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Jüdische Volkszeitung · 1873-02-12 · 7 (12.2.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
7 (12.2.1873)
Date
1873-02-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volkszeitmig. Wochenschrift L«st«lkunge» nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich 17*/, Ngr. m Grmrmdk und Krhttke, H^nugügr und Herausgegeben von I. Wngsnstmn in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Aaserate sind an die Verlagshandlung von Joh. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3 gesp. Zeile 2 Ngr. No. 7. Leipzig, den 12. Februar. 1873. 3 n kt a k t: Wieder vom Cultus (Fortsetzung und Schluß). — Correspondenzen: Berlin, Hamburg. Krakau, Aus Süddeutschland. — Rundschau. — Literarisches. — Feuilleton: Die Tochter des Commerzienrathes (Fortsetzung). — Anekdote. — Anzeigen. 2,'^׳Eüi-RückschriJtz-nuil) zwanzig JEen. f Bereitsim Jahre 1843 hat der damalige Oberrabbiner zu Dresden, Hr. vr. Z. Frankel, die zwölfte Benediction im Achtzehngebet, die bekannte schroffe Ketzerformel,dahin abgeändert und abgemildert, daß er statt der concreten manche abstracte Bezeichnungen wählte, wie sie ja sogar in den allerältesten Gebetbüchem in der Benedictton ״Ubechen Zaddikim" für Neujahr und Versöhnungstag sich finden. Und nach solchem Vorgang stellt vr. Joel, römischer als Rom, zur beliebigen Auswahl neben die mildere, auch die rigoröse Formel in ihrer ganzen Schroffheit hin, die sich in Verwünschungen und Flüchen gar nicht erschöpfen kann. Wurde Hr. vr. Joel vielleicht zur Wiederaufnahme dieses Syllabus von einer Seite her gedrängt, so konnte und mußte er ein entschiedenes, ehrliches ״Non possumus“ entgegensetzen. *) *) Hätte Hr. vr. Joel, der im Jahre 1855 das Leben und Wirken R. Meirs ״des Erleuchters" beleuchtete, sich von Beruria, der Gattin desselben, erleuchten lassen, welche circa 122 den Ausspruch that, ״man müsse nicht den Untergang der Sünder, sondern der Sünden erflehen", so würde er nicht in seinem Gebetbuch 1872, d. .i. 1750 nach Beruria, die Ketzerformel in ihrer vollen Berwilderung von Neuem wieder ausgenommen haben. In der zweiten Auflage seines Gebetbuches von 1870 findet sich bei Geiger die in der Leipziger Synode mit allseitigem lebhaften Applaus angenommene Aenderung der hebräischen Worte: ״Gott heilt die Kranken", anstatt des exclusiven ״die Kranken Israels". Warum beweist Hr. Dr. Josl den nicht beneidenswerthen Muth, im hebräischen Texte die Lesart ״die^Eranken Israels", wenn auch mit kleinen gedruckten Lettern, wieder aufzunehmen. *)' Nach dem Vorgang eines hochangesehenen Gesetzeslehrers aus dem 13. Jahrhundert hat Geiger die Benediction ״gepriesen seist du, Gott, der Wohlchaten erweist seinem Volke Israel" geändert in ״Wohlthaten erweist all seinen Geschöpfen". Welche Veranlassung hatte Hr. vr. Joöl in dem hebräischen Text anstatt ״seinen Geschöpfen" wieder ״seinem Volke Israel" aufzunehmen. Wahrlich, man ist versucht, hier die Worte unserer Alten anzuwenden יודעין את רבונם ומתכוונץ ״ למרוד בו.So mancher kennt seinen Herrn und Meister, lehnt sich aber geflissentlich gegen ihn, ich meine, gegen die bessere Ueberzeugung, auf" (Raschi zu 1. M. 10, 9.). *) Diese Liberalität, womit uns Hr. vr. Joöl neben der freisinnigen, humanen, auch mit einer engherzigen, exclusiven Gebetformel regalirt, erinnert lebhaft an die Gepflogenheit der jüdischen Schulmeister vor einigen Menschenal^rn, die es in das Belieben de^ihnen , Kinder zum Unterrichte im Pentateuch zuführendei^Familienväter stellten, die Unmündigen nach dem alten jüdisch-deutschen Jargon oder nach der neuen N. Mosche Dessauer's Uebersetzung unterrichten zu lassen. Ddch-es gilt hier keinem Scherz! Allen Ernstes! Was antworten wir einem Christen, der>vs Hebräischen kundig ist, auf die Frage: ob es denn wirklich einMewissenszwang wäre, wenn man das allgütige Wesen dafür priese, daß er die Kranken überhaupt und nicht blos die Kranken Israels heile 1 Es ist unverzeihlich, -«swenn man die bessere Formel vor sich hat und die schlechtere wieder danebensetzt.

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