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Der israelitische Lehrer · 1874-01-01 · 19 (1874) · p. Seite 79

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
19 (1874)
Date
1874-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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79 lörbeit orgen, - Rehmen, Seite muß glicht ZlVNsm, ist jede indm mten;uge- Vier Zu beschränken haben. Der Lehrer erzählt in den ersten (halben) Stunden derWoche biblische Geschichten, so daß er in 80 wöchentlichen halben Stunden so ziemlich den ganzen Umsang derselben zur Darstellung bringt; er erzählt die einzelnen Geschichten anregend, selbstständig, ohne Buch und läßt sie in den daraus folgenden (halben) Wochenstunden wiedererzählen, fragt ab, erläutert, ergänzt, wozu sich die Kinder aus einem Ge-! schichtsbüchlein — Flehinger, Auerbach — vorbereitet haben > können. Er wird im ersten Jahre bis zum Auszug aus Egypten, im zweiten bis zur Erbauung des zweiten Tempels kommen, dazwischen zu den betreffenden Festen die Geschichte von Chanuka und Purim erzählen können. In der zweiten Halbstunde wird er hebräisch treiben und zwar im ersten Jahre langsam lesen, d. h. die Buchstaben und Vocale zusammenlesen und etwa 100 hebräische Worte mit Uebersetzung lehren, wie wir dies in unserem kleinen „Lese- und Uebersetzungsbüchlein" behandelt haben. Im zweiten Jahre werden die Lese- und Uebersetzungsübungen an den leichtesten Stellen des Gebetbuches fortgesetzt — m^V HJW ,nS5PJ ,VW — und dabei einerseits die Stammworte und andererseits die wichtigsten Endformen des Zeit- und Hauptwortes berück- > sichtigt Einzelne wichtige religiöse Lehren kommen dabei kurz zur Besprechung. Am Ende dieses zweiten Lehrjahres, also zum zehnten Lebensjahre, muß der Schüler im Stande sein, Auskunft zu geben über die wichtigsten Ereignisse aus der biblischen Gejchichte und hierdurch auch über die Grundlehren des Judenthums und Bedeutung der hauptsächlichsten religiösen Gebote — Sabbath und Festtage. — Er muß ferner Hebräisch! so geläufig lesen können, wie es schulmäßig gefordert werden! kann. Beides ist freilich nur zu erreichen, wo ein methodischer planmäßig eingerichteter Unterricht ertheilt wird, wo der Religionslehrer pädagogische Kraft und methodischen Tact in sich vereinigt; wo er sich fern hält von jener Afterreligiosität und j Charlatanerie, die sich in einer Unmasse von Stoff versenkt.? Und in welchen Stoff! Wurde doch allen Ernstes jüngst in! einer jüdischen Zeitschrift behauptet, — von wem, brauchen! wir wohl nicht zu sagen, — daß man mit dem Talmud, j mit der Gemara mit begabten Kindern zum 6. Jahre be-! ginnen müsse! Wer lacht da? O nein, wir lachen nicht! j Wir halten uns unseren Kopf und denken an die armen : Kindlein! Und diesen Wahnsinn, diese Charlatanerie — denn in Wahrheit kommen viele Schüler solcher Anstalten, in welchen man zum 6. Jahre den Unterricht in Gemara vorgeblich beginnt, nie zum Hebräischlesen! Und — da unsere Voreltern diesen Lehrgang theilweise einhielten, wo kommen denn, oder kamen vielmehr im vorigen Jahrhunderte die — Apikorßim, die Abtrünnigen und Gottesleugner her? — Und diesen pädagogischen (?!) Grundsatz stützt der Mann allen Ernstes auf! — — Beneke! Hat der Mann in seinem ganzen Leben eine§ Schrift Beneke's gelesen, der so Etwas zu schreiben wagt? Und der fromme (?!) Mann sagt dabei: das Erlernen des Bibelwortes bleibt doch stets für das Kind etwas Mechanisches; ebenso das Erlernen der Mischna! Wir glaubten diese Abschweifung machen zu müssen, um einen unbestreitbaren Grundsatz zu erhärten. Die Erweckung religiöser Gefühle und Empfindungen im Kindesherzen entzieht sich vielfach der pädagogischen Einwirkung in der Schule. Das Kind bringt solche Empfindungen mit in die Schule — aus dem Elternhaus, aus der Natur. Das religiöse Wissen hängt damit nicht immer zusammen. Wo dies in Frage kommt, da hat nur die Pädagogik zu entscheiden. Das ist das heilige, unbestreitbare Gebiet der naturgemäßen Entwickelung des Menschen, des allmählichen Wachsens der geistigen. Kraft nach den gottgegebenen Anlagen; da rächt sich jeder verkehrte Schritt grarffam und unfehlbar! Soll das religiöse Wissen die Religion stützen und fördern, religiöse Anschauungen, Gefühle und Ueberzeugungen begründen helfen, so muß es den gottgegebenen Gesetzen der Menschennatur genau so folgen, wie jedes andere Wissen. Es muß fortschreiten: vom Einfachen zum Zusammengesetzten, vom Leichteren zum Schwereren, vom Nahen zum Entfernteren. Und das dürfen wir nie und nimmermehr vergessen. Bleibt auch all unser Wissen Stückwerk, so ist doch die Psychologie allein berechtigt, die Führerin des Lehrers beim Unterrichte zu sein. Und: mit allem Unterrichte thun wir nur unsere Pflicht. Ob unser Bestreben wirklich gesegneten Erfolg habe; ob das religiös gut vorgebildete Kind wirklich auch religiös werde, das liegt — in Gottes Hand! Literari^ies. Ingelheim, den 15. Mai 1874. Diesterweg's Wegweiser, 5. Auflage, (Essen, Druck und Verlag von G. D. Baedeker) ist bis zum 6. Hefte vorgeschritten. Mit dem 4. Hefte schloß der erste Band, welcher das Allgemeine enthält (neu bearbeitet von einem unmittelbaren Schüler Diesterweg's, L. Rudolph, Oberlehrer an der Louisenschule zu Berlin). Ein wohlgetroffenes Bildniß, das uns den edlen Meister auf der Höhe seines Lebens vorführt, ziert diesen ersten Band. Die Neubearbeitung ist eine vorzügliche; sie trägt den Stempel Diesterweg's, steht jedoch auch auf der Höhe der Anschauungen unserer Zeit, welche viele Herbheitm mäßigt, die mehr dem Charakter der Reactionsperiode (1840—44 und 1850—60 und weiter) entsprachen. — In der Literatur hätten wir eine größere, strengere Sichtung gewünscht. Manches ist auch hier veraltet. Der Blick auf so Vieles schreckt ab und verwirrt. — Das 5. Heft von Seiffarth bearbeitet, handelt vom Religionsunterricht. Er

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