Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 29 (16.7.1873)
- Date
- 1873-07-16
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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deren Gemeinden, in denen gleiche oder ähnliche Einrichtungen mit gleich umsichtiger Controle und Handhabung bestehen, bestätigt. Aus unserer ganzen Nachbarschaft macht sich bereits eine bedeutende Abnahme der Frequenz seitens der Wanderbettler bemerkbar. Werden die vorgeschlagenen Einrichtungen in den deutschen Gemeinden erst allgemein, sehen die Schnorrer, daß man ihren falschen Vorspiegelungen, ihren Krankheitssimulirungen u. s. w. nicht mehr glaubt oder traut, nicht mehr gewillt ist, ihrem Hang zum Müßiggang und zur Bettelei blindlings entgegenzukommen, so wird ihr Besuch nach und nach auf ein Minimum reducirt. Freilich haben die gemachten Vorschläge zur Voraussetzung, daß in jeder Gemeinde wenigstens eine Persönlichkeit sich finden werde, die fähig und gewillt ist, durch Uebernahme dieses entschieden sehr wichtigen Verwaltungszweiges, der Abfertigung der fremden Unterstützungsbegehrenden, dem Wohls der Gemeinde, dem allgemeinen Wohle täglich etwa eine halbe Stunde zu opfern. Ist dies nicht der Fall, so dürste auch ein zuverlässiger Subalternbeamter der Gemeinde damit zu betrauen sein. Hier in Leipzig haben es zwei hochachtbare Gemeindemitglieder, die sich vom Geschäft zurückgezogen, übernommen; die Abfertigung findet täglich von 10—11 Uhr Vormittags in einem der Bureaux der Gemeindecanzlei statt; regelmäßig ist (alternirend) die eine oder andere Dame aus den besten Gesellschaftsclassen als Delegirte des Frauenvereins anwesend; dorthin werden alle Fremden, die den Versuch zur Hausbettelei machen, verwiesen. Die Einrichtung wird nun nach etwa siebenmonatlichem Bestehen allseitig für so zweckmäßig und wohlthätig anerkannt, daß einige Gemeindemitglieder, die früher (wie dies nur zu häufig der Fall) dem Neuen mit unliebsamer Kritik begegnet sind, es als unausführbar, schädlich, der Gemeinde größere Lasten zuführend re. verschrieen haben, sich freiwillig zum Beitritt zu unserem Unterstützungsverein meldeten, ja einige sogar aus eigenem Antriebe zu größeren Beiträgen sich erboten. Gleiches wird uns aus Dresden rc. mitgetheilt. An eine anderweitige Organisation der Armenpflege können wir z. B. nicht denken; erst wenn wir nach von Zeit zu Zeit wiederholten Anfragen bei den Gemeinden uns überzeugt haben, daß die von uns vorgeschlagenen Grundlagen bereits vorhanden, werden wir in der Lage sein, auf denselben weiter zu bauen. Wir können überhaupt nur Vorschläge machen, ein gemeinsames Verfahren anempfehlen; auf die selbstständige thätige Mitwirkung jeder einzelnen Gemeinde in jedem einzelnen Falle können wir doch unmöglich Verzicht leisten. Goldene Früchte in silbernen Schalen zu präsentiren, liegt außerhalb unserer Machtsphäre. — Sie gedachten auch der durch die neuen preußischen Kirchengesetze für die Synagogengemeinden geschaffenen Lage. Wir können Ihnen die Versicherung geben, daß wir uns (in Gemäßheit des § 1, Punkt 6*) der Statuten des Gemeindebundes) mit dieser hochwichtigen Angelegenheit eingehend beschäftigt haben und gegenwärtig noch beschäftigen, und hoffen mit den Ergebnissen binnen Kurzem an die Oeffentlichkeit treten zu können. Wir konnten die Sache nicht einmal als eine rein interne preußische ansehen, die uns nichts angehe. Denn erstens haben wir auch die diesbezüglichen Interessen der preußischen Gemeinden wahrzunehmen, und zweitens steht es bei dem heutigen Machteinfluß der preußischen Staatsgesetzgebung außer Frage, daß das Beispiel Preußens auch auf diesem Gebiete in den anderen deutschen Staaten früher oder später Nachfolge finden werde. Auch der Lösung der noch übrigen Aufgabe (§ 1, Punkt 4**) haben wir uns bereits zugewandt. Es handelt sich hier für uns nicht etwa nur um rein theoretische Fragen und Gesichtspunkte, um geeignete Statuten und anderweitige Vorschläge, sondern um Beschaffung bedeutender Geldmittel, um den durch Abzug ihrer begüterten Mitglieder immer leistungsunfähiger werdenden Mittel- und Kleingemeinden in der Erfüllung ihrer dringenden Cultur- und Humanitären Zwecke erfolgreich beistehen zu können. Die Materialsammlungen, Erwägungen und Berathungen in dieser Angelegenheit sind noch in vollstem Gange, weshalb wir z. Z. eine weitere Aeußerung uns versagen müssen. Sie sehen also, daß wir für jede Aufgabe des Gemeindebundes den Anfang zur Lösung, den Grund gelegt haben. Wir wissen nur zu gut, wie das bisher von uns Geleistete weit hinter unseren Idealen zurückftehe, wie wenig noch geschehen im Vergleich zu dem, was zu geschehen hat. Wir haben indeß auch das Bewußtsein, das gethan zu haben, was in den Grenzen der Möglichkeit lag, nach den gegebenen Verhältnissen ausführbar war. Wir haben auch die Genugthuung, daß immer neue Beitrittsanmeldungen einlausen und zustimmende Kundgebungen, namentlich anläßlich unseres letzten Circulars vom 3. April, die Armenpflege betreffend, uns zugehen. — —" Corresponäenz. Fürfekä in Rheinhessen, im Juli. Die geschätzten Leser dieses Blattes mache ich auf einen jungen Schwindler, der gegenwärtig auf seinen Schnorrertouren unsere Umgegend unsicher macht, aufmerksam. Vor einigen Tagen kommt ein *) -Fürsorge für gesicherten Fortbestand des einheitlichen Rechtsverbands der Einzelgemeinden." ״x) ״Anbahnung eines einheitlichen oder doch gleichmäßigen Systems der Pensionirung von Gemeindebeamten."