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Jüdische Volkszeitung · 1873-03-26 · 13 (26.3.1873) · p. Seite 103

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
13 (26.3.1873)
Date
1873-03-26
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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lichen Ursprrrng aller Maßbezeichnung hin. — Lächerlicher fast noch, als der närrische Engländer, erscheint uns diesmal unser sonst so aufgeklärter und vorurtheilsfreier amerikanische College ״the Israelite“, wenn er der Anzeige der kleinen Parker'schen Schrift hinzufügt: ״Entweder ist Alles (was P. sagt) wahr und es ist die wundervollste Entdeckung, die je in unserem Lande gemacht worden, oder es beruht Alles auf Selbsttäuschung; wir neigen zur Annahme des Ersteren." Risum teneatis! Feuilleton. Eoellteis 1le$ ^0mtnmie«ratIu$. Novelle aus der Gegenwart von I. (Fortsetzung.) Die Sängerin war nicht in der heitersten Laune. Sie hatte geglaubt, den Prinzen fast schon umgarnt zu haben — jetzt war er ihr ausgerissen, ohne Gruß. Was war das? Baron von Westheim war ihr sehr gleichgültig geworden, ׳ seitdem seine Börse nicht mehr stets in alter Weise gefüllt war. Früher, ja, da war es anders gewesen! Sie hatte ihn in einem Bade kennen gelernt, als noch der goldige Schwiegerpapa das Füllhorn seiner Casse stets über ihn ausgoß, sobald^ eines jener bekannten, schmalen Papierstreifchen von ihm unterzeichnet wurde. Diese glänzende Seite des Herrn Barons hatte sie mit ihm verbunden; — jetzt hatte der Schwiegerpapa seine Gnade wohlweislich zurückgezogen und darum — war er abgeblaßt. Sie warf höhnisch die Lippen auf, als er ihr seinen Arm bot. ״Wohin wollen Sie mit mir?" ״Weg von hier vor Allem. Sehen Sie denn nicht, wie sich jetzt alle Blicke Ihnen verächtlich zuwenden? Wie auch die Tänzer und Masken einzeln hereintreten und Sie umschwärmen? Bald werden Alle hier sein; Aergerliches kann nicht ausbleiben. Ich habe Sie eingeführt; kommen Sie mit mir . . . Dort in jenes kleine Zimmer." ״Das gleicht ja einer Flucht . . ." ״Flucht mit mir, ist Ihnen das auf einmal so unangenehm geworden?" ״Ha, ha, und wohin? Zu Ihrer Frau? Ich fliehe nicht gerne hinweg aus den Mittelpunkten des geselligen Lebens und noch zudem — mit einem Ehemanne . . ." ״Meine Frau? Was wollen Sie", erwiderte Herr von Westheim lachend, ״meine Frau ist mein . . . nun, mein Portemonnaie . . . sehen Sie, das gab sie mir heute, um Sie damit zu schmücken. Ja, ja, lachen Sie nur; sie gab es mir. Ist das nicht eine brave Frau?" Mit diesen Worten öffnete er ein prachtvolles Schmuckkästchen, das er eben hervorgezogen hatte. Sie waren unterdessen in ein kleines, abgelegenes Zimmer gekommen, das ihr der Baron vorher bezeichnet hatte. Mit neugierigen, lüsternen Augen blickte die Sängerin in das kleine Kästchen, aus der ihr ein reicher, glänzender Brillantschmuck entgegenstrahlte. ״Das ist für mich? Sie sind doch ein feiner Cavalier; ich habe Sie verkannt!" rief sie entzückt. Mit diesen Marken wollte sie das glänzende Kästchen j ergreifen. In demselben Momente schaute eine hohe Gestalt über ihre Schulter und ergriff das Kästchen, so schnell und sicher, daß die Beiden weder das Herankommen der Maske, noch das Hinwegnehmen bemerkt hatten, bevor es geschehen war. ״Das Kästchen und der Schmuck sind mein Eigenthum", sprach die fremde, hohe Gestalt und war mit diesen Worten auch schon wieder zur Thüre hinaus. ״Meine Frau!" murmelte der vor Ueberraschung fast bestürzte Baron zwischen den Zähnen, und war so verblüfft, daß er gar nicht daran dachte, dem herrlichen Schmucke, mit dem sein Weib forteilte, zu folgen. ״Aha, Ihre Frau, eine Scene", lachte ärgerlich die enttäuschte Sängerin; ״schade um die schönen Steine." Sie drehte ihm den Rücken zu. Vor dem Bette ihres kleinen Kindes kniet die Mutter. ״Ich habe Dich wieder, mein süßes Kind, und — ich werde Dich nicht mehr verlassen. Ich wollte das Unglück meines Lebens genau kennen lernen — und ich habe alle Schmerzen gekostet in dieser einen Stunde, die einem bethörten, eitlen Weib, wie ich es war, zur Sühne von der Vorsehung beschieden worden. Jetzt ist es genug. Wer weiß? . . . Sein ״Portemonnaie" nannte er mich, gab mich und meinen von meiner Mutter ererbten Schmuck hin für diese unsaubere Sirene, in demselben Augenblicke, wo sie ihr Garn nach dem Prinzen auswarf und ihn verhöhnte . . . ״Es ist aus! Habe ich ihn je geliebt? Ich denke Dein, edler Lehrer, jetzt; ich denke Deines Wortes, das mir stets so gleichgültig war, weil ich Dich nicht leiden mochte . . . Du warst ein Jude ... Du sprachst: Rosen und Edelweiß sind Blumen verschiedener Art. Das auf der Höhe wachsende Edelweiß wird mit Lebensgefahr von den Felsen herabgebracht. Wenn Du es brechen und an den Rosenstrauch heften wolltest,! daß es dort wachse und weiter gedeihe — Du würdest ein! thörichtes Kinderspiel wagen, daß weder der Rose noch dem | Edelweiß fruchtet . . . I Die Kraft der Rose ist geschwunden."! (Fortsetzung folgt.)

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