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Jüdische Volkszeitung · 1873-07-30 · 31 (30.7.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
31 (30.7.1873)
Date
1873-07-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Vollszcitimg. Wochenschrift Lrrs reu jt tic־ L«stellung«n ttefmten alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 171k Ngr. m?Lmrwdr und Rchui^ Knnuuogr und Herausgegeben von I. HtmgMsImn in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserat« sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Harttnoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. No. 31. Leipzig, den 30. Juli. 1873. 3 n h a 11: Die Schnorrer und ihre ״frommen" Beschützer. — Correspondenzen: Aus dem Großherzogthum Hessen, Alzey, Aus Kurhessen.— Rundschau. — Literarische Notizen. —■ Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung)..— Anzeigen. Die Schnorrer »ml ihre ״frommen" Keschüher. Süddeutschland, im Juli 1873. III. Die Cardinalfrage, die uns bei gegenwärtigen Erörterungen beschäftigt, ist die: Wie werden wir die Schnorrer los? jene priviligirten Müssiggänger und Strolche, die alle Gemeinden in regelmäßiger Wiederkehr heimsuchen, uns bis aufs Blut aussaugen, uns auf Schritt und Tritt belästigen und Juden und Judenthum zur Hellen Schande gereichen? Wie werden wir sie los? Schwachköpfige Gemeindevorstände und Individuen ant- Worten: Wir können sie nicht los werden; wir müssen sie als ein nicht zu beseitigendes Uebel hinnehmen, und warten, bis etwa die Zeit andere Zustände und andere Menschen schafft! (Als ob die Zeit schaffte, wenn wir nicht schaffen! Als ob irgend welche Veränderungen und Verbesserungen nicht durch menschliches Streben und Leisten hervorgerufen und zu einem glücklichen Ende geführt werden! Da könnten wir lange warten, bis die Herren Schnorrer sich eines Besseren besinnen und ihr so bequemes arbeitsloses Leben mit einer ehrlichen thätigen Lebensweise vertauschen!) Neuorthodoxe Frömmler antworten mit dem falsch verstandenen talmudischen Wort: נחזיק טובה לרמאים, wir müssm den Betrügern unter den Armen noch zu Dank verpflichtet sein, denn wenn sie nicht wären, so wäre die Pflicht der Wohlthätigkeit eine unbegränzte. (Der Talmud hat offenbar!nur einzelne Fälle vor Augen; denn selbst der Scharffinnigste und Vorsichtigste ״fällt manchmal rein". Keineswegs meint er, daß wir das Schnorrergewerbe ungestört und ungestraft in unserer Mitte ausüben lassen, ja durch freundliches Entgegenkommen noch protegiren dürfen! Dem Talmud galt ja die ehrliche Arbeit, die rechtschaffene Erwerbsthätigkeit für so heilig, daß er denjenigen, welcher sich und die Seinigen ehrlich ernährt, höher stellt als den Gottesfürchtigen, גדול הנהנה מיגיע כפו יוחר מירא חטא j ja, daß er sogar gebietet, den Ruhetag zum Werkeltag zu machen, um der menschlichen Unterstützung nicht zu bedürfen עשה שבתך חול ואל תצתרך לבריוח; daß er demjenigen die schwersten himmlischen Strafen in Aussicht stellt, welcher Almosenspenden annimmt, ohne derselben dringend benöthigt zu sein! Von einer organisirten Schnorrerzunft hatte der Talmud offenbar nicht die geringste Ahnung. Sie ist entstanden, als die Gemeinzustände unter unfähigen Vorständen verlotterten, als mehr das Geld, denn die Einsicht und die . Thatkraft das Gemeindescepter in Händen hatten!) Wie werden wir also die Schnorrer los? Nun durch das Gegentheit dessen, was sie uns auf den Hals geladen: durch Beseitigung der Haus- und Straßenbettelei, wie es auch die Vorschläge des Gemeindebundes scharf betonen. Die Grundlage des Schnorrergeschästs ist die Haus- und Straßenbettelei. Der Schnorrer kann nur dann auf die Spesen kommen und ein lucratives Geschäft machen, so lange er mit bemittelten Privatleuten in Geschäftsverbindung treten und bleiben kann. Und wenn auch die Gabe in jedem Hause und von jedem Privatmanne noch so gering, — aus Tropfen werden Meere. — Mit Behörden, mit einer amtlichen Person geschäftlich zu verkehren, dazu ist er Nicht eingerichtet und disponirt.

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