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Jüdische Volkszeitung · 1873-07-23 · 30 (23.7.1873) · p. Seite 239

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
30 (23.7.1873)
Date
1873-07-23
Page
Seite 239 (sequence 7)
Language
German
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239 als er die Lobrede eines Israeliten hielt, der ein ״Sepher" gestiftet, und neulich von Z. Kahn, Pariser Rabbiner, als er sich vor der Commune flüchtete. — Ich glaube, daß unsere deutschen Rabbiner ihre Pflichten stricter erfüllen — oder erfüllen müssen. Feuikketon. David Einhand. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Zweites Eapitek. ״Wollt Ihr zahlen zwanzig Gulden Münz?" ftagte Reb Perez. ״Wie heißt, ob ich will", rief Zipperl fteudig, ״gleich aus der Stell geh ich heim und bring die zwanzig Gulden Münz her." Der Vorsteher aber sagte: ״Zipperl wart noch ein bissel Ich habe auch noch ein Wort zu reden." ״Was willst Du haben?" — ftagte Zipperl. ״Was ich haben will", sagte der Vorsteher, ״kennst Du Moschele Keles?" . ״Warum werd ich Moschele Keles nicht kennen? Bin ich denn keine Hiesige?" ״Du weißt, wie man ihn allgemein heißen thut?" ״Wie soll man ihn heißen? Moschele Krupp!" ״Nun muß ich Dir sagen, daß Kele für ihr Moschele zwanzig Gulden einzahlt. Verstehst Du mich? Dein Mandel aber ist ein Jung mit graden Gliedern." ״Gott sei Dank; ja!" ״Nun alsdenn! Was meinst Du, wenn wir sie alle Beide auf Brünn hineinführen und stellen sie ab bei der Commission, was meinst Du, welcher von beiden ist es, den sie drinnen behalten werden?" ״Was willst Du haben? Ich will meine zwanzig Gulden Münz ja zahlen! Red ich denn ein Wort?" ״Zwanzig Gulden sind aber für Dein Mandel nicht genug", sagte der Vorsteher, ״wenn Kele für ihr Moschele zwanzig Gulden zahlt, solltest Du für Dein Mandel wenigstens zehnmal zwanzig Gulden zahlen!" ״Zehnmal zwanzig Gulden! weh geschrieen! Das mag etwas sein ein Million!" rief Zipperl. ״Es ist für dieweil nur zweihundert", sagte der Vorsteher, ״indessen verlangen wir von Dir keine zwei Hundert. Man weiß, daß Du das nicht leisten kannst. Aber hör zu Zipperl, ein Bissel weh thun wirst Du Dir müssen. Unter einem Hunderter wirst Du nicht los kommen!" ״Ein Hunderter!" rief Zipperl, ״all mein Kleingeld!" ״Was thust Du sie so drängen?" ftagte Reb Perez, ״sie ist doch Dein leiblich Geschwisterkind?" ״Mein lieber Reb Perez", sagte der Vorsteher, ״es geht nicht anders. Wenn man für Moschele Krupp zwanzig Gulden zahlt, kann man einen Jungen, wie Mandel, der keinen Fehler hat, nicht unter Hundert loslassen. Man muß wissen einen Unterschied zu machen. Und ob sie mein Geschwisterkind ist oder nicht, das kommt hier nicht zur Sache. Und wenn sie hundertmal mein Geschwisterkind wäre, man muß thun, was recht ist." Zipperl ging mit betrübter Miene von dannen, und die Reihe kam nun an Kalme Bräundels. Bräundel hatte sich bereits eingefunden. Die hundert Gulden, welche ihrer Vorgängerin auserlegt wurden, waren für sie keine sehr ermunternde Vorbedeutung, denn Zipperl war unbemittelt, sie aber war reich, und wenn man von jener hundert Gulden verlangte, so mußte sie sich wohl auf mehr, weit mehr gefaßt machen. ״Alsdenn, Bräundel", begann der Vorsteher, ״Du wirst doch nicht haben wollen, daß man Dir Dein Kalme abstellen soll?" ״Gott soll hüten", rief Bräundel. ״Alsdenn mach die Brieftasch auf und leg nieder, was Du meinst!" Bräundel hob das Oberkleid in die Höhe und nahm aus einer Tasche des Unterrockes die dichtgefüllte Brieftasche heraus. Sie öffnete sie, indem sie eine lange Schnur, die um dieselbe gebunden war, abwickelte, nahm dann einen Hunderter heraus und legte ihn auf den Tisch. ״Nun?" sagte der Vorsteher sie scharf anblickend, ״einen Hunderter nehmen wir von Zipperl, warum? sie ist eine arme Wittwe; Du aber bist reich. Mit einem Hunderter geht es bei Dir nicht." Bräundel schien auf eine solche Ansprache gefaßt zu sein, denn sie hatte die Brieftasche noch nicht wieder geschlossen; sie nahm deshalb noch einen Hunderter heraus und legte ihn zu dem ersten. ״Bräundel!" sagte der Vorsteher, ״thu das Geld nicht so tropfenweis aufzählen, leg es lieber gleich auf einmal nieder." ״Warum?" fragte Bräundel jetzt, ״zwei Hunderter sind auch nicht genug?" ״Nein", sagte der Vorsteher, ״weißt Du, wer zwechundert Gulden gegeben hat? Reb Henoch Rosenberger hat zweihundert Gulden gegeben für sein Ignaz; und sein Ignaz, mußt Du wissen, ist ein Student und ist zeitlich befreit; er hätte eigentlich gar nichts zu geben gebraucht. Von Dir aber müssen wir mehr verlangen." (Fortsetzung folgt.)

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