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Jüdische Volkszeitung · 1873-01-29 · 5 (29.1.1873) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Volkszeitung
Volume
1873
Issue
5 (29.1.1873)
Date
1873-01-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Volkszcituiig. W ochenschrift Lrrs fcn tt tt c־ ^«(Icttungcn nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich!!1k Ngr. in hnmsfe und Slhulr, Innsuogr und Kelir». sind an die Verlagshandlung von - Job. Friedr. Hartlnoch in Leipzig ^)erausgegeben von in Angeü)eim, Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". No. S. Leipzig, den 29. Januar. 1873. Inhalt: j Nachtrag zu den Gutachten an den Ausschuß des Gemeindebunds, den Religionsunterricht betreffend (Fortsetzung). — Correspondenzen: Berlin. Alzey, Preßburg, Brody. Pesth. - Rundschau. — Feuilleton: Die Tochter des Commerzienrathes (Fortsetzung). — Briefkasten. — Anzeigen. UluAtrag zu den Gutachten an den Ausschuß des Gemeindebunds, den Religionsunterricht betreffend. (Fortsetzung.) Haben wir in voriger Nummer einen höchst wichtigen Grundsatz aufgestellt, so gilt es jetzt, zu untersuchen, auf welche Weise dieser Pflicht zu genügen ist! Denn das muß wiederholt entschieden betont werden: Es müssen Mittel vorhanden sein, das zur Ausführung zu bringen, was als erste Pflicht der Selbsterhaltung des Judenthums anerkannt worden ist. Da ist nun zweierlei in Betracht zu ziehen: die Lehrer und die Schulen. Unsere erste Aufgabe ist die Heranbildung von tüchtigen, ihrem Berufe gewachsenen Lehrern. Wir müssen absehen von der Quelle des zur Zeit nicht allein unter Juden herrschenden Lehrermangels, der eine Folge ist von Zeitverhältnissen, die wir nicht ändern können. In einer Zeit, wo das Streben nach dem Materiellen, nach Erwerb und Genuß so überaus dominirt, wie in der Gegenwart, werden nur wenige an Geist und Körper gesunde Menschen bereit sein, dem ״weißen Sklaventhume" sich zu opfern, was das Lehramt zur Zeit überall, insbesondere aber das jüdische Religionslehramt, bis auf diesen Tag noch ist. Aendern sich, wie es Gottlob im Allgemeinen jetzt den Anschein hat, die Verhältnisse, so werden sich I auch wieder junge Leiste finden, die sich diesem Berufe hingeben. Nach welcher Richtung hin soll jedoch die Bildung der jüdischen Lehrer angestrebt werden? Es ist augenscheinlich, daß ein bloßes Religionslehrerthum, wie es zur Zeit noch üblich ist, keine Zukunft hat. Jeder Mensch muß das, was er ist, ganz und voll sein. Insbesondere müssen Berufsarten, die sich ausschließlich dem intellektuellen und Gemüthsleben des Menschen zuwenden, auch das ganze geistige Leben auszufüllen im Stande sein. Ein Religionslehrer muß ein in seiner Art durchgebildeter Mensch sein. Halbwissen ist Halbsein und befriedigt nie. Es müssen daher die Religionslehrer eine durchgreifende theologische oder eine entsprechende pädagogische Bildung haben. Wir glauben nun, daß es vorzuziehen ist, wenn der Religionslehrer pädagogisch durch und durch gebildet ist, wenn er Volkslehrer sein kann im vollsten Sinne des Wortes. Theologen befassen sich bekanntlich nicht gerne mit den Elementen, mit dem Anfangsunterrichte und bleiben als Lehrer stets unbeholfen. Sie befreunden sich lieber mit der Kanzel als mit dem Katheder in der Volksschule; ihr Sinn strebt nach Höherem(?). Da sich aber Unterricht ohne pädagogische Befähigung und ohne Lust nicht denken läßt, so ziehen wir es vor, wenn die Religionslehrer durch und durch als Volkslehrer ausgebildet sind. Nur so können sie ihren Beruf erfüllen, sind etwas Rechtes und können sich eine ansprechende Lebensstellung erringen. Was ist nun zu thun, um den jüdischen Lehrern die Gelegenheit zur tüchtigen Ausbildung zu bieten? Wir sind, nach den Erfahrungen, insbesondere der jüngsten Zeit, entschieden zu der Ueberzeugung gekommen, daß jüdische Seminarien nicht mehr zu erhalten sind, daß vielmehr die jüdischen Lehrer ihre allge-

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