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Jüdische Volkszeitung · 1873-04-09 · 15 (9.4.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
15 (9.4.1873)
Date
1873-04-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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V l -־ 1 T Jüdische Volks׳,eil»»., Wochenschrift für׳ lifctni tlc tl c־s3 /ioftcftunn<n nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!!1k Ngr. in Gkmrindr und Krhuk. Z^nsgogr und Ke! Herausgegeben von I. Mmgrnslsm in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Anserate sind an die Verlagshandlung von Joh. Friede. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. Ho. IS. Leipzig, den 9. April. 1873. I a k a k t: Vereine». Versammlungen.—Correspondenzen: Ingelheim, Krakau. — Rundschau. — Feuilleton: Die Tochter des Commerzienrathes (Fortsetzung, statt Schluß). — Anzeigen. Vereine unä Versammlungen. Ingelheim, den 1. April 1873. ״Wie mit den Zeitschriften, so ist es auch mit den Versammlungen, welche in den jüngsten Jahren gehalten wurden; mit den verschiedenen Vereinen, welche sich zu bilden und umzubilden suchen. Was haben diese auf einander folgenden Versammlungen — die Synoden-, Gemeindebund-, was hat die Berliner Delegirten-Versammlung (der Allianz) genützt? Lebens — hier der Religion — nennt, wirklich so schädlich? Soll man, um das religiöse Parteileben im Keime zu ersticken, Abstand nehmen von der Bethätigung seiner Ueberzeugung in Rede und Schrift, soll man sich darum nicht betheiligen an solchen Versammlungen und Vereinigungen, welche von vorn herein und offen Parteizwecke verfolgen? Wir brauchen die Frage nur so zu stellen, und sind der Zustimmung aller Wahrheitsliebenden gewiß, wenn wir behaupten, daß in unserer Zeit jeder Strebende, jeder wackere Mensch eine ganz bestimmte Meinung haben, einer klaren und entschiedenen Richtung, einer Partei angehören muß. Wohl ist nach unserer Anschauung die eigentlichste und wahrste Heimath des religiösen Lebens das — Herz und das Haus und diese Factoren an und für sich entziehen sich dem Zwiste, den die Parteien erregen. Allein wir haben und brauchen Alle diese Bestrebungen wirkten bisher nur verwirrend und zersplitternd, förderten das Parteigetriebe. Ja, sie schufen neue; die Stätten öffentlicher Gottesverehrung, wir brauchen Bil- Streitobjecte. Der Schwerpunct des jüdischen Lebens muß in dungsstätten und Institutionen aller Art; denn auch die Redie Gemeindeverwaltung gelegt werden." ligion muß gelehrt, anerzogen, geübt, Empfindungen müssen So lautet die Fortsetzung des Briefes eines edlen und geweckt und angeregt, Gefühlsrichtungen müssen erzeugt und gebildeten Israeliten, von dem wir unseren geehrten Lesern bestimmt werden. Das Alles kann der Einzelne nicht fertig an der Spitze unserer vorigen Nummer ein so hartes Urtheil über die jüdische Presse vorzuführen Veranlassung fanden. Mag auch in diesen Worten ein Körnchen Wahrheit sein, so weit sie die Erfolge bereits abgeschlossener Thätigkeiten betreffen; in der Sache selbst verwechseln sie, gleichwie mit der Presse, Ursache und Wirkung, stellen das Ganze auf den Kopf und fordern darum ebenfalls unsere Opposition heraus. Fragen wir zuerst offen und ehrlich — denn wir lieben nicht die Winkelzüge und Vertuschungen: Ist Parteigetriebe, wie man das Aussprechen und die Bethätigung einer bestinnnten Richtung in irgend einer Sphäre des öffentlichen bringen ohne Mitwirkung der Gesammtheit, der Glaubensgemeinde — und hier sind, sobald das Gebiet der Oeffentlichkeit betreten wird, verschiedene Ansichten und Meinungen jederzeit naturgemäß, selbstverständlich und — erwünscht. Ja, erwünscht! Denn nur durch die verschiedenen Richtungen, die sich aussprechen, ergänzen, ja befehden, wird Bewegung, Energie und Fortschritt erzeugt. Der Klotz liegt und fault. Wer zu behaupten wagt, das Judenthum sei nicht eine Religion des stetigen unaufhörlichen Fortschritts, daher Ringens; wer es nicht erkennt, daß hierin eines der bedeutsamsten Unterscheidungsmomente zwischen Judenthum und Christenthum gegeben ist, — denn das Judenthum legt seine Vollendung I) ן 'I ׳ 4 j

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