Jüdische Volkszeitung
- Journal
- Jüdische Volkszeitung
- Volume
- 1873
- Issue
- 2 (8.1.1873)
- Date
- 1873-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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b'7/ 5' / Indische Volkszeitung. Wochenschrift tüß W$i?-C;XXYtÄ~£: »n @«tt«itbs und -chuk, ^ttagng® und nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen an. Preis vierteljährlich IN/2 Ngr. Herausgegeben MngMStsm in Ingelheim, bisher Herausgeber des „Jsr. Lehrer" und des „Synodalblatt". Inserate sind an die Verlagshandlung von Joh. Fpiedr. Hartknoch in Leipzig zu senden. Preis der 3gesp. Zeile 2 Ngr. Ho. 2. Leipzig, den 8. Januar. 1873. I n K a l t : Chanukka und Weihnachten. — Correspondenzen: Homburg v. d. H., Worms. - Rundschau. — Feuilleton: Die Tochter des Commerzienrathes (Fortsetzung). — Berichtigung. — Anzeigen. (Ehamififia und Weihnachten. Ein Wort für die Jugend. In dem nun ablaufenden Jahre trifft das Weihnachtsfest mit dem Beginn des Chanukkafestes zusammen. Davon wird man nun wohl in manchen jüdischen Häusern nichts gewahr werden, in denen der Christbaum längst eingebürgert ist. Aber so oft und so entschieden auch bereits daraus hingewiesen worden, so oft und so entschieden -muß es wiederholt werden, daß sich ein jüdisches Haus kein schlimmeres Armuthszeugniß geben kann als durch Anzündung des Christbaumes. Ich weiß wohl, daß ich Vielen, die da gewohnt sind, mit der Masse zu schwimmen, wenig zu Dank rede, daß solchen gegenüber jedes Wort überflüssig. Aber es gilt den Standpunkt zu wahren, es gilt doch so Manchen, der in Unklarheit und Schwäche sich dieser groben Versündigung an seinen Kindern hingiebt, zum Nachdenken wachzurufen; es gilt endlich zu zeigen und festzustellen, daß wahre jüdische Frömmigkeit nicht in Außendingen, nicht im starren Festhalten an mehr oder minder alten Minhagim, sondern im lebendigen Erfassen dessen liegt, was des Glaubens Geist und Herz bildet. So mancher von denen, welche der Synode grollen, weil sie es wagt, diese und jene Ceremonie als überwunden zu bezeichnen, so mancher von denen, welchen das Orgelspiel in der Synagoge, die bürgerliche Jahreszahl auf den Grabsteinen ein Entsetzen erregendes Chukkath hagojim, christlicher Brauch, sind hegt nicht das mindeste Bedenken, seinen Kindern den Weihnachtsbaum anzuzünden, oder doch zu gestatten. In so manchem Hause, das sich zu den rituellsrommen zählt, werden Weihnachtsstollen mit derselben Emsigkeit gebacken, mit der wenige Monate darauf die Mazzeloksch eingerührt wird, i Ja es wird Viele geben, die geradezu von Einseitigkeit,! Gehässigkeit und Intoleranz reden, weil hier dem Weihnachts-! bäum in jüdischen Häusern so scharf der Krieg erklärt wird.! Und es muß geschehen, gerade weil zugegeben, daß die > christliche Kirche und das christliche Haus kein schöneres Fest! kennt als Weihnachten. Ja, es ist wohl nicht zu viel gesagt: ' Weihnachten ist die Macht, die das Christenthum erhält. Das > Weihnachtssest, das die Familie um den Lichterbaum einigt, l ist das einzige Fest der christlichen Kirche, das aus der Kirche hinaus in das Haus einkehrt, die Familie vereinigt, sich vor Allen den Kindern in der Lieblichsten, Spenden bringenden Weise mit den hellsten Farbentönen einprägt; es ist das Fest, das für eine kurze Zeit fast den Unterschied des Standes und des Besitzes aufhebt und mildert; den Arbeiter und Dienstboten auch in unseren, leider allem patriarchalischen Leben abholden Tagen den Dienstherren näher bringt', das fort und | fort aus der fröhlichen Kinderzeit hinüber in das ernste Leben! die Erinnerung rettet an „das goldene Zeitalter", an die schönsten Tage im Leben der Kindheit. Streicht Weihnachten aus der christlichen Gesellschaft, wie sie heute ist — und Ihr habt wenig mehr übrig, als engherzige Berechnung, als ewig wiederkehrenden Wettstreit von Ängebot und Nachfrage, von Soll und Haben. Streicht Weihnachten — und die schönsten Gebilde der Kunst und Poesie sind dahin, streicht Weihnachten — und der armen, darbenden Menschheit schwindet der letzte Trost, der Wohlthätigkeitssinn verliert seinen schärfften Schleifstein. So hoch, so anerkennend fasse ich das Weihnachtssest auf. ^■V hv* >