Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 14 (2.4.1873)
- Date
- 1873-04-02
- Page
- Seite 109 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Ländern 820,200 mit Einschluß der in der Armee dienenden, 822,220 factisch anwesenden Israeliten, die jedoch wieder auch die Ortsfremden in sich fassen. Hiervon kommen die meisten — 575,433 — auf Galizien, während Salzburg nur 44, Kärnthen und Kram sogar je nur 22 zählen. Interessant ist hier auch die Vergleichung mit früheren Zählungen. Während in Oesterreich ob der Ens im Jahre 1830 nur 1,569 Juden aufgeführt werden, sind im Jahre 1869 — 51,880! In Steiermark kommen 1850 nur erst 3 — jetzt 734, in Österreich unter der Ens 1857 nur 4, jetzt 690 Juden vor. Hiergegen haben die Juden in Tyrol und Voralberg successive abgenommen, von 1,945 im Jahre 1830 auf 353 jetzt. Im Ganzen wäre hiernach die Zahl der Juden von 355,625 im Jahre 1830 auf die oben angegebene Ziffer 1869 gestiegen, was einer jährlichen Vermehrung von 3,35 °/0 gleichkäme, während die Bevölkerung im Ganzen nur um 0,f6 °/0 sich vermehrte. Dieses Ergebniß ist jedoch eine Täuschung und erklärt sich aus dem Umstande, daß bei früheren Zählungen besonders in den nördlichen Ländern der männliche jüdische Nachwuchs ganzer Orte beim Nahen der Conscriptions- Commission ausriß, sich erst wieder einfand, wenn das Zählungsgeschäft beendet war. Außerdem fand aber in dieser Zeit auch eine starke Einwanderung fremder Israeliten statt. Die wirkliche Vermehrung stellt sich jedoch nach der Schätzung des Statistikers immer noch stark genug — auf 2,21 °/0. — In Galizien kommen auf einen Juden 9 Köpfe der Gesammtbevölkerung; in der Bukowina 11; in Wien 15 u. s. f. Im ganzen Ländercomplexe, welcher im Reichsrathe seine Vertretung findet, kommt ein Jude auf 25 Einwohner. Nur in Russisch-Polen, wo die jüdische Bevölkerung noch dichter ist, als in Galizien — auf 7 Einwohner 1 Jude — und außerdem in Rumänien — 1 auf 19 — und schließlich in Hamburg — 1 auf 23 — ist das Verhältniß stärker; sonst überall schwächer. (Fortsetzung folgt.) Runä^au. 57. (Jüdische Zustände in Amerika.) Die amenkanisch jüdischen Zeitungen geben in fast jedem ihrer Blätter Correspondenzen über die jüdischen Zustände in den verschiedenen Plätzen der Vereinigten Staaten, welche auch für deutsche Leser des Interessanten Mancherlei bieten dürften, wenn sie mit Auswahl und in — bedeutender — Abkürzung gegeben werden. Auf das Feld der Personalitäten, auf dem sich unsere amerikanischen Collegen, wahrscheinlich geleitet vom Geschmacke ihres Publikums, so sehr gefallen, werden wir ihnen natürlich nicht folgen. 1) Jn Columbus, Staat Georgia, besteht eine aus eingewanderten Deutschen, Franzosen und Polen zusammengesetzte Judengemeinde von 35 Gliedern se׳.t 1859, bald in blühenden, bald in zerfallenden Zuständen; zu Zeiten hatte man einen geistlichen Führer, zu anderen Zeiten wurde der Gottesdienst von Laien geleitet; in den letzteren zwei oder drei Jahren fand, außer den ״weißwaschenden" (whitewashing) Rosch haschana und Jom kippur gar kein Gottesdienst statt. Zuweilen erlaubte man sich sogar den Luxus eines Lehrers, der (wie leider gewöhnlich) eine heilige(?) Dreieinigkeit in seiner Person darzusteüen hatte und in der Regel in keiner seiner Wirksamkeiten etwas leistete: als Chasan war er ohne Zuhörer, als Schochet hatte er keine Koscherfleisch-Käufer, als Lehrer viele Schüler, aber schlechten Unterricht. Die Wurzel dieses Nebels findet der Correspondent des ״Jsraelite" in der Orthodoxie, d. h. in der Unwissenheit, Intoleranz, Tyrannei und abschließenden Rechthaberei der Altgläubigen, deren ganze Religion in der Uebung einiger veralteten oder mißverständlich ausgefaßten oder abergläubigen Ceremonien bestände. Nun hat aber, fährt er fort, der Geist der Zeit seinen Einfluß auf die Hartnäckigsten dieser Partei geltend gemacht: in einer Gemeindeversammlung vom 12. Januar wurde die unter dem Namen ״Minhag America" bekannte verbesserte Gottesdienst- Ordnung angenommen, sowie die Erbauung einer Synagoge und Berufung eines Geistlichen beschlossen — Alles dies bis jetzt noch große Seltenheiten im Süden der Union. 2) Alexandria, ebenfalls im fernen Süden, in Louisiana, zwischen New-Orleans und Shrereport, am Red River, zählt 50 jüdische Familien, in deren Händen etwa die Hälfte alles Grundeigenthums und drei Viertel des Gesammthandels sich befindet. Obgleich noch leidend von den Folgen des Krieges, hat die kleine Gemeinde eine stattliche Synagoge gebaut, in der sie es jedoch nur an den Feiertagen und, während der geschästslosen Zeit, zuweilen am Freitag Abend zu Minjan bringt. Der Gottesdienst wird ganz in orthodoxem Styl gehalten. 3) Acron in Ohio, in reizender Gegend von Bergen umgeben, die großen Kohlenreichthum in sich schließen, hat eine kleine jüdische Gemeinde von 25 Familien, die der Reform huldigen, aber noch keine Synagoge haben. Der Gottesdienst wurde in einer christlichen Capelle gehalten, welche zu einer großartigen von einem Privatmanns gegründeten Akademie oder höheren Unterrichtsanstalt gehört. Der Begrabnißplatz ist eine Abtheilung des christlichen Kirchhofs und gleicht in seinen Grasplätzen, Hügeln, Thälern, Ziersträuchern, Bäumen, Bächlein rc. einem reizenden Park. Die Israeliten haben ein Club-Haus oder Casino, aber nicht blos wie in vielen anderen amerikanischen Städten zum Solo-Spielen, sondern auch zu literarischen Zwecken und theatralischen Aufführungen. 4) Vicksburg, in Mississippi, wohlbekannt aus dev v