Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 4 (22.1.1873)
- Date
- 1873-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische VoWzeitiuig. W ochenschrift Lrrd rctm tlc m nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich lV-1% Ngr. irmrwdr und Irhulr, I^nugogr und Krbrn. Herausgegeben von I. Mngonstern in Ingelheim, bisher Herausgeber des ״Jsr. Lehrer" und des ״Synodalblatt". Inserate sind an die Verlagshandlung von Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. Iso. 4. Leipzig, den 22. Januar. 1873. Intakt: Nachtrag zu den Gutachten an den Ausschuß des Gemeindebunds, den Religionsunterricht betreffend. — Correspondenzen: Berlin. Bielefeld, Aus Süddeutschland. Karlsruhe. Aus Mähren. St. Gallen. — Rundschau. — Feuilleton: Die Tochter des Commerzienrathes (Fortsetzung). — Anzeigen. Jiaditrag zn den Gutachten an den Ausschuß des Gemeinde- Hunds, den Religionsunterricht betreffend. Es ist für uns eine wahrhafte Genugthuung, daß der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes diese hochwichtige Angelegenheit fast vor allen anderen zum Gegenstände theoretischer, eingehender Erörterungen machte. Die Thesen und Gutachten ״über die Einordnung des jüdischen Religions- Unterrichts in den Volksschulunterricht"*), die der trefflichsten Gedanken so viele enthalten, erheischen die ernsteste Berücksichtigung und werden nicht verfehlen, die Auftnerksamkeit der betreffenden Kreise auf sich zu lenken. Abgesehen davon, daß diese Frage in der vorliegenden Form gerade jetzt, wo sich, eine Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche und eine Umbildung der Schule in Deutschland aller Orten anzubahnen scheint, auf der Tagesordnung steht, finden wir darin zum ersten Male ein Moment der gemeinsamen Thätigkeit der deutschen Judenheit, das recht eigentlich den tiefinnerlichsten Kern, die Lebensfrage des Judenthums selbst trifft. Denn täuschen wir uns nicht: was sonst noch geschehen ist und geschehen soll-von den in der neueren Zeit hervortretenden Körperschaften, die eine collective Thätigkeit in der deut- *) Von Advocat Emil Lehmann. Rector Horwitz. Klingenstein I)r. Ludwig Philippson und Rabbiner I)r. Rahmer (in Nr. 3 d. Bl. — vom 15. Oktober 1872 — abgedruckt). scheu oder der gesammten Judenheit anbahnen, bezieht sich doch immer mehr auf das Aeußere, mehr auf die Judenheit als auf das Judenthum. Wir gehören sicherlich nicht zu denjenigen, welche die Bedeutung dieser Thätigkeiten unterschätzen. Wir erkennen in der Wirksamkeit der Ulianos, des Gemeindebundes, Aeußerungen des humanen Charakters des Judenthums und der unleugbaren Solidarität der Israeliten. Wir werden darum allen diesen Bestrebungen stets unsere vollste Aufmerksamkeit und unsere hingebendste Mitwirkung nicht versagen. Wir sind dabei überzeugt, daß, wenn dem Anscheine nach auch momentan diese verschiedenartigen Institutionen collidiren, das in der Zukunft sich sicher doch ausgleichen wird — und in Allen sich der große Segen einer lebendigen Aeußerung des ewig lebenden jüdischen Geistes nicht verkennen läßt. Allein, höher als Alles steht uns die Regelung des Religionsunterrichts. Unsere vieljährigen Beziehungen zum deutsch-jüdischen Lehrerstande haben uns die ungeheure Tragweite aller Bestrebungen für materielle und geistige Förderung des Religionsunterrichts erkennen lassen; haben unseren Blick für die vorliegende Aufgabe geschärft, haben unsere Erfahrung auf diesem Gebiete bereichert, so, daß wir jeden Schritt vorwärts froh begrüßen. Wir haben uns — so erschrecklich schlecht sieht es gegenwürtig vieler Orten um den Religionsunterricht aus — schon oft, wenn wir über Cultus, Armenwesen u dergl. mehr schrieben und sprachen, die ernste und fast schmerzliche Frage vorgelegt: wozu dies Alles? Wenn wir Synagogen bauen*) *) Wir können nachträglich eine besondere Bemerkung zu diesem Passus nicht unterdrücken: und wenn man. wie neuerdings angestrebt wird, möglichst den herkömmlichen Cultus in den neuen