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Jüdische Volkszeitung · 1873-05-21 · 21 (21.5.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
21 (21.5.1873)
Date
1873-05-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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V '־ Jüdische Volkszeitiiiig. Wochenschrift für i?r!euttdr jjt Grmrindr mtb Hchulr, Innnoogr und Dellen. «esteu«ng<a 6 jtnb an die Berlagshandlung von nehmen alle Postanstalttn und Joh. Friede. Harttnoch in Leipzig Herausgegcben von I. HImgmsi«« m Ingelheim, zu lenden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. 21. Leipzig, den 21. Mai. 1873. I a k a k t: Festnachklänge (Fortsetzung statt Schluß.) — Alliance israelite. — Correspondenzen׳. Bad Ems, Von der Werra. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand (Fortsetzung). — Anzeigen. «fcftnacfiMönge. (Fortsetzung, statt Schluß.) Ingelheim, den 11. Mai 1873. Während wir dies schreiben, kommen aus Wien Mittheilungen, welche sehr schnell ein Theil dessen wahr machen, was wir im vorigen Abschnitte dieser Betrachtung als unausheit und zum Wohle des Ganzen, dann seid Ihr als faules Glied unter uns zu betrachten. Wie könnt Ihr also verlangen, daß man Euch, — wohlverstanden, als Organismus, als Gemeinschaft, — als einen vollberechtigten Factor in der geistigen Bewegung der Nationen anerkennt und demzufolge den Platz einräumt, aus den Ihr Anspruch zu haben glaubt? Man wolle uns nicht mißverstehen! Wir wissen recht gut, was das Judenthum in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts für seine Fortbildung und Entwickelung gethan, und mehr noch, was einzelne Juden für die Gesammtheit geleistet, wie sie sich ausgezeichnet durch ihr Streben und Wirken. Wir sind, so sehr wie irgend Einer, stolz auf die Erfolge, die unsere Stammes- und Glaubensbrüder auf allen Gebieten der bleiblich vorausverkündigten. Es gehörte dazu nur wenig oder gar keine Sehergabe. Der Zusammensturz des schwindelhaften! Kunst, der Wissenschaft und des wirthschaftlichen Lebens er- Glücksbaues war unvermeidlich. Wir constatiren dies nur, und! rungen haben. Wir, von unserem Standpunkte aus, erkennen wenden uns unserer Aufgabe weiter zu.! wohl auch an, daß die Religion die edelste Kraft im Men- Eine gegenüber den anderen Confessionen so geringzählige schen ist, und wie sehr zu dieser Capacität so vieler Glaubens- Religionsgemeinschaft, wie die jüdische, die zudem noch gegen genossen auf den heterogensten Gebieten doch immer die reine das traurige Erbe einer vielhundertjährigen socialen Miß- und vernünftige Lehre des Judenthums, sein reiches, umachtung zu kämpfen hat, kann nur dann sich auf der ent-! fassendes und erhabenes Schriftthum, beigetragen. Wir wissen sprechenden Höhe erhalten und sich energisch entfalten, wenn sie nicht allein ihre Kraft und Hingebung ganz entschieden dem gemeinen Wohle widmet, sondern auch die eigenen, überkommenen Geistesschätze hochachtet und zur Geltung bringt; wenn sie sich zusammenschließt zur Erhaltung und zeitgemäßen Entfaltung dieser eigentümlichen Geistesschätze. Reaction und Stillstand entziehen einer solchen Genossenschaft nicht allein den geistigen Lebensodem, den Einfluß und die Bedeutung für die Gesammtheit, sondern berechtigen diese auch zu der schwerwiegenden Frage: Habt Ihr das Recht des Fortbestandes in der Gegenwart? Wenn Ihr nicht Mitarbeiten wollt am stetigen Fortschritte, an der Cultivirung der Menschrecht wohl, wie viel diese Heroen des Geistes, der Wissenschüft und Kunst dem Judenthume zu verdanken haben, vielleicht ohne daß diese selbst es wissen und anerkennen mögen. Allein, dasJudsnthum selbst, seine Wissenschaft, sein Geistes- und Gemeindeleben muß stetig fortschreiten, müßte sich fort und fort lebensvoll gestalten und entfalten, wenn es sich die Achtung der Zeitgenoflen, die sociale Werthschätzung als Factor im Geistesleben der Gegenwart erringen und erhalten will. Es muß absolut Stellung nehmen zu den Fragen, welche die Welt bewegen. Daß dies nicht so ist, wie es sein sollte; daß das letzte Vierteljahrhundert in dieser Richtung keinen Fortschritt nachweist, ist eine recht traurige

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