Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volkszeitung · 1873-05-14 · 20 (14.5.1873) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
20 (14.5.1873)
Date
1873-05-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9588641-9578452-9578624--174-9578625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische Volkszeitung. Wochenschrift nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 171/2 Ngr. in ZemrrnitI und Irhrrl^ I^nngogr und Asbrn> Herausgegeben von I. Mmgsnstsm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Isr. Lehrer" und des ״Syuodalblatt". Inserate sind an die Verlagshandlung von Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. M0. 20. Leipzig, den 14. Mai. 1873. Intakt: Peßach leathid. — Correspondenzey: Wien, Przemysl. — Rundschau. — Feuilleton: David Einhand. — Anzeigen. Peßacd (eatfiid (Heil für die Folgezeit) Hoffnungen und Mahnungen. Berlin, im April. ״Weder ein Prophet noch ein Prophetenjünger bin ich" oder möchte mich als solcher geberden, und doch wollte ich in Betreff zweier Objecte, die mein Interesse seit lange aufs Lebhafteste rege erhalten, weil sie für die Zukunft unserer Glaubensgenossenschaft Lebensftagen in sich schließen, eine Art von Seherblick zu thun mir getrauen, und sollten meine Ahnungen mich auch für die nächste Zeit in etwas trügen, so würde meine Zuversicht, daß die Folge dieselben schließlich doch zur Wahrheit und Wirklichkeit machen werde, dadurch doch nicht geringer werden. Die betreffenden Gegenstände sind 1) die Regenerirung resp. Emancipirung der israelitischen Religionsschule und 2) der gesicherte Fortbestand des jüdischen Gemeindewesens. Beide Themata hat sich der jugendlich rüstige Gemeindebund von Anbeginn seiner rühmlichen Thätigkeit zur Aufgabe gestellt und könnte er wahrlich!, was ideelles und reelles Gedeihen des Judenthums betrifft, keinen würdigeren Dingen seine Aufmerksamkeit zuwenden. Denn — wird das lose Fundament, auf dem bisher die religiöse Weihe und Er- Hebung der israelitischen Jugend meist basirt ward, nicht mit stärkerem Kitt und Mörtel gefestigt, und wird der, dem kalten Jndifferentismus und noch mehr der heuchlerischen Hyperorthovoxie erwünschten Zerbröckelung der jüdischen Gemeinden, wie ihn die, wahrscheinlich demnächst sanctionirten kirchenpolitischen Gesetze für die preußischen Lande in Aussicht stellen, nicht bei Zeiten vorgebeugt, so würden dem Judenthum durch diese beiden Verabsäumungen schwere, wenn nicht gar unheilbare Wunden geschlagen, und die Hoffnung auf dessen immer herrlicheren Aufschwung, zu der das in den letzten Jahrzehnten so lebendig hervorgetretene vielseitige Streben berechtigte, würde für lange Zeit getäuscht fein. Nun könnte es zwar scheinen, daß die Verfolgung beider qu. Tendenzen eine Art (rabbinisch: Tarte d'ßoßre) Widerspruch in sich selbst wäre, indem wir bei der Regenerirung und Emancipirung der Religionsschule von dem herkömmlichen Standpunkt ab- und zu der, ihr bislang versagt gewesenen Einreihung in die Volksschule übergehen, also ein fortschrittliches, liberales System befolgen wollen, hinsichtlich der Corporationsrechts der Gemeinden hingegen an dem status quo festhalten, keinen beliebigen Austritt aus denselben gestatten mögen, so der Betreffende nicht zugleich dem Judenthum gänzlich den Rücken wendete (und also blos um seines pecuniären Vortheils willen das Interesse der Gesammtheit zu schädigen sich nicht scheute), welche Praxis von unserer Seite man als conservativ, illiberal, wenn nicht gar hierarchisch-ö^erical bezeichnen möchte. Doch weit gefehlt! Bei näherer Betrachtung erweist sich auch das letztere Ziel als ein durchaus liberales, wie schon daran zu erkennen, daß es ja im reactionären Lager fanatisch verpönt und bekämpft wird; der Liberalismus will hier nur etwas als gut und heilsam Erkanntes, eine bedeutsame, segensreich wirkende Errungenschaft neuerer Zeit, conserviren und nicht leichthin beseitigen, wie er dies, so ihm nicht Zerstören und Bauen identische Begriffe (ä la Socialdemokratie) sind, immer thut, und dann offen, gewiß nicht zu seiner Unehre, bekennt, conservativ-liberal zu sein. Darf denn der Architect, der an die Stelle eines alten ein neues Haus setzen will, dazu nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.