertragen hatte. 118. (Der Schah.) In Berlin hatten die Herren Neumann und Lewinstein, in London die Herren M. und I Montefiore und dann eine Deputation des englischen Zweig- Vereins der Allianz (die beiden Parlamentsmitglieder Goldsmit und Advocat Simon, Baron Worms, Mocatta und Sasson), in Paris Baron Gustav v. Rothschild und dann Cremieux an der Spitze einer Deputation der Allianz, von den Herren Oberrabbinern begleitet, die Ehre, vom Schah empfangen zu werden, und durften ihm Bitten zur Verbesserung der Lage unserer schwer gedrückten persischen Glaubensgenossen vortragen — Hr. Crsmieux, natürlich, in einer rührenden und wortreichen Anrede. ״Er habe sie immer in seinen Schutz genommen, erwiederte im Wesentlichen der Selbstbeherrscher, und werde dies auch in Zukunft thun." — Wir können, leider! nicht die Hoffnungen theilen, die mehrere unserer Collegen auf solche bannale Worte setzen, die im Munde eines orientalischen Machthabers gewiß noch weniger Bedeutung haben, als derlei Reden von allerhöchster Seite zu haben pflegen. Vielleicht hat der vom Schah mit Julius Reuter (welcher der Geburt nach Jsraelite ist), geschlossene Vertrag hinsichtlich der Entwickelung der Industrie einigen Erfolg für die Besserstellung der persischen Juden. Bildung und Arbeit — werden in Persien wie im ganzen Orient die Pfeiler sein müssen, auf denen die bürgerliche und geistige Emancipation unserer Glaubensgenossen sich stützen läßt und darauf müssen die Bestrebungen der Vereine nunmehr in erster Linie gerichtet sein. 120. (Das Algier'sche Edict), von Cremieux erlassen, das die Juden emancipirt, ist, wie man allgemein fürchtet, in Gefahr, von der Versailler National-Versammlung zurückgenommen zu werden. — Es wäre eine That, dieser Majorität von Baueraristokratie und pfäffischer Legitimität vollkommen würdig. 121. (In der Wiener Ausstellung) befindet sich eine maroccanische Villa von Schmied! aus Marocco, ein Modell des Stiftszeltes vom Lehrer Groß aus Kis-Kun-Halas in Ungarn und ein geschnitzter Aron-Hakodesch im maurischen Style von Emanuel Mahler, welches wahre Kunstwerke sein sollen. Mterariscües. Ingelheim, den 15. Juli 1873. Die Schrift des Lebens. Inbegriff des gesammtenJudenthums in Lehre, Gottesverehrung und Sittengesetz (Dogma, Cultus und Ethik). Schriftgemäß, volksthümlich und zur Kenntnißnahme für Israeliten und Nichtisraeliten dargestellt in 3 Theilen von Rabbiner vr. Leopold Stein. I. Theil. Die Lehre von Gott und vom Menschen. Mit besonderer Rücksicht auf die Unterscheidungslehren des Judenthums und Christenthums. (Mannheim, Verlag von I. Schneider 1872.) Schon seit einer Reihe von Wochen liegt dieser abgeschlossene erste Theil dieses Werkes vor uns, dessen erste Hefte unter Freunden und Gegnern des freien Wortes so gerechtes Aufsehen erregten, ja so manchen Staub aufwirbelten, der geeignet gewesen wäre, den freien Blick zu trüben. An dem ruhigen und selbstbewußten Verfasser gingen diese Stürme unbeachtet vorüber; getragen von mannhaften Ueberzeugungen, wie sie leider immer seltener werden und noch seltener fich aussprechen im Judenthume, bei stetigem Aufsteigen dennoch auf einer geistigen Lebenshöhe stehend, wo man ״frei ins tiefe Land herniederschaut", hat Stein in diesem Buche nicht allein die Schrift seines eigenen Lebens geschrieben, sondern auch eine Lebensschrift für alle denkenden und warmfühlenden Juden der Gegenwart. Wir haben lange mit der Besprechung gezögert. Wir hätten gerne das einerseits so leichte und wahrhaft erquickliche, andererseits gerade für uns aber auch schwere Geschäft einer anderen Feder übertragen. Warum wohl? Wer, wie wir, das Glück hat, in nähere Beziehungen zu Stein getreten zu sein, wer den allezeit warmen und erfrischenden Geistesödem gefühlt, der von diesem Manne mit der gottbegnadeten Dichterseele ausgeht, kann unmöglich eines seiner Werke und insbesondere dieses lesen, ohne immer und immer wieder den Schmerz in sich erneuert zu fühlen, daß gerade Stein es sein mußte, der das Opfer einer erniedrigenden Strömung unserer Zeit, des Eigennutzes, der Genußsucht und Charakterlosigkeit wurde; daß Stein von dem Rabbinatssitze in Frankfurt heruntergestiegen und damit wohl eine der vorzüglichsten Kräfte der Judenheit unserer Zeit dem großen Wirkungskreise entzogen wurde, den Er in so würdiger Weise ausfüllte. Aber wir wissen auch, und beim Lesen dieser Schrift fühlen wir! es, daß eben nur Stein es sein konnte und sein mußte, daß nur ein Mann wie Stein, mit seinem Charakter ״jeder Zoll ein Mann", den Epigonen und Kleinen, nach allen Seiten hin Rechnung tragenden Männchen unserer Zeit — die im großen Faltenwurf der Wissenschaft kleine Seelen bergen, — zeigen mußte, wie jede Ueberzeugung Opfer fordert.

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