Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 22 (28.5.1873)
- Date
- 1873-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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W ochenschrift Indische Bolkszeitunj,. fuß reu ti tlc K«st«lkungea nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 1UjL Ngr. ln ^rmLMÄI und Ilhuk^ Funuzoge n\xh DrllM. Znserate 4 sind an die Berlagshandlung von - - 0 Job. Friede. Hartknoch in Leipzig heraus ge geben von in Ingelheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״JSr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 22. Leipzig, den 28. Mai. 1873. I n k, a k t : Die korporative Verfassung der preußischen Synagogengemeinden nach dem Judengesetz vom 23. Juli 1847 und die Gewissensfreiheit. — Correspondenzen: Berlin. Worms. Aus Darmstadt, Provinz Posen. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung). — Anzeigen. Die corporative Ver^a^ung der preußischen Zjjnugogengemeindcn nach äem Iudengefetz vom 23. Juki 18-4? und die Gewistenssreiheit. L.uälatur 6t altern pars. Breslau, im Mai 1873. Ich begreife die Wärme, mit der Sie in Nr. 18 Ihrer geschätzten Zeitung, im Anschluß an die diesbezüglichen Debatten im preußischen Landtage, für Aufhebung der bisherigen corporativenVerfassung der jüdischen Gemeinden plaidiren. Ihnen ist jeder religiöse Zwang verhaßt. Sie wollen ein Judenthum und Juden, kraft innerer Ueberzeugung; getragen und geleitet von der freiwilligen und darum um so unwiderstehlicheren Macht der Jd.ee. Sie meinen, es könne nur zur Läuterung und Hebung unserer Religion beitragen, wenn jene unsauberen Elemente und räudigen Schafe der jüdischen Gemeinden, die professionellen Krakehler und Unruhstifter, die Pietisten und Fanatiker ausscheiden. Mögen sie immerhin in ihre von Moder und Dunkel erfüllten Conventikel sich zurückziehen, ihrem ver- *) Wir haben schon durch den Artikel des Herrn vr. M. Stern aus Berlin Zeugniß gegeben, daß wir nicht starrsinnig auf unserer Ansicht beharren, wenn dieselbe eben nicht ein Princip, unsere innerste Ueberzeugung betrifft und wir bringen daher auch diesen Artikel eines hochgeachteten Correspondenten, obwohl er in vielen Punkten unserer Ansicht widerspricht. Redaction. meintlichen Judenthum, einem Judenthum der Unwissenheit, des Aberglaubens, der Verketzsrungssucht und des Hohngelächters aller wahrhaft Gebildeten, Götzenaltäre erbauen und mit bacchantischer Lust heidnische Opfer auf denselben schlach- ' ten! Dann erst werde Raum und Licht für das unverfälschte! und unentstellte Judenthum; dann erst werde sich dasselbe! entwickeln und entfalten als echter עץ הודים, gleich einem Baum voller Trieb- und Lebenskraft, dessen Stamm tief im Erdreich wurzelt und dessen Krone prächtig emporragt, unter seinem schützenden Dache alle jene Bekenner unseres erhabenen Glaubens vereinigend, denen die Forderung tiefinnerlicher Sittlichkeit und Humanität, fortschreitender Vervollkommnung des Menschen und der Menschheit als göttliche Offenbarung gilt, und nicht der Wust und Firlefanz rabbinischer Buchstaben- Düfteleien und Spielereien! Jndeß, schütten wir nicht das Kind mit dem Bade aus! Weit höher als die relativ raschere Entwickelung des Judenthums nach seiner idealen Höhe hin steht uns dessen ' Existenz überhaupt, steht uns die ungefährdete und ungetrübte Wahrung seines leuchtenden Grundcharakters. Was würde es helfen, wenn wir Raum und Licht schafften für eine edle Pflanzung, dessen Wurzeln aber abschnitten oder unterbänden?! Die Wurzeln und der Grundcharakter des Judenthums sind aber die Einheit des Glaubens trotz der Mannichfaltigkeit seines geistigen Inhalts, die Einheit seiner Bekenner trotz der Verschiedenheit ihrer religiösen Ansichten. Das Judenthum kennt keine Uniformität jeder einzelnen religiösen Ueberzeugung, sondern nur das höhere Bewußtsein des geistigen Zusammenhangs aller seiner Angehörigen. In diesem Sinne ist das כל ישראל דוברים oder ערבים זה לזו von einer tiefen charakteristischen Bedeutung, von der freilich unsere heutigen ״Frommen" kaum die leiseste