Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1873-1874
- Issue
- 13 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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56 — bewilligt wurde, nicht correct waren. — Wer denkt daran, Jemand nach seiner religiösen Richtung in solchen Fällen zu fragen? Wir inquiriren nicht! Haben die Lehrer dies anerkannt? Standen sie uns zur Seite? — Wir könnten im Gegentheil Staunenswerthes erzählen. Nur ein Beispiel: Als vor einiger Zeit im „Israelit" ein schmutziger Artikel gegen uns stand, der alles Maß überschritt, da war es ein Mensch, der den schönen Namen Lehrer" mißbräuchlich trägt (der nicht einmal orthographisch abschreiben konnte), der uns die Abschrift jenes Artikels, mit zotenhafter Nachschrift gepfeffert, zusendete. Es ist selbstverständlich , daß uns das für unsere Person gleichgültig gewesen. Aber schmerzlich berührte uns der Gedanke von der grenzenlosen Gemeinheit unter Gliedern unseres Standes, für den wir doch genug gethan haben, um auch bei entgegengesetzter religiöser Anschauung eine glimpfliche Behandlung erwarten zu dürfen. Nun denn, wir haben wieder einmal unseren Berufsgenossen offen und frei unsere Meinung gesagt und wir kommen zum Schluffe: Wollen die Lehrer, daß es besser mit ihnen und mit dem Stande werde, so mögen sie die Mittel benutzen, die wir ihnen geboten haben und noch bieten. Sie mögen der Achawa und dem deutsch-jüdischen Lehrervereine beitreten, um ihre Zugehörigkeit zur Gesammtheit zu erweisen. Sind sie gleichgültig dagegen; wollen sie, daß Andere für sie die Kastanien aus dem Feuer holen, dann: Schmach über solche Menschen, die kein Herz haben für das Wohl der Gesammtheit, der sie angehören. Diese Vereine werden sich, wie seither, so auch in der Zukunft nie um die religiöse Richtung ihrer Mitglieder kümmern! Wollen die Lehrer, daß diese Zeitschrift und insbesondere die mit ihr verschmolzene „Jüdische Volkszeitung" fortbestehen und fortfahren soll zu wirken für die Hebung des Lehrerflandes und der Schule, so mögen sie eimal thun, was Viele für die Verbreitung der orthodoxen Zeitschriften, für die Colportage anderer, ihnen fernstehender Erzeugnisse der Presse gethan haben und noch thun. Sie mögen diese Zeitschrift zu verbreiten suchen in ihrer Gemeinde. Das ist bei einigem guten Willen nicht schwer. Man mache nur einmal den Versuch. Was eine Zeitschrift, die immer und überall das Wort für die Lehrer und den Lehrerstand ergreift — und das thut unter allen jüdischen Zeitschriften nur die Volkszeitung — für die Verbesserung der Lehrerverhältnisse thun kann, brauchen wir hier nur anzudeuten. Wir werden so lange auf der Wacht stehen für die Verbesserung der Verhältnisse der jüdischen Lehrer, als uns die Möglichkeit geboten ist. Es liegt in der Hand der Lehrer, sich ihr Organ zu erhalten. Wollen sie dies nicht, so mögen sie es sich selbst zuschreiben, wenn einmal unsere Kraft zu Ende ist; wenn sie dann erkennen, daß sie allein keine Stimme mehr haben in der Presse. Wir haben unsere Schuldigkeit gethan; wir werden jedoch ausharren und sie ferner thun — bis zum Ende. Ober-Ingelheim, in der ersten Woche des Jahres 5634. I. Klingenstein. Literarisches. Korah, Tragödie in fünf Acten von Eduard Kulke. Leipzig, Oswald Mutze. 1873. In dem Dichter verräth sich jedenfalls ein dramatisches Talent. Daß es uns mit diesem Geständnisse Ernst ist, belegen wir durch offene Aufdeckung der Mängel, welche uns bei der Lektüre ausgefallen sind, neben Hervorhebung der Vorzüge, welche sich uns zu erkennen geben. Die Dichtung (fünMßige Jamben) ist sehr gewandt und die Sprache rein, einzelne Jncorrectheiten und Derbheiten abgerechnet; Manches mag dabei auf Rechnung österreichischer Spracheigenheiten gesetzt werden. Die Zeichnung, der Charaktere ist gut, aber Moses ist verfehlt. Am Schluffe erscheint er geradezu als Schwachkopf. Der Schluß des Stücks befriedigt ebenfalls nicht und tritt zu plötzlich, unvermittelt ein. Korah dreht sich um, läuft den Felsen hinan und stürzt sich hinunter. Ebenso die Tochter. Diese Scene hätte dem Auge des Publikums entzogen werden müssen, abgesehen davon, daß man sich nicht in den Tod stürzt, wie wenn es einen Seiltänzersprung zu machen gälte. Die Combination der biblischen Einzelheiten ist gelungen, jedoch die Anlage des ganzen Stücks verfehlt, weil sie Moses und sein Gesetz aus der Vogelperspettive christlich-theologischer Anschauung beurtheilt und Moses wegen der Starrheit und Sttenge des Gesetzes verurtheilt. Korah vertritt dagegen die moderne atheistische Freigeisterei, an der er zu Grunde geht, weil sie im Volke keinen Boden hat. Dadurch ist diese Richtung aber noch nicht selbst verurtheilt. Eine solche Verurtheilung erwartet man von Moses. Es scheint, wie wenn er dazu den Anlauf nehmen, wollte. Er hebt an: „Ihr Kinder Israels" —, da fällt der Vorhang und das Stück endigt. Will der Dichter damtt andeuten: Atheismus und Vernunstreligion haben an sich, nur nicht für das Volk, eine Berechtigung? Auch hiermit fände das Stück keine beftiedigende Lösung. Daß die Ruchlosigkeit Datan's und Abiram's wie die Leidenschaftlichkeit von Korah's Weib unbestraft bleiben, ist ebenfalls als Fehler in der Veranlegung des Stückes zu bezeichnen. Das Recht muß nicht immer siegen, aber das Unrecht darf nicht ungesühnt bleiben. Dr. R. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur I. Klingenstein in Ingelheim. - Verlag von Johann Friedrich Hartknoch inLeipzig. Perausgeoer Druck von Heinrich Fischer & Co. in Leipzig.