Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 23 (4.6.1873)
- Date
- 1873-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Vollszeitung. tür Wochenschrift fcttntlc tlcö Jlcfleffunflcn ^nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17% Ngr. in Gemrindr und jltljtdb, K^nngogr und Hrl Herausgegeben von I. H.lmgrnsirm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserate sind an die Verlagshandlung von Job. Friedr. Harttnoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. N0. 23. Leipzig, den 4. Juni. 1873. Inkakt: Festnachklänge (Schluß.) — Alliance israelite (Schluß.) — Correspondenzen: Alzey, Pest. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung.) — Anzeigen. «fcftnacfififängc. (Schluß.) Wenn unsere geehrten Leser dies Blatt zur Hand bekommen, ist auch das Offenbarungsfest vorüber; und die Confirmation hat die Herzen der Kinder den Eltern und die der Eltern den Kindern, Alle aber Gott wieder näher gebracht; hat sie erkennen lassen die hehre Bedeutung der Gesetzesgebung vom Sinai. Mit Blumen war das Gotteshaus geschmückt — sein schönster Schmuck jedoch waren die zahlreich versammelten Andächtigen. Draußen aber vor dem ״neuen" Gotteshause standen die zürnenden Orthodoxen — und schimpften und schmähten! Warum denn? — Gönnt Ihr den Kleinen nicht dies Herrliche Fest? Selbst der Schulchan Aruch wird Euch im Stich lassen bei der Verunglimpfung dieser herrlichen Feier! Und das ist es ja, was wir am Schluffe des vorigen Theiles dieser Betrachtung sagten.' Dieses ewige Schimpfen und Schelten, diese grundlosen Anklagen, dieses gemeine Treiben, dieses Unterwühlcn der Gemeindeeinheit muß die Achtung vor uns und unseren Institutionen schmälern, umsomehr, als es unlauteren Motiven und nicht der Erkenntniß oder Ueberzcugung entstammt! Was thutJhr, was könnt Ihr thun, um die Ehre des Judenthums vor den Augen der Völker zu erhöhen, wie es unser Lehrer Moses in seiner Abschiedsrede Israel zur heiligsten Pflicht gemacht? Die Kinder der ״Separirteu", welche in den öffentlichen Lehranstalten an den Brüsten der Wissenschaft genährt werden, in Euren Chedarim und Klausen aber nur die schale Außenfeite des Judenthums kennen lernten; welchen der geistige Zusammenhang zwischen Judenthum und Wissenschaft nicht aufgehen kann, welchen die Brücke fehlt zwischen — Gott und Wissenschaft, — was werden diese beitragen zur Verherrlichung des Judenthums, zur Werthschätzung seiner Bekenner? Wehe, Ihr, die Ihr Euch als die Erhalter des Judenthums geberdet, Ihr seid seine Zerstörer! Ihr Separationslustigen, die Ihr nach Unfrieden in den Gemeinden ausluget, wie der Thürmer nach Feuer in der Stadt und auf Euren Schulchan Aruch pochet, wie Shylok auf seinen Schein; glaubt Ihr nicht, daß Ihr durch Eure heuchlerische Frömmigkeit und durch die Zwietracht, die Ihr säet, Gefahren heraufbeschwöret, deren Ausgang nur Gott bekannt sind? Kennt Ihr das Gleichniß von den Stäben? Aber — noch ein Wort auch an die andere Seite! Zwei kleine, an sich unbedeutend erscheinende Episoden aus unserem Leben wollen wir hier voranftellen! Vor vielen Jahren wurde in einer kleinen, deutschen Residenz ein einflußreicher Hofmann, Baron rc. beerdigt. Die Straßen waren in Folge des prunkhastsn Leichenzuges überfüllt. Wir standen zufällig unter den Zuschauern. Mehrere Geistliche mit dem Hofprediger und Oberpfarrer an der Spitze fuhren in einem Galawagen hinter dem prächtigen Leichenwagen. Das Volk, das diese Geistlichen bemerkte, sagte: ״der Jude! Wird er nicht wie ein Heiliger geehrt?" Der Jude? — Ich fragte und erfuhr, der Mann habe sich in seiner Jugend taufen lassen, und wäre dann die ganze Stufenleiter bis zu dieser Höhe emporgestiegen. Er war übrigens ein sehr frominer Protestant und eifriger Unterstützer von Missionen jL&v';