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Jüdische Volkszeitung · 1873-04-16 · 16 (16.4.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
16 (16.4.1873)
Date
1873-04-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Indische V-lkszeitmig Wochenschrift für1 t* כו t tt t rl c־ Lestekkungea nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 172/ג Ngr. in Hrmmn^I und jldprib, I^nngogr und Drdrn. 3nr«rau sind an die Verlagshandlung von " Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig oy y+ i + ׳ ru v־/ * zu senden. Herausgegeben von |. H^tlNSSNStSltt m Ingelheim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Shnodalblatt". Xo. 16. Leipzig, den 16. April. 1873. Intakt: Wochenbericht. — Noch einmal über ״Akedah". — Alliance israelite. — Correspondenzen: Alzey. Aus Mähren. — Feuilleton: Die Tochter des Commerzienrathes (Schluß). — Anzeigen. Wochenbericht. Ingelheim, den 8. April 1873. Nachfolgend veröffentlichen wir das Verzeichniß der im Sommer-Semester 1873 zu haltenden Vorlesungen der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin. Hiermit beginnt die Hochschule ihr drittes Semester. Die Zahl der Hörer, anfänglich nur 10, hat sich schon im vorigen Semester auf nahezu ein Viertelhundert erhöht. Die sämmtlichen Vorlesungen beanspruchen wöchentlich eine Zeit von 29—30 Stunden. Inhaltlich umfassen sie die verschiedenen Gebiete der jüdischen Wissenschaft; sie sind sämmtlich Zweige eines Baumes, dessen Wurzeln hinabreichen in die ״Genesis" des Culturlebens der Menschheit, des Gottesgedankens, des religiösen Empfindens und Bewußtseins, ilnd dessen Aeste und Wipfel das gesammte Geistesleben aller Zeiten krönen. Hat die ״Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums" bisher die Theilnahme und Unterstützung gefunden, die ihr gebührt? Eine Genossenschaft bezeugt ihre Capacität und Ent- Wicklungsfähigkeit hauptsächlich oder fast ausschließlich durch die Pflege, die sie der ihr eigenthümlich empfohlenen Wissenschaft angedeihen läßt. Das gesunde, frische Leben eines Volkes manifestirt sich in der Pflege seiner geschichtlichen Denkmäler. Die Wissenschaft des Judenthums ist selbst ein historisches Denkmal, das das Geistesleben des Volkes zu allen Zeiten umfaßt, kennzeichnet und darstellt. Das Judenthum ist wohl nicht ausschließlich ״hohe" Wissenschaft, wie manche übrigens verdiente und gelehrte Männer verschiedener Richtungen anzunehmen scheinen. Das warme Leben, die realen Bestrebungen sind diesen Gelehrten Nichts, ״Firlefanz", und sie möchten aus dem Judenthume gar zu gerne einen Cadaver machen, an dem sie nun nach Herzenslust mit ihrem historischen Secirmesser arbeiten, ״forschen" könnten. — Nein! das Judenthum ist Leben, warmes, reges Leben, Entwicklung, fortschreitende Bewegung; es ist: Lehre und Gebot. Mit dem bloßen Lehren und Forschen ist der Lebensbaum des Judenthums durchaus nicht umschrieben. Aber darum ist doch Lehre״ und Wissenschaft stets die Grundlage und der Pfeiler des religiösen Lebens gewesen. Die ״Thora" wurde gepflegt in allen Zeitaltern und in allen Kreisen, ihre Pflege war die erste und heiligste Pflicht. Und so verschieden die Art und Weise dieser Pflege sein mochte, es geschah doch Alles aus dem einen Grundgedanken, ״daß groß werde die Lehre und herrlich." Wir fragen nun nochmals: ist das innerlich stetig emporstrebende Institut der jüdischen Hochschule, das Werk, dessen Zustandekommen ein halbes Jahrhundert hindurch der Traum der besten jüdischen Männer gewesen, in seinem Entstehen, in seinem ersten Jahre genugsam bekannt und beachtet worden? Wir müssen zu unserer tiefsten Beschämung, zu unserem Schmerze gestehen, daß es hier ergeht, wie mit allen jüdischen Schöpfungen der Neuzeit: Reges und anhaltendes Streben "Einzelner — und Mißverständniß und darum Gleichgültigkeit der überwältigend großen Masse. Momentanes Aufflackern, anscheinende aber gemachte Begeisterung und bald darauf —

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