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Der israelitische Lehrer · 1873-01-01 · 12 (1873) · p. Seite 52

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1873-1874
Issue
12 (1873)
Date
1873-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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>' *y**e*M w1—»aji t^^w.tamtmammv' ■ wurm 7>» w aanwPinan — 52 — Platz im Lehrplan der Töchterschulen angewiesen, aber auch hier sollte man den eigentlichen Zweck nicht aus dem Auge verlieren und besonders die Geistesprodukte der Pädagogen, wie Jean Paul, Pestalozzi re. pflegen.*) Von großem Nutzen wäre es auch, wenn man die Pädagogik (des Hauses, der Familie) als speciellen Gegenstand in den Lehrplan aufnehmen würde. Ein kurzer Abriß der Geschichte der Pädagogik mit der Zusammenstellung wichtiger Momente und Winke für die erste Erziehung der Kleinen würde für unsere etwas erwachsenen Töchter interessanter und für ihr ganzes spätere Leben nützlicher sein, als manch anderer Gegenstand, der nur um einen Platz auf dem Lehrplan auszufüllen ans demselben figurirt, von dem aber der größte Theil der Lernenden kein richtiges Verständniß hat. Was die Handarbeit betrifft, so ist es natürlich und löblich, daß damit schon in der Schule begonnen werde, um solches bis zum Hause und im Hause fortzusetzen. Aber auch hier ist mehr auf das praktische Stricken, Flicken, Stopfen Gewicht zu legen, als auf künstlerische Stickereien, da sich ersteres täglich im Leben wiederholt und für emen ordentlichen Haushalt von unberechenbarem Nutzen ist. Wir gewahrten es daher immer recht gerne, daß ein uns bekannter Kreisschulrath bei Besichtigung der von den Schülerinnen der Töchterschulen verfertigten Handarbeiten immer den gestopften Strümpfen, geflickten Hemden mehr Aufmerksamkeit zuwendete, als den feinen Stickereien. Der Gesang, die Musik und das Zeichnen sind ebenfalls wichtige Gegenstände zur Bildung des ästhetischen Sinnes; jedoch möchten wir auch hier die Grenzen nicht überschritten haben, damit unsere Dämchen sich nicht zur Stufe der Virtuosität emporschwingen wollten, ohne hierzu wirklich die innere Befähigung zu haben. Denn was aus solchen angehenden Künstlerinnen einst für tüchtige Hausfrauen und Familienmütter werden, darüber will ich schweigen und den geschätzten Leser selbst urtheilen lassen. Wer keine guten Anlagen für diese Künste hat, sollte überhaupt davon bleiben, denn Stümperei verdirbt den ästhetischen Sinn und wirkt schädlich auf die Gemüthsbildung. Auerbach sagt einmal sehr schön: Kartätschen in die Claviere". Fragen wir nun kurz, worin die wissenschaftliche Aussteuer besteht, die eine Töchterschule nach unserer unmaßgeblichen Ansicht zu geben hat, so scheint uns die richtige Antwort: Sie muß sich ganz auf dem Felde der allgemeinen Bildung bewegen. Von diesem Gesichtspunkte aus sollte man sich damit begnügen, dem Mädchen außer Kenntnissen der Religion gründliche Kenntniß des Rechnens, der vaterländischen und der Weltgeschichte, sowie der Geographie, ferner der *) Wir können uns dieser Ansicht nicht anschließen, weil schon die Sprache gerade dieser beiden Schriftsteller große Schwierigkeiten bietet. Redaction. Muttersprache (hauptsächlich auf dem Wege praktischer Uebung und der classischen Literatur, sowie etwas aus der Naturkunde beizubringen. Daß einige ftemde Sprachen gelernt werden, ist zweckmäßig; aber es darf darüber die Muttersprache nicht vernachlässigt werden. Ihr Hauptzweck sei, „daß sich an ihr das Sprachverständniß bilde an den logischen Verhältnissen, an der Reflexion über Form und Ausdruck, Geist und Gefühl sich schärfe und dann, damit die unseligen fremden Elemente in unserer ganzen Cultur auch dem Weibe leichter verständlich sind." Was endlich die Künste betrifft, so werden wir dem Mädchen noch weniger als dem Knaben diesen Schmuck versagen wollen, uns aber mit Zeichnen, Musik (Singen und Clavier) begnügen; nur daß damit der Eitelkeit nicht gedient und auf ein Virtuosenthum hingearbeitet werde, welches alles Andere zu verschlingen droht. Man bleibe beim Einfachen und halte dies so gern überwuchernde und ins Forcirte ausartende Bildungselement im gehörigen Einklänge mit dem Ganzen. Das Angegebene genügt, wenn es gründlich, nicht oberflächlich, wie es häufig geschieht, gelehrt und vom Mädchen wirklich angeeignet, ihm in Fleisch und Blut übergeht, geistig assimilirt wird. In diesem Falle ist dann am Ende der Schulzeit gewiß das Bedürfniß nach Mehr, wenigstens nach Erhaltung des Gelernten geweckt und die Möglichkeit gegeben, auf ein sicheres, inneres Fundament weiter zu bauen und an das Erlernte theils durch eigenen Fleiß, theils durch die Einflüffe der Lebenserfahrungen die weitere, so hoch zu schätzende Selbstbildung anzuknüpfen, „damit", wie die Verfasserin einer Schrift „Die Frauen" sagt, „jenes Resultat erreicht wird, daß selbst die vielbeschäftigte Hausftau in den Jahren, wo die Sorgen um Familie und Haushalt am größten sind, doch kein größeres Vergnügen, keine besiere Zerstreuung kennt als die, ein gutes Buch zur Hand zu nehmen, Geist und Herz an ihm zu stärken und sich die nöthigen Kenntnisse zu erhalten, welche sie befähigen, ihren Kindern auch später geistig zur Seite zu stehen." JEiterarifcftas. Deutsches Lesebuch der Unterstufe. Mit Rücksicht auf die allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872 zusammengestellt von Dr. Georg Bormann, ord. Lehrer an der Victoriaschule zu Berlin. Mit einem Vorworte von Karl Bormann, Geh. Regierungsräth und Ehrenmitglied des königl. Provinzial-Schul-Collegiums zu Berlin. Ladenpreis: uneingebunden 10 Sgr. Berlin, Nicolai'sche Verlagsbuchhandlung (Stricker) 1873. — Ein Lesebuch, das den Zweck des Leseunterrichts im Auge behält, und den passenden Stoff in schöner Form, meist dem bestgeeigneten der deutschen Literatur entnommen, bietet. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur I. Klingenstein in Ingelheim. — Verlag von Johann Friedrich Hartknoch in Leipzig. Druck von Heinrich Fischer & Co. in Leipzig.

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