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Jüdische Volkszeitung · 1873-05-07 · 19 (7.5.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
19 (7.5.1873)
Date
1873-05-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Indische V-llszeitnng. Wochenschrift rctt »t tl c Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17J/2 Ngr. m ^mrrndr und I^nugogr und Hrdrn. Zn lernte sind an die Verlagshandlung von Joh. griebt. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von I. HUngonstsm in Ingelheim, Preis der 3^gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Xo. 19. Leipzig, den 7. Mai. 1873. I n ft a f t: Festnachklänge. — Correspondenzen: Aus Oesterreich.— Rundschau. Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine seltene Selbstverleugnung. — Anzeigen. Feftnacd^änge. Ingelheim, den 25. April 1873. Die Tage des Erlösungs- und Freiheitsfestes waren vorüber. Noch tönten die letzten Klänge, das ״Mathnas Jad": ״Ein Jeder spende nach der Gabe seiner Hand" — ״dem Armen, dem Fremdling, der Wittwe und der Waise", welche die Weihe und Bedeutung der jüdischen Feste so wohlthuend bezeichnen, in unserem Herzen nach. Da erhoben sich in der alten Reichsstadt am Main und an anderen Orten düstere und erschreckende Rufe anderer Art, welche die freie Liebe im Menschenherzen, das Gebot der Mildthätigkeit ertödten wollen. Wie das aufgewühlte Meer ergießen sich Ströme beutegieriger Massen über die Städte und ihre Bewohner, verheerend und zerstörend, plündernd und raubend, und suchen so eine Frage, die so alt ist, wie die Cultur der Menschheit und die nie ganz und befriedigend für Alle in gleicher Weise wird gelöst werden können, zur ״Ausgleichung" zu bringen. Es liegt uns ferne, hier über die so ernste und schwerwiegende sociale Frage selbst uns auszusprechen. Es ist allerdings von hohem Interesse, nachzuforschen und zu erkennen, wie unser Gesetzgeber, wie Moses insbesondere zu dieser Frage Stellung nahm und wie die einschlägigen Bestimmungen im langen Laufe der Geschichte des Judenthums sich ausbildeten und entwickelten.*) Es ist eigenthümlich, daß gerade *) Man vergleiche die jüngste Monographie des Rabbiner Dr. Silberstein in Buttenhausen über die sociale Frage und mosaische Gesetzgebung. von den dahin zielenden Gesetzen — Jobeljahr —■ nicht nachweislich ist, daß sie zur Ausführung gekommen sind. Vielleicht liegt darin eine Mahnung und ein Beweis, daß die volle Lösung auch dort nicht gesunden werden kann und daß allezeit ״die waltende Vorsehung austheilen wird die Geschicke der Menschen." Näher liegt es uns, darüber zu sprechen, in welcher Weise dis jetzt lebende Generation der Juden von diesen Vorkommnissen besonders und vornehmlich betroffen werden; Vorkommnisse, deren ganze Verwerflichkeit und Gefahr für unsere Cultur, für Moral und Sittlichkeit, ja geradehin für alles Menschliche im Menschen wir keineswegs unterschätzen. Wir können dabei natürlich keine Rücksicht nehmen auf den allerdings eigenthümlichen Umstand, daß der ״Prophet und Messias" der Socialdemokratie (Lassalle) ein Jude war und daß unter den hervorragenden Agitatoren mehrere Juden sind (Heppner, Löwenthal, Spier u. 2t.*). Uns ist es heute nur darum zu thun, den Umstand zu erörtern, daß der alte Unkenruf: ״Hepp, hepp" auch bei dem Frankfurter sogenannten Bierkrawall, der in Wahrheit ein socialdemokratischer, Putsch war, wieder stark hervortönte aus dem wüsten Geschrei der Plünderer, und daß die Absichten auf ״die reichen Judenhäuser" nicht verhehlt wurden. ״Erst gehts an die Bierbrauer, Bäcker und Metzger, dann an die Juden", war die Parole. Wie kommt es, daß in unserer, vom Ringen nach Freiheit durchleuchteten Zeit dieser Ruf noch immer nicht ver- *) Leider war auch ein Jude eines der ersten und unschuldigen Opfer des Frankfurter Bierkrawalls. Ein junger Mann. Wallau, 19 Jahre alt, der aus seinem Wege von der Börse in sein Vaterhaus auf der Fahrgasse zurückkehren wollte, erhielt im Vorübergehen einen Schuß, der ihn auf der Stelle tödtete.

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