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Jüdische Volkszeitung · 1873-07-09 · 28 (9.7.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
28 (9.7.1873)
Date
1873-07-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische B-Nzeitung. Wochenschrift reuntlt: Kestelkungcn nehnlen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!?1In Ngr. m ^rmrrndr und Irhrrlr, I^nugogr und Hrdrn. Anfera.- find an die Verlagshandlung von gr;e^r_ Harttnoch in Leipzig Herausgegeben von I. H,1mgINs1mn in Ingelheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Isr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 28. Leipzig, den 9. Juli. 1873. 3 n kr a k t: Die corporative Verfassung der preußischen Synagogengemeinden nach dem Judengesetz vom 23. Juli 1847 und die Gewissensfreiheit (Schluß). — Monatsbericht der ״israelitischen Allianz". — Correspondenzen: Aus einer süddeutschen Stadt, Oppeln. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung).— Briefkästen. — Anzeigen. Die corporative Verfassung der preußischen Agnagogengemeinden nackt äem Inäengefetz vom 23. Juki 1847 und die ®cn)i|fcn8fccifteit. Audiatur et altera pars. (Schluß.) Breslau, im Juni 1873. Mit den Neuorthodoxen gehen die Radikalen innerhalb der jüdischen Gemeinden Hand in Hand. Eine staunenerregende Allianz, doch — die Extreme berühren sich. Beiden Parteien wohnt das leidenschaftliche Streben inne, mit der ganzen Vergangenheit und Gegenwart des Judenthums zu brechen, die Auflösung desselben gewaltsam herbeizuführen. Daß die religiösen Gefühle, die heiligsten Bedürfnisse und Institutionen des überwiegend größten Theils ihrer Glaubensgenossen grausam angetastet, bis zur Vernichtung geführt werden, kümmert sie nicht. Sie haben keine Regung für die allgemeinen Interessen; nur ihr eigenes begränztes Ich schwebt ihnen als heftigster Gegenstand auf Erden unausgesetzt vor Augen. Doch haben die Radicalen vor den Neuorthodoxen wenigstens den Vorzug der größeren Ehrlichkeit, der Consequenz voraus. Diese operiren unter falscher Firma; sie sprechen von Ge- Wissensfreiheit׳ und meinen Gewissensknechtung; sie declamiren von ihrem göttlichen Eifer für die väterliche Religion, wollen in Wahrheit aber das Reich der religiösen Dummheit, des mittelalterlichen Aberglaubens in seiner ganzen Herrlichkeit wieder auferstehen machen. Daß Mittel und Zweck ihres Strebens und Agitirens sich nicht entsprechen, ja, sich eigentlich gegenseitig unmöglich machen, können sie nicht begreifen. — Die Radicalen jedoch gehen ganz logisch zu Werke: Religion überhaupt ist ihnen Aberglaube; religiöse Institutionen und Beamte dienen nur demselben; Beiträge zu deren Unterhaltung zu leisten, ist schlimmer, als ins Wasser geworfen. Also fort mit der Gemeindeverfassung! — Glücklicherweise sind die Radicalen doch zu vereinzelt dastehende Personen, als daß wir von ihren Tendenzen und Agitationen eine ernsthafte Gefahr für den Fortbestand des Judenthums zu befürchten hätten. Der bei Weitem größte Theil der Juden will das Judenthum, will in ihren Gemeinden die Humanitäts- und Bildungsanstalten erhalten sehen, will ihre Kinder durch die Lehren des reinen Monotheismus und der strengen Sittlichkeit erzogen wissen, will nicht zugeben, daß der Faden zwischen dem Einst und Jetzt des unter Tausend Blutopfern ererbten Glaubens mit rücksichtsloser Leidenschaftlichkeit durchschnitten werde! Die Radicalen also flößen uns keine ernstlichen Besorgnisse ein. Auch wissen wir aus Erfahrung, daß es nur wenig Radicale auf Lebenszeit gibt. Der religiöse Radicalismus ist zumeist eine vorübergehende Krankheit. Wir kennen viele Einst-Radicale, die früher grundsätzlich — selbst am Versöhnungstage — das Gotteshaus gemieden rc., heute aber mit der innigsten Gluth dem Judenthume ergeben sind. Das Gemüth wird mit den Jahren weicher und milder, der Geist der sittlichen Macht der Religion zugänglicher; für - Weib und Kind ist der dürre, sandige Boden der Religion nicht die Stätte, wo den zarteren Regungen des Gemüthes, dem idealen Verlangen des Geistes Nahrung und Pflege zu Theil wird. Die Deserteure des Judenthums sind keine Deserteure bis an ihres Lebens

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