Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1873-1874
- Issue
- 11 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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48 _/ M lichen Erziehungslehre. Die Wahrheit dieser Sätze wird wohl von Niemandem in Zweifel gezogen werden und doch steht der menschliche Verstand stille, wenn er seine Blicke über den Lehrplan einer höheren Töchterschule schweifen läßt. Was wird da nicht Alles getrieben? Fast könnte man glauben, daß das weibliche Geschlecht das männliche an Kunst und Wissenschaft noch überragen wolle. So eng der Kreis ist, in welchem sich einst das Mädchen als Gattin und Mutter bewegen soll, so breit ist der Lehrplan, der als Brücke zu diesem engen Kreise überführen soll. Wir erblicken auf demselben alles Mögliche, nur nicht das, was für den häuslichen Beruf unentbehrlich ist; eine Summe von Unterrichtsobjecten, die den Kopf eines Menschen, der in seinem Berufe nicht nur der theoretischen, sondern auch der praktischen Richtung Rechnung zu tragen hat, verwirren müssen. Die Sucht zu glänzen und eine öffentliche Rolle zu spielen, die in dem Blute unserer Zeit liegenden Neigung, Wissen mit Bildung und Charakter zu indentiftciren; alles dies trägt dazu bei, den eigentlichen Beruf zu übersehen und andere Dinge in den Vordergrund zu stellen, die ein für allemal nicht Hauptsache sind. Ja, sollen unsere Töchter recht erzogen werden, so müssen unsere Lehrpläne der höheren Töchterschulen insofern eine Aenderung erleiden, als eine Concentration eintreten muß, d. h. eine Beschränkung in der Zahl der Unterrichtsgegenstände und eine weniger oberflächlichere, aber desto tiefere Behandlung derselben. Sehen wir uns den Lehrplan etwas genauer an. Glücklicherweise treffen wir in oberster Reihe noch den Religionsunterricht. Wir sagen glücklicherweise, denn was ist in der heutigen Zeit nicht wohl alles möglich? Wir würden uns nicht wundern, wenn wir eines Tages auch diesen Gegenstand vom Lehrplane gestrichen und ihn durch einen anderen ersetzt fänden. Wenn wir die formelle Stellung des Religionsunterrichtes als ersten Gegenstand auf dem Lehrplane und den Zeugnissen betrachten ünd dabei wieder wahrnehmen, wie wenig Sorgfalt demselben von vielen Directoren und Directricen der Töchterschulen und des Hauses zugewendet wird, so müssen wir uns fast unwillkürlich das Bild eines greisen Mannes vergegenwärtigen, dem man noch irgend eine Literarisches. Ingelheim, Ende Juni 1873. Lehrplan für Volksschulen mit einem Lehrer. Von Heinrich Jastram, Seminar-Hauptlehrer in Hannover. (Hannover 1871, Fr. Cruse's Buchhandlung und Antiquariat.) Da jüdische Schulen zumeist nur einen Lehrer haben, so ist ein solches Schriftchen recht lesenswerth. Es enthält viel praktische Winke, wenn wir auch nicht gerade annehmen wollen, daß der eine oder andere der angeführten Lehrpläne genau für jede Volksschule paßt. Dem Religionsunterricht ist ein so weiter Raum zugemessen, daß dieser auch für den hebräischen Unterricht fast ausreichend wird. Die Realien (Weltkunde) sind etwas kurz bedacht. Das Ganze steht noch ziemlich auf dem Standpunkte der (alten) Regulative. Eine Schulreife in Deutschland. Ein Beitrag zur Kenntniß der Schulzustände der Gegenwart. Mit einem Anhänge: der Schulofen; die Schulbank; die Lesemaschine. Für Lehrer, Schulfreunde, Schul- und Gemeindebehörden. Von Josef Bühlmann, Lehrer in Luzern. Mit 4 Tafeln Abbildungen. (Zürich, Verlags-Magazin 1873.) Inhalt: Vorwort. Einleitung. Schulwesen der mittel- und norddeutschen Staaten im Allgemeinen. Die höhere Bürgerschule in Frankfurt a. M. Das Lehrerseminar in Gotha. Seminar für Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen daselbst. 1. Bürgerschule daselbst. Land- und Volksschulwesen des Herzogthums Gotha im Allgemeinen. Die Schulen in Weimar. Gartenarbeitsschule daselbst. Schulwesen der Städte Leipzig und München. Privatschulen. Schulofen. Schulbank. Lesemaschine. — Ein ersichtlich reicher Inhalt, freies Urtheil und treffliche, anschauliche Darstellung. Grundriß der Chemie gemäß den neueren Ansichten. Von C. F. Rammelberg, Doctor und Professor an der Universität und der Gewerbeakademie in Berlin. (Der unorganischen Chemie 3. Auflage. Berlin 1873. C. G. Lüderitz'sche Verlagsbuchhandlung. Carl Habel.) Ein sehr instructives und sowohl zur Selbstbelehrung als für die Schule geeignetes vortreffliches Werk, das die Stelle pro forma innehalten läßt, dessen Bedeutung jedoch > neuesten Ansichten auf dem Gebiete dieser Wissenschaft vertritt. gleich Null ist. So auch beim Religionsunterrichte. Er figurirt nur noch in vielen Anstalten dem Namen nach auf dem Lehrplane, und die Aufmerksamkeit, die ihm von den leitenden Persönlichkeiten zugewendet wird, ist nur eine äußerlich-scheinbare. Diese Gleichgültigkeit documentirt sich nun folgerichtig auch an den Kindern, die nur so viel Interesse für einen Gegenstand haben, als ihre Eltern und Lehrer selbst dafür haben. (Schluß folgt.) Leitfaden und Lesebuch der Geschichte für Schulen. In 4 Stufen. Von Th. Kriebitzsch, Director der höheren Töchterschule in Halberstadt. Dritte, verbesserte und bis zum Jahre 1873 fortgeführte Auflage, mit Jahrestafeln und Tageskalendern. (Berlin 1873. Verlag von AlwinPrausnitz.) Wir haben uns über die früheren Auflagen dieses Werkes günstig ausgesprochen und wir halten unser Urtheil fest. Der concentrische Unterricht ist der Naturgemäßeste in der Geschichte, der allein die Möglichkeit bietet, das Gebiet zu umschreiben und zu beherrschen. Die Sprache dürste jedoch etwas kindlicher sein. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur I. Klingenstein in Ingelheim. — Verlag von Johann Friedrich Hartknoch in Leipzig. Druck von Heinrich Fischer & Co. in Leipzig. ' H 7 pr t