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Jüdische Volkszeitung · 1873-06-18 · 25 (18.6.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
25 (18.6.1873)
Date
1873-06-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wochenschrift Jüdische Kollszeitung. fit# rctut tlc Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich Ngr. ilt tttttt SdMfe, InnMML un!t DsIlM. 3nf-rate 6 sind an die Verlagshandlung von —־־ Joh. Friede. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von ^IsUgON^irlN in Jügesheim, Preis der 3 gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 25. Leipzig, den 18. Juni. 1873. 3 n h a f t : Die Synode, eine Nothwendigkeit. — Monatsbericht der Alliance universelle. — Correspondenzen: Dresden, Bernburg, Pest, Przemysl. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung.) — Anzeigen. Die Synode, eine Notkwendigkeit? Von Adv. Emil Lehmann in Dresden. I. Die Synode in Frage! Wer von uns Allen, die wir vor vier Jahren hoffnungsfroh uns zur Leipziger Synode rüsteten, hätte erwartet, daß man nach so kurzer Zeit und unter solchen Verhältnissen nur so fragen, nur bezweifeln könne, daß fort und fort die besten und tüchtigsten Köpfe im deutschen Israel sich mit dieser, nicht Deutsch-Israel, nicht Israel allein, nein, im eigentlichen und höchsten Sinne die gesummte Menschheit berührenden Angelegenheit befassen werde. Man hält mir ein, daß ich den Mund zu voll nehme. Wohlan, die Tage, an denen ich dies niederzuschreiben begann und nach mehrfacher geschäftlicher Unterbrechung vollendete, seien mein Zeugniß — der zweite Tag Ostern, der erste Chol hamoed und der zweite Schewuothtag. Ostern und Peßach —, welche gleichzeitige und wie grundverschiedene Feste! Dort ein Hintergrund voll abenteuerlichster Sagen, hier eine, auch sagenhaft umhüllte, Unterlage, die geschichtlich beglaubigt ist, die im Laufe der Jahrhunderte fort und fort sich, an uns nicht nur, nein, an allen Menschen in immer erneuerter Kraft bewährt hat: der Sieg der Freiheit über die Knechtschaft. Ostern und Peßach! Löst von Ostern ab, was Sage und Wunderglaube ist: die Auferstehung mit ihrem Passionsspiel vorher und der tausendjährigen Passionsgeschichte unserer Vorfahren hinterdrein — und was bleibt? Unser Peßach dagegen! — Nehmt ihm alle zehn Plagen, nehmt ihm die Wundermähr am rothen Meer, sprecht selbst ein kräftiges Dajenu gegen den Sauerteigbann und den Sauerteig der Hagadah aus — immer und immerdar und trotz alledem und alledem wird unser Peßach stets uns bleiben ein Fest von höchster Bedeutung, die Erinnerungszeit an den uralten Menschheitsdrang nach Freiheit, nach Unabhängigkeit. Es wird zu allen Zeilen — Bechol daur wodaur — ein Mahnruf und Erinnerungsfest sein und bleiben, ein Familienfest herrlichster Art — wehigadto lebincho bajaum hahu (Du sollst es deinem Kinde erzählen an jenem Tage) — so wird stets vom Vater auf den Sohn sich vererben die Liebe zur Freiheit, die Hochhaltung des daran mahnenden Peßachfestes. Den romantischen Schwärmer nach einem Reiche, das nicht von dieser Welt ist, mag Ostern mit dem ihm vorangehenden grünen Donnerstag, an welchem der Unfehlbare die Ungläubigen insgeiammt verflucht, Ostern, mit der bluttriefenden Geschichte der unzähligen an den Charfreitag sich anschließenden Judenverfolgungen, erbauen, — den denkenden Menschen, sei er Jude oder nicht, wird unser Peßach erfreuen. Und ebenso Pfingsten und Schebuoth! Was ist Pfingsten ohne den heiligen Geist und was der heilige Geist ohne die, alles Undenkbare und Widersinnige erfassende 8au6ta simplicitas, die einer der größten Glaubens- Märtyrer der wahnerfüllten Menschheit als mitleidigen Abschiedsgruß vorwarf? Ist es nicht ein Glück, daß Pfingsten in die schönste Jahreszeit fällt, so daß die Menschheit, über den ihr mehr und mehr abhanden kommenden Glauben an die Ausgießung des heiligen Geistes im Sinne der Theologen, sich an dem heiligen Geist voll und frisch erquicken kann, den rings die herrliche Schöpfung Gottes athmet? Geben nicht

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