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Jüdische Volkszeitung · 1873-04-23 · 17 (23.4.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
17 (23.4.1873)
Date
1873-04-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisch c Volkszeitimg. Wochenschrift fCMttdc Ucficßungtn nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17*/2 Ngr. in ^rnmndr und Irhulr, Iynngogs und Hrdrn. sind an die Berlagshandlung von . Joh. Friede. Hartknoch in Leipzig Herausgegeben von %* Hjmgsnstsm in Ingelheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". 1^0. 17. Leipzig, den 23. April. 1873. 3 n ft a f t: Vereine nnb Versammlungen (Schluß). — Biblische Geschichte für die Mittelclassen der israelitischen Volksschulen. — Correspondenzen: Ingelheim, Aus Württemberg, Bukarest. — Rundschau. — Feuilleton: Versprengte Juden. — Anzeigen. Vereine und Versammlungen. (Schluß.) Wohl noch selten sind Bestrebungen einer Richtung im Judenthume vielseitiger bekämpft worden, als die auf Gründüng und Fortführung einer Synode abzielenden. Und wohl nicht mit Unrecht möchten wir behaupten, daß wir hieraus den niederschlagenden Beweis führen könnten, daß eben pfäffische Gelüste allüberall sich gleich bleiben und sich decken. Wo solche Gelüste in der Natur eines Menschen begründet sind, ist es keil: Unterschied, aus welcher Seite der gereifte Mann steht: die Selbstsucht, die Alleswisserei, das Streben, die Meinungen und Ansichten Anderer gering zu schätzen, als alleinige und ausschließliche Autorität gelten zu wollen und das Volk als ״Bagage" zu behandeln, sucht sich durch jedwedes Mittel und auf allen Wegen geltend zu machen. Die schlimmste Pfäfferei ist aber dann die mit dem Mantel anscheinend berechtigter Autorität, großer Gelehrsamkeit oder längerer, bedeutsamer Wirksamkeit umhüllte. Da ist jeder Widerspruch unerträglich und vergeblich. Kommt nun gar der Zusammenstoß entgegensetzter Pole hinzu, so werden auch die edelsten Bestrebungen paralysirt. Die ״Pauluse" werden zu ״Sauluse". .)מחרביך ומהרסיך ממך יצאו! והמשפיל ׳2׳ Die Synode ist hervorgegangen aus einem unleugbaren Bedürfnisse. Sie war das Product reichster Erfahrung, frommer Hingebung an das ewig unzerstörbare Judenthum bei völlig klarer Erkenntniß von den Bedürfnissen der Zeit. Als in der vorberathenden Rabbiner-Versammlung zu Cassel zuerst der Gedanke an die Synode angeregt wurde, da trat man diesem mit dem Worte entgegen, daß ״die Rabbiner durch Hinzuziehung von Laien den letzten Rest von Macht und Würde selbst beseitigten." Den letzten Rest von Macht und Würde! Haben die Rabbinen unserer Zeit Macht? Und liegt nicht die Würde des Menschen, in welcher Lebensstellung er sich auch befinden mag, ausschließlich in der beruflichen und sittlichen Lebensführung, im Charakter? Es gibt keine Richtung im Christenthume, keine Partei, die nicht ihre regelmäßigen Versammlungen und Zusammenkünste hätte, welche sich gewöhnlich auf Vereine stützen: die Alt-, Neu- und Deutschkatholiken, der Bund der fteien Gemeinden, der Protestantenverein und der lutherische Kirchentag u. s. f. Alle kommen zusammen und sprechen ihre Ansichten aus. Selbst das winzige Häuflein einer Seele — die Baptisten — hielt jüngst eine Versammlung in Hamburg, welche von mehr als 100 Abgeordneten beschickt ward. Unsere Orthodoxen freilich werden auf diese unsere Voraussetzung schon ihre Anklage begründen. Seht Ihr, werden sie sagen, hier habt Ihr den vollendeten Beweis von der Nichtswürdigkeit dieser Bestrebungen; Alles חקות חגוים! Wozu brauchen wir das? Wir haben unsere unumstößlichen Normen in der schriftlichen und mündlichen Lehre, wie sie im שלחן ערוך codificirt sind u. s. f. Ach, diese Schulchanaruch-Juden! Wir möchten einen Preis darauf setzen, einmal einen echten, unberührten zu sehen. Außer von dieser extremen Richtung wird wohl von Allen das Bedürfniß einer regelnden und einigenden Jnstitution anerkannt. Und doch wollten die Stimmführer nicht die Hand bieten zur einzig möglichen, dem Bedürfnisse entsprechenden Lösung.

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