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Jüdische Volkszeitung · 1873-08-06 · 32 (6.8.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
32 (6.8.1873)
Date
1873-08-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volkszeitung. Wochenschrift rctmdc Lestelkungrn 'nehmen alle Pvstanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17% Ngr. in Eemrindr und Sehnig S^nuzozr und Ardrn. Inserat« sind an die Verlagshandlung von ' Joh. Friede. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. HUngMslsm in Ingelheim, Preis der sgesp.^geile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". N0. 32. Leipzig, den 6. August. 1873. 3 n ü a 11: Der jüdische Opfercultus. — Korrespondenzen: Ingelheim, Bielefeld, Pest, Mainz, Vom Rhein. — Rundschau. — Literarisches. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung). — Anzeigen. Der jüäisede OpfereuÜus. Der Gegensatz des Judenthums zum Heidenthum offenbart sich wie auf dogmatischem, so auch auf cultuellem Gebiete. Die heidnischen Götter waren menschlich gedacht und wurden darum auch in menschlicher Weise verehrt. Wie man die Gunst eines mächtigen Herrn auf Erden durch Geschenke zu gewinnen, seinen Zorn zu besänftigen sucht, so auch den Göttern, den Mächtigen des Himmels gegenüber. Auf diese Weise entstand der Opfercultus, der vom heidnischen Standpunkte demnach reale Bedeutung hatte. Die Opfer sollten wirkliche Geschenke sein, welche man den Göttern in menschlicher Weise bot, weil man sie sich auch mit menschlichen Eigenschaften, Leidenschaften und Bedürfnissen dachte. Anders das Judenthum schon von Abraham her. Da ward Gott nicht menschlich, sondern göttlich gedacht und verehrt. Die Erzväter bringen Gott darum auch keine Opfer mehr. Die einzige Erwähnung eines blutigen Opfers bei den Vätern findet sich bei Jakob (Genes. 46), scheint aber nur die Staffage zu bilden für die von späterer Hand eingeschobene Erzählung von Jakobs Namensveränderung, die unter anderen Umständen bereits an einer früheren Stelle mitgetheilt worden ist. Die Interpolation unterbricht die Erzählung von Jakob's Reise, welche nach ויבא בש in V. 1 rechtmäßig in V. 5 fortfährt ויקם עובש. Die Erzählung von ברית בין הבתרים (Genes. 15) ist kein Opfer, sondern ein Bundesceremoniel; vom Bau einer Opferstätte zu Ehren Gottes (מובח) ist nur scheinbar die Rede. Solche Altäre find nur Opferstätten der Etymologie nach (von ״ ובתschlachten, opfern", weil die ursprünglichen Altäre ״Schlacht- und Opferstätten" waren); sie dienen aber den Vätern nirgends für blutige Opfer, sondern überall nur dem Gebete, der An- und Ausrufung des göttlichen Namens (קרא בשם). Wir nennen ja auch heute noch unsere Betstätten ״Altäre", auch wenn sie nicht ״Erhöhungen" (altus, ב2ה) nach Art der ursprünglichen Götzenaltäre und heidnischen Opferstätten sind. Der Talmud berichtet darum nicht ohne Grund, daß der Gebetcultus von den Erzvätern eingeführt worden sei. Wie'könnte darum bei der ״Akedah", diese neuerdings wieder ventilirte Frage, an ein reales Menschenopfer gedacht werden? Die umständliche Erzählung des Vorgangs in der Bibel ist doch wohl, wie man eingewandt hat, kein Beweis dafür, daß er ein wirkliches Factum sei. Wie ausführlich und umständlich beschreiben und erzählen doch unsere Romane, und dennoch ist der Inhalt ein fingirter. Die allegorische Deutung der Schrift ist, wie man meint, rein subjectiver Natur und alexandrinische Erfindung. Wer in den Geist und die Art orientalischen Schriftthums überhaupt, und des biblischen insbesondere, eingedrungen ist, wird die Hinneigung zu allegorischer Denk- und Sprechweise anerkennen. Die ftühe und ausgebreitete Midrasch-Literatur auch außerhalb der alexandrinischen Schule gibt davon Zeugniß und sagt: was weder Geschichte noch Halacha ist, gilt als Agada. Hiernach kann die Bedeutung der Akedah keinen Augenblick zweifelhaft sein. Daß Gott in Wirklichkeit solche Menschenopfer fordere, entgegnet man zwar, beweise ja tausendfältig die Geschichte des Judenthums. Aber man vergißt, daß in der Geschichte solche Opfer einen realen Zweck hatten und nicht etwa eine Laune

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