Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 22 (28.5.1873)
- Date
- 1873-05-28
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Feuikketon. David Einhaud. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Erste« Eapitek. ״Mein lieber David!" sagte Reb Joine Glück, ״wenn Du das Zettele verkaufst, so bekommst Du dafür nicht mehr, wie zehn Gulden Münz!" ״Ich will es ja nicht verkaufen, Reb Joine-Leben!" ״Und für zehn Gulden Münz", fuhr Reb Joine Glück fort, ״kannst Du Dich als Neunzehnjähriger bei der Gemeinde nicht auslösen! Da dazu brauchst Du ein paar hundert Gulden!" ״Reb Joine-Leben", sagte David, ״was weiß ich? Die Mutter hat mir gesagt, ich soll das Loos nur zu Euch hertragen. Sie hat gesagt, sie thut sich darauf verlassen, daß Reb Joine-Leben mich wird frei machen bei der Stellung, und sie kann leichter sterben, hat sie gesagt, wenn sie sich denkt, daß Reb Joine sich meiner annehmen wird, daß man mir nicht, Gott soll hüten, das weiße Frackel anzieht." ״Das hat Deine Mutter gesagt?" fragte Reb Joine nachdenklich. ״Ja, Reb Joine-Leben! Auf dem Sterbebette hat sie das zu mir gesagt", antwortete David. ״Das Loos nimm wieder zu Dir und heb es Dir aus", sagte Reb Joine Glück. ״Warum, Reb Joine-Leben?" fragte David betroffen. ״Das Loos", sagte Reb Joine Glück, ״kann Dich nicht frei machen, aber es kann Dich einmal glücklich machen." ״Was ist das für ein Glück, Reb Joine-Leben, wenn sie mir anziehen das weiße Frackel?" fragte David kleinlaut. Reb Joine aber antwortete: ״Hör' zu, mein Kind! Wenn ich es in mein' Vermögen hätt, die paar hundert Gulden bei der Gemeinde niederzulegen, möcht ich Dir sagen: FürchtDich nicht, David! Du wirst frei gemacht werden. Und Dein' Mutter sollt' sich auf dem Sterbebett in mir nicht getäuscht haben! Unterdessen aber, was soll ich thun? Du weißt ja, ich bin ein gemeiner Mann und Hab ein Haus voll Kinder unbeschrieen, und muß mich plagen die ganze Woch, daß ich das Stückel Nahrung zu Stand bringen thu." ״Gott soll in mein' Hilf sein!" seufzte David. ״Verlaß Dich auf ihn, er wird in Deiner Hilf' sein", tröstete Reb Joine Glück, ״ich kann das Geld für Dich nicht niederlegen) Du brauchst aber von desalb noch die Hoffnung und den Muth nicht zu verlieren. Es hat schon sein Lebetag gemeine Kinder gegeben, die keine Hunderter gehabt haben, sich Stellvertreter zu kaufen, und wenn es dann zu der Stellung gekommen ist, hat man sie doch nicht stecken gelassen und hat sie doch frei gemacht. Man wird auch Dich nicht fallen lassen. Ich kann Dir jetzt da keine bestimmte Versprechungen machen, aber was in meiner Möglichkeit liegt, werd' ich thun. Bei der Gemeindesitzung, wenn die Zeit da sein wird, werd' ich schon das Maul ausmachen) da daraus kannst Du Dich verlassen." ״Reb Joine-Leben", sagte David, wie von einem fruchtbaren Gedanken plötzlich erleuchtet, ״ich möcht' mich, wenn es zu der Rekrutirung kommt, verstecken!" ״Was fällt Dir ein?" fragte Reb Joine Glück verwundert. ״Ich möcht' es machen, wie es Hirsch-Löb gemacht hat", sagte David, ״ich habe es ja oft erzählen gehört im ״Rädel", wie Hirsch-Löb bei Reb Joisel Austerlitz drei Tag und drei Rächt ist versteckt gewesen in einer Truhe auf dem Boden und hat nichts gegessen und nichts getrunken, und wie man ihn gesucht hat und hat ihn nicht finden gekonnt. Ja, Reb Joine-Leben, wenn mir das Loos nicht helfen kann, wird das das Beste sein." ״Nein, David", sagte Reb Joine Glück mit solcher Entschiedenheit, daß der erschrockene David einen Schritt zurückwich, ״nein, mein Kind! Du wirst Dich nicht verstecken! Das ist ein Kriminalverbrechen! und von deswegen, weil es Hirsch- Löb gethan hat, muß Du nicht meinen, daß Du es auch thun kannst." ״Aber wie doch, Reb Joine-Leben?" fragte David zaghaft. ״Ich Hab Dir schon gesagt", antwortete Reb Joine Glück, ״Du mußt Deine Hoffnung auf Gott setzen. Man wird Dich, mein' ich, nicht stecken lassen. Was in der Möglichkeit liegt, ׳werd ich thun, und wenn es zu etwas kommt, nehm ich mir, das weißt Du, kein Blatt vor das Maul." ״Reb Joine-Leben!" sagte David in plötzlicher Aufwallung seines Herzens, ״nehmt Euch das Loos!" ״Zu was soll ich es nehmen? Ich Hab Dir ja schon gesagt, mit dem Loos kann ich Dir nicht helfen." ״Nein, Reb Joine-Leben, das mein' ich ja nicht. Ich mein', Ihr sollt es Euch nehmen für Euch und sollt es Euch behalten." ״Was fallt Dir ein, David? Ich werd' mir Dein Loos nehmen? Ich werd' Dir Dein Erbtheil wegnehmen, was Dir Dein Mutter hinterlassen hat?" ״Ich geb es Euch ja gerne, Reb Joine-Leben!" ״Ich nehm es aber nicht an. Auf keinen Fall. Was ich für Dein Sach thun kann, das werd' ich thun, und dafür verlang ich keine Belohnung." ״Ihr mußt etwas von mir nehmen, Reb Joine-Leben! Ihr mußt!" ״Was bist Du für ein Narr?" (Fortsetzung folgt.)