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Jüdische Volkszeitung · 1873-06-11 · 24 (11.6.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
24 (11.6.1873)
Date
1873-06-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jii-ischt Volkszeitun Wochenschrift rcuit tl c Atstekkungen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich lPfa Ngr. m kmrindr und ^ßrhllk, Annngogr und Krlirn. sind an die Verlagshandlung von Job. Friede. Hartknoch in Leipzig ^)N'ausgegeöen von |j^♦ ^)lNMNölolN ttt ^nget^chn, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". , No. 24. Leipzig, den 11. Juni. 1873. 3 n kl a k t: Die corporative Verfassung der preußischen Synagogengemeinden nach dem Judengesetz vom 23. Juli 1847 und die Gewissensfreiheit (Fortsetzung statt Schluß.) — Correspondenzen: Leipzig, Jngelheim. — Rundschau. — Feuilleton: Eine Parabel aus der Darwin'schen Schöpfungsgeschichte. — David Einhand (Fortsetzung.) — Anzeigen. Die corporative Verfassung äer preußifdlen Kgnagogengemeinden nackt äem Indengefetz vom 23. Juki 1847 und die Gewiffensfreikieit. Audiatur et altera pars. (Fortsetzung, statt Schluß.) Breslau, im Mai 1873. Ist es nicht charakteristisch, daß gerade diejenige Partei im Judenthum, die sich, natürlich nur fälschlicher Weise, die ״conservative" nennt, gegen dieses bisher als unanfechtbar und unantastbar gehaltene Princip der Glaubens- und Gemeindeeinheit am lautesten und wildesten zu Felde zieht? Daß sie in Petitionen an das Ministerium und an den Landtag, in ihrer Schandpresse für Auflösung derselben agitirt? Daß sie sich dabei noch — man müßte lachen, wenn es sich nicht um einen so ernsten Gegenstand, um die Zukunft des Judenthums, um den Fortbestand vieler Hunderte von Gemeinden handelte! — daß sie sich bei ihren Agitationen noch gar auf das heilige Gebot der Gewissensfreiheit berufen? ״Gewifsensfreiheit" aus diesem Munde! Kann man die Insolenz, den Jesuitismus weiter treiben? ״Gewissensfreiheit" — wer ist es denn, der in jedem Athemzuge gegen dieselbe frevelt? Die Freisinnigen, die Jedem das Recht der freien Ueberzeugung, der freien Bethätigung derselben widerspruchslos als selbstverständlich einräumen, oder ihr, die ihr Ach! und Wehe! schreit, verdammt und verketzert, alle Blitzstrahle des Himmels herabbeschwört auf das Haupt dessen, der sich gestattet, einen Happen Käse zu verzehren, welcher nicht unter treuen zionswächterlichen Augen das Licht der Welt erblickt? Die ihr jeder Gemeinde, die es für gut befindet, das Almemor aus der Mitte der Synagoge der heiligen Lade gegenüber zu verlegen, das Schicksal Korachs und seiner Rotte wünscht? Die ihr die mosaischen Todesstrafen des Hängens und Würgens, des Steinigens und Verbrennens, des ערירי und כרת als noch heute zu Recht bestehend erklärt? Ihr und die Gewissensfreiheit — welche vernichtende Ironie, welche diametral sich gegenüberstehende Begriffe! Ja, ja; wir wissen es,wohl: ihr lacht euch ins Fäustchen; ihr habt wieder einmal die Welt dumm gemacht! Ihr kämpft mit den Waffen eurer Gegner! Nehmt die Maske der Kämpfer für Recht und Freiheit an und — glaubt, die Dummen täuschen zu können! Ihr Schlauköpse! Ihr habt die Rechnung ohne den Wirth gemacht! Man erkennt euch trotz eurer freisinnigen Vermummung! Als ob nicht der Wolf aus den Schafskleidern an allen Ecken herausglotzte! Ihr sprecht und stellt Forderungen im Namen der Gewissensfreiheit! Und um dies mit einigem Schein von Anstand und Berechtigung thun zu können, müßt ihr erst zu Falschmünzern am Judenthum werden; müßt das Wesen und den Inhalt desselben entstellen; müßt ein funkelnagelneues Dogma erfinden, das Dogma vom Alt- und Neu-Judenthum, von dem die Welt, von dem eure Väter und Vorväter, obgleich in ihrer Mitte sich bereits tiefer gehende Meinungs-Differenzen und Spaltungen abgespielt, bisher nicht die leiseste Ahnung gehabt. Erfindungsgeist war sonst nicht die stärkste Seite der Orthodoxie. Erstndungsgeist und Orthodoxie schließen sich, genau genommen, vollständig aus. Denn die Orthodoxie lebt nur vom und im Alten, haßt und verwirft prin-

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